Technik

Erste bauaufsichtliche Zulassung für Textilbeton

Werkstoff für eine neue Zeit

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat Textilbeton der Marke Tudalit zugelassen und damit die erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (ABZ) für Textilbeton erteilt. Der Baustoff erlaubt extrem schlanke Verstärkungen im Betonbau.

Zur Verstärkung von Stahlbetonbauwerken im Innenbereich, insbesondere zur Biegeverstärkung in der Zugzone bei vorwiegend ruhender Belastung, darf ab sofort der zugelassene Textilbeton verwendet werden. Hierbei handelt es sich um einen Bausatz, der aus den folgenden Komponenten besteht: der Textilbewehrung Tudalit-BZT2-V.Fraas des Herstellers V. FRAAS Solutions in Textile oder Tudalit-BZT1-Tudatex sowie dem Feinbeton Tudalit-TF10-Pagel.

„Textilbeton ist ein neuer Werkstoff für eine neue Zeit“, so Roy Thyroff, Geschäftsführer der V. FRAAS Solutions in Textile. „Tudalit-Textilbeton als innovativer Verbundwerkstoff setzt neue Maßstäbe bei der bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung und auch in ökologischer Hinsicht. Denn der Materialeinsatz ist erheblich geringer, wodurch Ressourcen geschont werden.“ Der große Vorteil von textilen Bewehrungen liegt in der Korrosionsbeständigkeit bei gleichzeitig hoher Festigkeit. Das ermöglicht eine oberflächennahe Positionierung und damit die Herstellung besonders dünner und leichter Betonbewehrungen.

Die Zulassung ermöglicht es Bauherren, Architekten, Planern und Firmen des Baugewerbes, Tudalit-Textilbeton im Innenbereich gezielt anzuwenden. „Die ABZ ist der offizielle Startschuss für den Einsatz von Textilbeton“, so Thyroff. „Wir rechnen damit, dass relativ schnell weitere Zulassungen im Bereich der Sanierung und auch für Neubauteile bzw. Fertigbauteile darauf aufbauend folgen werden.“

Vorteile von Textilbeton

Durch die Verwendung nicht korrodierender Textilien entfällt die Notwendigkeit einer großen Betonüberdeckung, wie im Stahlbeton üblich, so dass ein hoher Verstärkungsgrad bei geringen Schichtdicken von ca. 10-20 mm erreicht werden kann. Die damit einhergehenden Gewichts- und Materialeinsparungen bei gleichzeitig hoher Zugfestigkeit der Bewehrung gehören zu den wichtigsten Eigenschaften des Textilbetons. Auch eine Formgebung der textilen Bewehrung ist möglich, die sich bei schwierigen räumlichen Verhältnissen, z.B. komplexer Geometrie, als Vorteil erweist. Überall dort, wo Stahlbetonelemente verstärkt werden müssen – wie in der Sanierung oder für eine Umnutzung von Gebäuden – kommen die Vorzüge von Textilbeton besonders zum Tragen. Ein besonderes Einsatzgebiet ist der Denkmalschutz, z.B. wenn die optische Wirkung sichtbarer Bauelemente an den Bauwerken gewahrt bleiben soll.

Unterschiedlichste Referenzen

Die Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten von Textilbeton sind vielfältig. Der schlanke Verbundwerkstoff hat seine speziellen Materialeigenschaften schon in vielen Referenzobjekten mit Zustimmung im Einzelfall unter Beweis gestellt – beispielsweise bei der Sanierung eines Hyparschalen-Tragwerks in Schweinfurt, bei der Instandsetzung eines Zuckersilos in Uelzen oder bei der Verstärkung eines denkmalgeschützten Stahlbeton-Tonnendachs in Zwickau.

textiles Gewebe aus Glas
Dank textilem Gewebe aus Glas (im Bild), Aramid oder Carbon gelingt es, besonders dünne, leichte und dennoch belastbare Betonteile herzustellen. // Beton.org/Holger Kotzan
 
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