Die Betonindustrie ist Spitze!

Wolfgang Pichl

Wenn ich mich richtig erinnere stand unter diesem Slogan vor einigen Jahren ein Fachkongress der Beton- und Fertigteilindustrie. Die aufgrund der bei ihren Produkten vorherrschenden Farbe häufig als „graue Maus“ bezeichnete Betonindustrie hat tatsächlich eine ganze Menge zu bieten. Bei Betonsteinen und -platten gibt es in der Zwischenzeit eine Produktvielfalt, die ihresgleichen sucht und (fast) jeden Kundenwunsch befriedigt.

Einige Produkte lassen erst auf den dritten oder vierten Blick erkennen, dass es sich um ein aus Beton hergestelltes Produkt und nicht um Naturstein handelt. Mit reflektierendem oder nachleuchtendem Material hergestellte Oberflächen leisten an Bushaltestellen oder an Fußgängerüberwegen einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, genauso wie die an immer mehr Autobahnabschnitten verbauten Betonleitplanken. Im Industrie- und Wohngebäudebau kommen Bauteile zum Einsatz, die nicht nur höchsten bauphysikalischen Anforderungen genügen, sondern auch ästhetisch sind. Und die ganze Sache hat auch noch einen wirtschaftlichen Aspekt: Durch den Einsatz von industriell vorgefertigten Betonfertigteilen verkürzt sich die Bauzeit eines Gebäudes, es kann daher früher genutzt und damit schneller refinanziert werden. Die witterungsunabhängige Herstellung im Betonwerk und die ständige Güteüberwachung der Rohstoffe gewährleisten eine gleichbleibende Produktqualität.

Auch in einem anderen Bereich ist die Betonindustrie Spitze.

Leider nicht im positiven Sinn. Mit 65 meldepflichtigen Arbeitsunfällen pro 1.000 Beschäftigten steht die Betonindus-trie an der Spitze der Unfallstatistik nicht nur bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie, sondern in der gewerblichen Wirtschaft insgesamt. Dazu kommt, dass in diesem doch relativ kleinen Industriezweig für den Durchschnitt der letzten Jahre jährlich um die drei tödliche Arbeitsunfälle zu beklagen sind.

Vor diesem Hintergrund wurde in der Branchenprävention Baustoffe - Steine - Erden eine Initiative zur Senkung der Unfallzahlen in der Betonindustrie gestartet. Eine ausführliche Beschreibung der damit verbundenen Aktivitäten finden Sie in dieser Ausgabe. Ein wichtiger Bestandteil dieser Initiative ist, dass wir uns Ziele setzen: Ziele, die wir gemeinsam in den nächsten drei Jahren erreichen wollen. Dabei können und wollen wir Ihnen nicht die Verantwortung für den Arbeitsschutz in Ihren Unternehmen abnehmen. Wir verstehen unsere Rolle als Berufsgenossenschaft vielmehr als Lotse in einem Prozess. Unternehmer und Führungskräfte der Betonindustrie sind die Kapitäne. Sie tragen die Verantwortung für ihr Unternehmen und die dort beschäftigten Mitarbeiter. Wir als Berufsgenossenschaft versuchen mit ihnen gemeinsam den richtigen Kurs festzulegen und sicher zum Ziel zu kommen - wie ein Lotse in der Seefahrt.

Lassen Sie uns gemeinsam versuchen die gesteckten Ziele zu erreichen. Es ist ein für beide Seite lohnender Prozess. Vor Jahren gab es den bekannten Werbeslogan „Beton - Es kommt darauf an, was man daraus macht“.

Lassen Sie uns das Richtige machen.

Herzlichst Ihr
Wolfgang Pichl