Arbeitssicherheit

Europaweite Umfrage zur Quarz-Feinstaubprävention

Ein Appell zum Nutzen aller

Die EU-Kommission will in diesem Jahr endlich einen Grenzwert für Quarzfeinstaub-Belastung am Arbeitsplatz festlegen. Mit ihrer Online-Teilnahme an der neuen NepSi-Umfrage 2016 können die betreffenden Industrie-Branchen das aktiv beeinflussen – und sind daher dringend aufgefordert, ihren Bericht abzuliefern.

Vor zehn Jahren trat der „Soziale Dialog Quarzfeinstaub“ in Kraft, das Übereinkommen über den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer durch gute Handhabung und Verwendung von kristallinem Siliziumdioxid sowie von Produkten, die diesen Stoff enthalten. Mit dem Übereinkommen haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der unterzeichnenden Industriezweige verpflichtet, die Quarzfeinstaubprävention an den Arbeitsplätzen europaweit zu verbessern.

Anlass für die Aktivität ist die Gesundheitsgefährdung durch langjähriges Einatmen von quarzhaltigen Feinstäuben, wie etwa die sogenannte Staublunge (Silikose). So befürwortet die EU-Kommission – seit 15 Jahren intensiv mit dieser Thematik befasst – einen europaweit gültigen Grenzwert an Arbeitsplätzen. Da es als erwiesen gilt, dass Quarzfeinstaub in Verbindung mit Silikose das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann, könnte in letzter Konsequenz ein solcher Grenzwert in die europäische Krebsrichtlinie aufgenommen werden – mit weit reichenden Konsequenzen der davon betroffenen Industriezweige.

Seit 2008 findet deshalb unter dem Kürzel „NepSi“ (negotiation platform on silica) alle zwei Jahre eine europaweite Umfrage zur Ist-Situation der Quarzfeinstaub-Prävention an den Arbeitsplätzen statt. Anhand von in den Unternehmen erhobenen, anonymisiert zusammengefassten Daten werden Schlüsselindikatoren errechnet sowie die Ergebnisse der Umfragen gegenübergestellt und bewertet. NepSi wird mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission realisiert. Sie zeigt, dass die Industrie informiert, sensibilisiert und hinsichtlich der Quarzfeinstaubprävention am Arbeitsplatz gut aufgestellt ist.

Mann mit Helm und Feinstaubmaske
Quarzfeinstaub in der Atemluft gefährdet die Gesundheit und erfordert entsprechenden Schutz. In der neuen NepSi-Umfrage des MIRO sollen betroffene Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergreifen. // GVS - Fotolia.com

Der Grenzwert kommt!

Die Ergebnisse der anstehenden fünften Umfrage sind besonders wichtig. Denn noch in diesem Jahr will die EU-Kommission eine aus ihrer Sicht viel zu lang existierende Lücke schließen und die derzeit diskutierten Verschärfungen im EU-Recht ver-ankern – in Form jenes Arbeitsplatz-Grenzwertes für alveolengängigen Quarzfeinstaub. Aufgabe der 28 Mitgliedstaaten wird es dann sein, den Wert ins jeweilige nationale Recht zu implementieren; dabei können sie ihn auch noch weitaus niedriger festlegen.

Insbesondere für die Produzenten von Kies-, Sand-, Naturstein- und Quarzprodukten ist von besonderem Interesse, welche gesetzliche Regelung für die Aufnahme des Quarzfeinstaubs vorgesehen wird. Lange schwankte die EU-Kommission zwischen der Chemikalien- und der Krebsrichtlinie. Während die betroffene Industrie seit vielen Jahren für die Aufnahme – wenn überhaupt – in die Chemikalienrichtlinie kämpft, deren Regelungen ein praxisnahes Schutzmaßnahmenkonzept am Arbeitsplatz ermöglicht, tendiert die EU-Kommission in jüngster Zeit mehr und mehr zur Aufnahme in die Krebsrichtlinie. Betroffene Unternehmen wären dann mit einem für die Gesteinsindustrie praxisfernen „Substitutionsgebot“ sowie der vollständigen Kapselung aller Anlagen konfrontiert. Das wäre gar nicht oder ggf. nur mit unverhältnismäßig hohen Investitionskosten umsetzbar. Zusätzlich kämen dann auch Vorschriften aus REACH und der CLP-Verordnung (Einstufung und Kennzeichnung von Produkten) zur Anwendung.

Jeder Bericht zählt – nehmen Sie teil!

Alle Unternehmen der Gesteins- und der Quarzindustrie sind wieder aufgerufen, an der NepSi-Umfrage teilzunehmen und so den Entscheidungsprozess der EU-Kommission aktiv zu beeinflussen. Denn diese betont immer wieder, wie hilfreich der Soziale Dialog „Quarzfeinstaub“ zur Verbesserung des Schutzes vor den Quarzfeinstaubgefahren ist, sieht aber die bislang fehlende Durchdringung der Sektoren als Hemmschuh, NepSi dauerhaft als Lösung anstelle eines Arbeitsplatz-Grenzwertes anzuerkennen. Aus einer nur geringen Umfrage-Teilnahme könnte die EU-Kommission folgern, dass sich die Industrie nicht bewegt. Es läge dann nahe, dass die beabsichtigten Regelungen ohne Berücksichtigung der bisher durch NepSi erreichten Ergebnisse festgezurrt werden. Die EU-Kommission unterstützt jedoch nach wie vor die freiwilligen Bestrebungen der Industrie und hat erst kürzlich einen Informationsfilm finanziert, der die Quarzfeinstaubproblematik aufgreift und den Sozialen Dialog „Quarzfeinstaub“ und NepSi als gute Lösung beschreibt, den Gesundheitsgefahren präventiv zu begegnen.

