Unternehmensführung

Hydraulic Fracturing in der Kritik

Das sogenannte Hydraulic Fracturing bekommt – auch politischen – Gegenwind. Davon sind ebenfalls Projekte des BG RCI-Mitgliedsunternehmens RWE Dea betroffen.

Deutsche Politiker und ein Teil der Öffentlichkeit stellen sich derzeit gegen das sogenannte Hydraulic Fracturing. Um die Diskussion richtig begleiten zu können, ist zunächst eine Begriffsklärung nötig.

Im Englischen wird Hydraulic Fracturing auch „fracking“, „hydrofracking“, „fraccing“, „frac’ing“ oder „frac jobs“ genannt. Hydraulic Fracturing ist in der Tiefbohrtechnik eine Methode, bei der durch das Einpressen einer Frac-Flüssigkeit („Fracfluid“) in eine Tiefbohrung künstliche Risse erzeugt werden. Ziel ist es, die Fließfähigkeit (Permeabilität) für das Erdgas in der Nähe des Produktionsbereiches zu erhöhen.

Die Anwendung von Fracturing-Techniken bietet sich bei allen flüssigen und gasförmigen Ressourcen an, deren Förderung durch eine geringe Permeabilität des Reservoirgesteins eingeschränkt ist, um dadurch höhere Flußraten der Ressource zu erzielen oder ehemals hohe Flußraten wiederherzustellen. So ist die Methode des Fracking bei der Förderung von Erdgas und Erdöl sehr verbreitet. 2008 kam diese Methode weltweit mehr als 50.000 mal zum Einsatz.

Ihre Entwicklung im Bereich der Erdgas- und Erdölproduktion geht bis in die 1940er Jahre zurück.1949 wurde sie erstmals kommerziell angewendet. In den USA werden heute rund 90 Prozent der Erdgasbohrungen „gefract”.

Beim Hydraulic Fracturing wird eine Flüssigkeit mit darin enthaltenem Stützmittel („Fracfluid“) über die Bohrung in das Gestein gepresst. Der hierbei im zu fracenden Bereich erreichte Druck muss dabei die geringste im Umgebungsgestein anliegende Spannung überschreiten. Dabei drückt die Flüssigkeit das Gestein gegen die geringste anliegende Spannung hin auseinander.

Im Normalfall liegen die niedrigeren Spannungsrichtungen in der Vertikalen, da der senkrechte lithostatische Druck ohne weitere Einflüsse die Hauptspannung darstellt.

Gegen Ende des Hydraulic Fracturing wird die eingepresste Flüssigkeit fast vollständig zurückgepumpt, wobei das der Flüssigkeit beigesetzte Stützmittel in den Rissen verbleibt, um diese offen zu halten.

Hydraulisches Medium

Die beim Fracking verwendeten Fluide sind das hydraulische Medium, welches den Druck zum Aufbrechen des Umgebungsgesteines überträgt. Hauptsächlich handelt es sich um Wasser, dem etwa fünf Prozent weitere Stoffe beigemischt werden.

Über die Auswirkungen der Additive auf die Umwelt sind seit einiger Zeit Diskussionen in der Öffentlichkeit entbrannt, obwohl der Anteil der Additive in der Fracking-Flüssigkeit prozentual gemessen gering ist.

In der Kritik steht dabei die geplante Erkundung von „unkonventionellem Erdgas“, ausgelöst durch Aktivitäten von Erdöl-Erdgas-Firmen in Deutschland im Zusammenhang mit der angeblich schädlichen Förderung von Shale-Gas (Schiefergas).

Unkonventionelles Erdgas

Die Bezeichnung „unkonventionelles Erdgas“ ist missverständlich, denn bei dem Gas handelt es sich um normales Erdgas. Unkonventionell ist die Lagerstätte, in der es gebunden ist. Entweder ist das Speichergestein nicht durchlässig genug oder das Gas ist an Feststoffe gebunden.

Um das Erdgas aus diesen Lagerstätten fördern zu können, kommen technische Methoden wie das Hydraulic Fracturing zum Einsatz. Dabei wird das Gestein in der Lagerstätte unter hohem Druck aufgebrochen und mit kleinen Bauxit-Kügelchen als Stützmittel offengehalten. Das Gas fließt dann einfacher und schneller zum Förderrohr.

Förderverbote

Laut Bundesumweltministerium soll an sensiblen Orten, etwa in Gebieten zur Trinkwassergewinnung, Hydraulic Fracturing generell verboten werden. Außerhalb dieser Gebiete müssten „strenge Mindestanforderungen“ gelten, etwa eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die Regierungskoalition hatte eine politische Initiative unmittelbar nach der Sommerpause 2011 angekündigt, um die Fracking-Technologie bei Erdgasbohrungen zu regulieren.

Ebenso sieht es die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Die Folgen der Fracking-Technologie bei der Suche und Erschließung von Erdgas aus Schiefergestein soll ein Gutachten abschätzen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen will erreichen, dass für alle Tiefbohrungen eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden muss.

Kritische Entwicklung

Im Erdgasland Niedersachsen hält man dieses für eine überzogene Belastung für die heimische Erdöl- und Erdgasindustrie. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium setzt sich auch auf Bundesebene für eine Lösung ein, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung lediglich für Maßnahmen mit erhöhtem Risiko vorsieht.

Gute Gründe für Fracking in konventionellen Lagerstätten

„Wir sehen die politische Entwicklung mit Sorge, weil durch die Shale-Gas-Diskussion ein Verfahren in Misskredit gerät, dass wir seit über 20 Jahren erfolgreich und sicher anwenden“, sagt RWE Dea-Pressesprecher Derek Mösche. In keinem Fall sei es zu einer negativen Beeinflussung des Grundwassers oder der Erdoberfläche gekommen.

Neben der Unbedenklichkeit des Hydraulic Fracturing unterstreicht das BG RCI-Mitgliedsunternehmen RWE Dea die Bedeutung des heimischen Erdgases: Etwa 14 Prozent des Verbrauchs kommen aus deutscher Förderung.

„Es ist volkswirtschaftlich von größter Bedeutung, dass das bewährte Fracking-Verfahren weiterhin eingesetzt wird, um die hiesige Förderung des CO2-armen Energieträgers Erdgas auf höherem Niveau halten zu können“, so Derek Mösche.

Derzeit plant der Förderbetrieb Niedersachsen der RWE Dea Fracs für die Bohrungen Hemsbünde Z 2 und Z 4 im Kreis Rothenburg/Wümme. Da sich mittlerweile eine Bürgerinitiative gebildet hat, setzt RWE Dea auf die Aufklärung der Bevölkerung.

Der Förderbetrieb Niedersachen sowie die Abteilungen QHSE und Corporate Communications des Mitgliedsunternehmens informieren auf Veranstaltungen, durch kontinuierliche Medienarbeit und politische Kommunikation.

Heiko Nuß, BG RCI

Blick vom Bohrturm der RWE Dea-Bohranlage T 160 auf den Betriebsplatz während eines Fracs. Auffällig sind vor allem die Container mit dem Wasser (rechts) und die Hochdruckpumpen (Mitte).
Blick vom Bohrturm der RWE Dea-Bohranlage T 160 auf den Betriebsplatz während eines Fracs. Auffällig sind vor allem die Container mit dem Wasser (rechts) und die Hochdruckpumpen (Mitte).

Foto: RWE Dea