Industrienachrichten

„Beton(t) Zukunft bauen“

Angewandte Bauforschung zur Effizienzsteigerung in der Vorfertigungsindustrie

Die 19. Internationale IFF-Fachtagung des Instituts für Fertigteiltechnik und Fertigbau Weimar lockte rund 250 Gäste in die Goethe-Stadt, die über aktuelle Trends und Innovationen in der Vorfertigungsindustrie diskutierten.

Dr. Ulrich Palzer, Direktor des Instituts für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH, in der das IFF aufgegangen ist, begrüßte die Teilnehmer und forderte sie auf, gemeinsam einen Blick in die Zukunft zu werfen. Deren Grundanforderungen heißen auch für die Baubranche Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energieeffizienz. Aktuelle Themen, die in den vergangenen Jahren immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rückten.

„Bauen ist und bleibt ein Teil unserer Kultur, ein bedeutender sogar. Wir müssen uns jedoch stärker damit auseinandersetzen, wie wir bauen, welche Baustoffe wir einsetzen und wie viel Ressourcenverbrauch wir uns erlauben können“, sagte Dr. Palzer. Dass in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energieeffizienz Innovationen von immensem Interesse und enormer Relevanz sind, da sie die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und damit Arbeitsplätze sichern, war Grundtenor seiner Begrüßung.

Welche entscheidende Bedeutung dabei der engen Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft zukommt, hob er besonders hervor. Er sprach von einer „langfristigen Partnerschaft auf Augenhöhe“ und der Rolle, die Innovationsgeber wie die IAB Weimar gGmbH dabei spielen.

Im Einführungsvortrag forderte Adrian Forrer (CreabetonMatériaux AG, Schweiz) auf, für eine Idee und deren Umsetzung zu brennen. Aber auch von „Kreateuren“ und einer hohen Unternehmenskultur war die Rede, um erfolgreich am Markt zu bestehen. Im Anschluss stellten Prof. Horst-Michel Ludwig und Prof. Andrea Dimmig-Osburg  (Bauhaus-Universität Weimar), Prof. Anette Müller und Steffen Schiecke (IAB Weimar gGmbH) sowie Philippe Francisco (CERIB, Frankreich) und Hossein Maleki (Maleki GmbH) den Teilnehmern neue baustoffliche Entwicklungen vor. Das Spektrum umfasste „Alleskönner“, aber auch Spezialbaustoffe, und reichte von der Erhärtungsbeschleunigung über Betone für besondere Einsatzbereiche, wie im Präzisionsmaschinenbau, bis hin zu Recyclingbetonen.

Dass die Märkte der Zukunft intelligente und innovative Produkte brauchen, die sich den Wünschen ihrer Anwender anpassen, kam deutlich zum Ausdruck. In den Vorträgen von Dr. Ulrich Palzer, Knut Krenzer (IAB Weimar gGmbH) und Marie David (CERIB, Frankreich) wurde schnell klar, dass insbesondere die Symbiose von Informationsverarbeitung und Ingenieurwissenschaften faszinierende Perspektiven für derartige Produkte und deren Anwendungen eröffnet.

Dabei numerische Simulationsmethoden zu nutzen, um technische Vorgänge besser zu verstehen, nichtmessbare Größen zuverlässig zu erfassen, Einflussparameter gezielt zu analysieren oder Prozesse optimal auszulegen, waren Kernaussagen in diesen Vorträgen.

In die „Tiefe“ ging es mit Christian Weinberger (Schlüsselbauer Technology GmbH & Co KG, Österreich) und Prof. Körkemeyer (TU Kaiserslautern),die beide keinen Zweifel aufkommen ließen, dass auch im Tief- und Rohrleitungsbau Betonfertigteile Wettbewerbsvorteile garantieren. Dr. Lohse (IAB Weimar gGmbH) informierte darüber, wie Ablagerungen in Trinkwasserleitungen durch Wandstrukturen verhindert werden können. Sein Exkurs ins Reich der Bionik konnte das Anwendungspotenzial bionische Lösungen für den Rohrleitungsbau lediglich andeuten, zeigte jedoch auf beeindruckende Weise, dass die Natur wohl der erfolgreichste Innovator aller Zeiten ist.

Dr. Özgür Bezgin
Dr. Özgür Bezgin stellte das Forschungszentrum der Sabanci-Universität vor.

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Klaus Vogt (BFE Beton Fertigteilbau Erfurt GmbH) mit seinem Beitrag „Zeit für Zukunft“, der demonstrierte, dass Betonfertigteile in ihrer Perfektion einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellen. Dr. Hubert Wächter (IAB Weimar gGmbH) ging auf verarbeitungs- und verfahrenstechnische Aspekte bei der künstlichen Alterung von Betonwaren ein. Das  dabei nicht nur auf Kundenwünsche in der Umsetzung einzugehen ist, sondern auch nachhaltige Verarbeitungsprozesse eine wichtige Rolle spielen, war Gegenstand des Vortrages von Jürgen Martin (IAB Weimar gGmbH).

Karlheinz Stegmaier (Akustikbüro Krämer & Stegmaier GmbH) machte auf die Notwendigkeit schneller Prüfverfahren für qualitätsgerechte Fertigungsabläufe aufmerksam und stellte den mobilen Schallprüfstand „MobiPrüf“ vor, der Effizienzpotenziale im Ablauf von Prüfvorgängen umsetzt. Verantwortung zu übernehmen war dann im Anschluss Thema des Vortrages von Wolfgang Pichl (BG RCI), der das hohe Unfallaufkommen in der Baubranche differenziert beleuchtete und Gegenmaßnahmen aufzeigte.

Den Schlusspunkt und sicher ein Glanzlicht der Veranstaltung setzten die Beiträge zur Anwendung von Betonerzeugnissen. Dr. Özgür Bezgin (Yapi Merkezi Prefabrikasyon A.Ş., Türkei) stellte das neu errichtete Forschungszentrum der Sabanci-Universität vor, bei dessen Entwicklung und Realisierung alle Vorzüge der Vorfertigung in beeindruckender Art und Weise umgesetzt wurden – ein architektonisch anspruchsvolles Design kombiniert mit den Potenzialen einer effizienten Fertigung – und das in einer seismisch hoch aktiven Region der Türkei.

Paolo Conde (Compact Habit, Spanien) präsentierte ein Betonfertigteilmodul, das nach Kundenwünschen in der Vorfertigung montiert und komplettiert wird. Prof. Anatolij Magay (Zentrales Forschungs- und Projektierungsinstitut für Wohngebäude und öffentliche Bauten, Russland) öffnete den Blick gen Osten. Hier gilt es, einen immensen Bedarf an Wohnraum zu decken, was bei den vorhandenen Möglichkeiten in Russland durchaus als Herausforderung angesehen werden darf. Thilo Lehmann (Lehmann Maschinenbau GmbH) und Klaus Jaeschke (B.T. innovation GmbH) berichteten über bautechnische Neuerungen in der Schalungstechnik respektive über innovative Verbindungsmittel.

Welches Potenzial in dem bisher nur wenig genutzten Rohstoff Basalt steckt und wie wichtig die Grundlagenforschung im Hinblick auf mögliche industrielle Anwendungsbereiche ist, zeigte David Abouem à Tchoyi (IAB Weimar gGmbH).

Die tagungsbegleitende Ausstellung war wieder Treffpunkt vieler namhafter Vertreter der Betonbaubranche. Dank regem Zuspruch der Teilnehmer stand hier der praxisnahe Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt.

Schon jetzt lädt der Veranstalter zur 20. Internationalen IFF-Fachtagung am 13. und 14. November 2013 nach Weimar ein. Dann heißt das Motto „Wir werden concret(e)“.

 
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