Der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (MIRO) fungiert als nationale Kontaktstelle der deutschen Gesteinsindustrie, um die NepSi-Aktivitäten zu bündeln. Der MIRO steht allen Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite – auch falls es beim Online-Erfassungstool zu technischen Problemen kommen sollte. Auf der Internetseite des Verbandes unter www.bv-miro.org stehen ausführliche Unterlagen zum Online-Meldeverfahren bereit, wie auch der Informationsfilm, den die Unternehmen intern zu Unterweisungszwecken nutzen können.

Wichtiges für Ihre Teilnahme

  1. Die fünfte NepSi-Umfrage ist am 15.01.2016 gestartet. Bitte stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen zu dieser Online-Umfrage mit zwei E-Mails eingeladen wurde. Diese E-Mails sind an die Haupt-E-Mail-Adresse des Unternehmens gegangen (oder an die für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz zuständige Person). Sofern die E-Mails nicht vorliegen, kontaktieren Sie bitte die MIRO-Geschäftsstelle in Köln (Herr Nelles, Tel. 0221 / 934674-62 oder nelles@bv-miro.org). Von hier aus können Zugangsdaten erzeugt, geändert oder ergänzt werden, und Sie erhalten Hinweise, wie weiter zu verfahren ist.
  2. Jedes Unternehmen muss unbedingt an der Umfrage teilnehmen! Neben der Gesteins- und der Quarzindustrie in Europa sind auch weitere Industriezweige (Zement, Mörtel, Betonfertigteile, Transportbeton, Keramische Rohstoffe, Glas, Bergbau, Gießerei usw.) zur Berichterstattung aufgefordert. Ziel muss es sein, dass möglichst alle Unternehmen dieser Branchen an der Umfrage teilnehmen, also einen Bericht abgeben und damit der Kommission signalisieren, dass sie die Gefahren von Quarzfeinstaub kennen und entsprechend reagieren. Teilnehmen müssen auch solche Unternehmen, deren Gestein keine bis geringe Quarzanteile hat. In diesem Fall berichten Sie, dass Ihre Beschäftigten nicht exponiert sind. Die Branche ist aufgefordert teilzunehmen, nicht nur die Unternehmen, die sich betroffen fühlen.
  3. Informieren Sie Ihre Marktbegleiter, damit auch diese sich dem Thema annehmen und so im Sinne der gesamten Branche agieren können.
  4. Ihre Teilnahme und der abgegebene Bericht haben für Ihr Unternehmen zusätzlichen Nutzen: Sofern dort noch keine im Arbeitsschutzgesetz und der Gefahrstoffverordnung zwingend vorgeschriebene Gefährdungsanalyse für Quarzfeinstaub vorliegt, kann die Teilnahme an der NepSi-Umfrage und der dann vorliegende Bericht im Sinne einer Gefährdungsbeurteilung genutzt werden. Er stellt zugleich eine in die Zukunft gerichtete Handlungsanleitung für mögliche weitere Verbesserungen dar.

Machen Sie mit bei NepSi – wir zählen auf Sie!

Dr. Frank Lützenkirchen
Walter Nelles

Bundesverband Mineralische Rohstoffe MIRO

Deckblatt NepSi-Info
Aus aktuellem Anlass hat der MIRO bereits diese NepSi-Info verschickt und zur Teilnahme appelliert.
 
Weitere Informationen


Angaben der Betriebe im Sozialen Dialog
  • Anzahl der Arbeitnehmer
  • Anzahl der möglicherweise Quarzfeinstaub ausgesetzten Arbeitnehmer
  • Anzahl der Arbeitnehmer, für die eine Gefährdungsanalyse vorgenommen wurde
  • Anzahl der Arbeitnehmer, für die eine Staubüberwachung existiert
  • Anzahl der Arbeitnehmer, die nach dem Grundsatz G 1.1 „Quarzhaltiger Staub“ arbeitsmedizinisch untersucht werden
  • Anzahl der Arbeitnehmer, für die ein Protokoll zur allgemeinen Gesundheitskontrolle erstellt wurde (die arbeitsmedizinisch betreut werden)
  • Anzahl der Arbeitnehmer, die nach dem Grundsatz G 1.1 untersucht werden
  • Anzahl der Arbeitnehmer, die unterwiesen worden sind
  • Anzahl der Arbeitnehmer, die speziell unterwiesen wurden
  • Einsatz von technischen Maßnahmen zur Reduzierung von Staub
  • Einsatz von organisatorischen Maßnahmen zur Reduzierung von Staub
  • Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung