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Beumer feiert 80-jähriges Firmenjubiläum

Alles begann mit einer Tragrolle

Es ist der 9. Dezember 1935. Der 33-jährige Unternehmer Bernhard Beumer beginnt mit vier Mitarbeitern seinen ersten Arbeitstag. Bisher hat er bei einem Essener Unternehmen in der Fördertechnik gearbeitet. Sein wichtigstes Gründungskapital ist neben Mut und Entschlossenheit vor allem der Erfahrungsschatz aus seinen bisherigen Tätigkeiten.

Die Geschäftsführung der Beumer Group: (v. l.) Dr. Hermann Brunsen, Dr. Detlev Rose, Dr. Christoph Beumer (Vorsitzender) und Norbert Hufnagel.
Die Geschäftsführung der Beumer Group: (v. l.) Dr. Hermann Brunsen, Dr. Detlev Rose, Dr. Christoph Beumer (Vorsitzender) und Norbert Hufnagel.

Angefangen hatte er als Reparaturschlosser, war dann im Bergbau beschäftigt und arbeitete einige Zeit im Ruhrgebiet.

Anschließend absolvierte er sein Ingenieurstudium. Mit der Idee, auf eigenen unternehmerischen Beinen zu stehen, beschäftigt sich Bernhard Beumer schon länger. Als er hört, dass in seiner Heimatstadt Beckum eine leer stehende Fabrik zu erwerben ist, greift er zu. Der Grundstein seiner Geschäftsaktivitäten ist die klassische Fördertechnik. Der Unternehmer beginnt bei Null. Doch der junge Oberingenieur kennt sich aus und weiß von den Bedürfnissen der Kunden. Dazu bringt er schon mit der Gründung seiner Firma die ersten Aufträge aus der Baustoff- und Zementindustrie und auch aus dem Bergbau mit. Ein entscheidender Schritt für den Erfolg der Beumer Fördertechnik ist seine Entwicklung der Tragrolle mit Labyrinthdichtung. Diese Innovation lässt sich der Firmengründer patentieren und integriert sie in weitere Produkte. Aus dieser Tragrolle leitet er auch das noch heute bestehende Firmenzeichen ab: Der Kreis stellt das Rohr der Tragrolle im Querschnitt dar, der Pfeil steht für die Tragrollenachse und deren Laufrichtung. Die Firma wächst, bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs sind bereits etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Logo am Firmengebäude außen
Das Firmenlogo leitet sich von der Tragrolle mit Labyrinthdichtung ab. Diese Innovation ließ sich der Firmengründer patentieren.

Der Sohn als Nachfolger

Bernhard Beumer heißt nicht nur der Firmengründer, sondern auch sein ältester Sohn. Nach seinem Maschinenbaustudium arbeitet er 18 Jahre lang Seite an Seite mit seinem Vater und übernimmt nach dessen Tod im Jahr 1981 schließlich die Firma. An seiner Seite stehen seine beiden Brüder Peter und Ludwig. Peter Beumer wird den Geschäftsbereich Sortieren und Verteilen aufbauen, Ludwig Beumer ist für die Finanzen verantwortlich. In der Fördertechnik treibt Bernhard Beumer vor allem die Entwicklung der Becherwerke voran. Schnell erkennt er: Eine Kette als Zugelement ist zu schwer. Durch ihr Eigengewicht hebt sich ein Großteil ihrer Zugkraft auf. Beumer ist damals schon Experte in der Gurtfördertechnik. Das bringt Bernhard Beumer auf die Idee, den Gurt als Zugelement für Becherwerke zu nutzen. Um die Becher zuverlässig am Gurt zu befestigen, setzt er einen Gurt mit Stahlseilen ein. Er ordnet die Stahlseile so an, dass seilfreie Zonen entstehen. In diese können nun Löcher gestanzt werden, um die Becher fest auf dem Gurt zu verschrauben. Mit diesen Becherwerken schafft Beumer eine Fördertechnik, mit der sich deutlich höhere Geschwindigkeiten fahren und größere Achsabstände umsetzen lassen. Bis Mitte der 1980er Jahre installiert der Anbieter insgesamt etwa 100 Anlagen, in den Jahren 2007 und 2008 sind es weltweit rund 450 – pro Jahr.

Historisches Fabrikfoto (außen)
In dieser ehemaligen Fabrik in Beckum begann die Geschichte.

Über Stock und Stein – kurvengängige Bandanlagen

In den 1960er-Jahren legt Beumer die Grundlagen für kurvengängige Bandanlagen. Die ersten theoretischen Auslegungen am Markt stammen aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Beckumer Fabrik. Heute zählt die Unternehmensgruppe zu den Technologieführern dieser Anlagen – sowohl in offener Ausführung als Muldengurtförderer wie auch als Pipe Conveyor. Eine eindrucksvolle Referenz ist die 12,5 Kilometer lange Muldengurtförderanlage in der chinesischen Provinz Sichuan, die 2008 in Betrieb geht und die pro Stunde aktuell rund 2.200 Tonnen Kalkstein vom Steinbruch ins Zementwerk transportiert. Ihre Linienführung ist mehrfach vertikal und horizontal kurvengängig. Die Anlage überbrückt insgesamt 1,5 Kilometer Wasserfläche, große Bambuswälder und überwindet auch auf kurzen Distanzen Höhenunterschiede bis zu 100 Metern. Zu diesem Projekt hat die Beumer Group nun den Auftrag erhalten, einen weiteren Förderer in ähnlicher Größe zu liefern und zu installieren. Der Kunde plant bereits eine dritte Ausbaustufe.

Ein Förderband führt aus einer Halle heraus
Pipe Conveyor lassen sich perfekt an die örtlichen Gegebenheiten anpassen.

Kein schweres Heben mehr

Im Bereich Verladetechnik entwickelte Bernhard Beumer jun. neue Produkte wie zum Beispiel die dreidimensionale Belademaschine, um Zementsäcke auf Lkw zu verladen. Die Arbeiter werden damit körperlich wesentlich entlastet. In den 1970er Jahren entwickeln die Ingenieure diese Belademaschine bis zur kompletten Automatisierung weiter. Daraus entsteht der erste stationäre Palettierer. Um die palettierten Stapel wirtschaftlich und effizient zu verpacken, hat die Beumer Group mit dem Beumer stretch hood eine bewährte Hochleistungs-Verpackungsanlage im Angebot. Diese Technologie wurde hinsichtlich Funktion, Wirtschaftlichkeit und Ergonomie weiter optimiert und zur Interpack im Mai 2014 das erste Mal präsentiert.

Stückgut statt Schüttgut

Als Peter Beumer nach seinem Auenthalt in den USA Ende der 1960er-Jahre zurück nach Beckum kam, trieb er die „Fließtechnik“ weiter voran. Beumer hatte zum Beispiel Kreisförderer für Schlachthöfe gebaut, die mit Röllchenbahnen und

 
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