Technik

Faserverstärkte Beton-Fertigteile

Filigran, leicht, stark

Wie viele Küstenstädte hat auch Helsinki die Vorzüge der Lage am Wasser neu entdeckt. Ein ehemals industriell genutztes Hafengebiet soll durch exklusive Wohnbebauung aufgewertet werden – darunter ein Gebäudekomplex mit einer Fassade aus faserverstärktem Leichtbeton.

Die vorgelagerte Fassade erfüllt gleich mehrere Funktionen: Tagsüber wird sie den Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz gerecht, nachts filtert sie die Beleuchtung im Inneren und sorgt so für spannende Lichteffekte auf der Außenfläche. Durch das Spiel mit Licht und Schatten, offenen und geschlossenen Flächen sowie der materialeigenen Oberflächenwirkung des Baustoffs Beton schufen die finnischen Architekten ein Objekt mit Landmarken-Charakter.

Gegensätze vereint

Mit herkömmlichen Fertigteilen aus Stahlbeton wäre diese filigrane Fassade nicht zu realisieren gewesen. Die österreichische Rieder Smart Elements GmbH ist spezialisiert auf Fassadenplatten aus faserverstärktem Beton, der auf Stahlbewehrung verzichtet und trotzdem ebenso dünne wie stabile Bauteile ermöglicht.

Die von den finnischen Architekten bei Rieder angefragten Fassadenplatten mit verschieden großen, ausgesparten Quadraten in Größen bis zu 4,57 x 1,87 m sind so noch nicht hergestellt worden. Herkömmliches Sperrholz ist in den geforderten Maßen am Stück nicht verfügbar und Stöße waren nicht zugelassen. Auch die möglichen Einsatzzahlen sprachen gegen Holz. Also galt es, neue Lösungen zu suchen. Die benötigten Schaltische in den Abmessungen von 5,10 x 2,40 m mussten fugenlos und die Schweißnähte am Beton unsichtbar sein. Für die sichere, flexible Befestigung der vielen Einbauteile mit Gewindeschrauben musste jeder Schaltisch etwa 1.000 Bohrungen in unterschiedlichen Größen aufweisen, alle milimetergenau platziert. Um halbwegs wirtschaftlich produzieren zu können, sollten auf einem Schaltisch mindestens 60 Betonteile in gleichbleibend hochwertiger Qualität hergestellt werden können.

vorgelagerte Fassade in strahlendem Weiß
Die vorgelagerte Fassade in strahlendem Weiß dient als raffinierter Sichtschutz und bietet durch die Perforierung eine hohe Transparenz.

Beim Schaltisch-Hersteller Alkus nahm man diese Herausforderung an. Im ersten Arbeitsschritt verschweißten die Liechtensteiner Vollkunststoffplatten vom Typ AL20 auf eine transportable Größe und setzten dann die vielen Bohrungen maßgenau auf einer CNC-Anlage. Im Rieder-Werk erfolgte die Montage der vorbereiteten Platten auf die mit Holz belegten Rütteltische. Um selbst kleins­te Unregelmäßigkeiten der Betonoberfläche im Bereich der Schweißnähte auszuschließen, wurden die Oberflächen der Schaltische mit einem Rotationsreiniger mattiert.

Wunsch wurde Wirklichkeit

Das Ergebnis fiel optimal aus und rechtfertigte so den hohen Aufwand. Zufrieden äußerte sich denn auch Produktionsleiter Wolfgang Bürgler bei Rieder: „Die Möglichkeit, mit Alkus-Vollkunststoffplatten fugenlose Schaltische in beliebiger Größe herzustellen, hat mich ebenso überzeugt wie die lange Lebensdauer bei konstanter Qualität.“ Unter dem Markennamen „fibre 3D“ hat Rieder 374 perforierte Fassadenplatten in unterschiedlichen Größen nach Finnland geliefert. Ein weiteres Novum: Alle Teile haben auf Vorder- und Rückseite Sichtbetonqualität.

Fertigteile ohne sichtbare Fugen
Fertigteile in Größen bis zu 4,57 x 1,87 m ohne sichtbare Fugen. Möglich wurde das durch entsprechend große, verschweißte Vollkunststoffplatten von Alkus.
 
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