Den zweiten Teil dieser Veröffentlichung finden Sie in Ausgabe 2/2010. Den vollen Text finden Sie auch unter http://www.dguv.de/ifa/de/pub/grl/pdf/2010_003.pdf (PDF)

Anwendung der TRGS 517 für Tätigkeiten mit asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen

Das Vorkommen von Asbest in mineralischen Rohstoffen insbesondere für die Bauindustrie und die damit verbundene Problematik ist seit langer Zeit bekannt. In diesem Beitrag werden die Auswirkungen der TRGS auf die Steine und Erden-Industrie mit den Bereichen Gewinnung und Aufbereitung in Steinbrüchen, Recycling von Baustoffen, Bearbeitung von Naturstein und Verwendung von Füll- und Zuschlagstoffen aufgezeigt.

Die Rechtslage bezüglich des Inverkehrbringens von mineralischen Rohstoffen und der Exposition bei Tätigkeiten mit diesen Materialien hat sich mit der Neufassung der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vom Dezember 2004 wie folgt geändert:

In Folge dessen musste die seit Dezember 1997 bestehende TRGS 954 „Empfehlungen zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen von §15a Abs. 1 GefStoffV für den Umgang mit asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und Erzeugnissen in Steinbrüchen“ entsprechend angepasst werden.

Diese Änderungen sind in der zuletzt im Juli 2009 ergänzten TRGS 517 „Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen“ umgesetzt worden. In den Fokus der neuen TRGS 517 ist die Gefährdungsbeurteilung und Anwendung von Schutzmaßnahmenkonzepten gerückt.

Asbest in mineralischen Rohstoffen

 Massengehalt an Asbest in mineralischen Rohstoffen

In bestimmten, in Deutschland genutzten mineralischen Rohstoffen können Spuren von Asbest enthalten sein. Dies sind z. B. Schotter, Splitte, Werkstein aus verschiedenen Gesteinen (z. B. Gabbro, Norit, Diabas Amphibolit, Basalt). Es handelt sich bei diesem Asbest in vielen Fällen nicht um die technisch eingesetzten langfaserigen Varietäten der Asbestminerale, sondern zumeist um stengelförmige bis prismatische Formen dieser Minerale, die erst durch mechanische Zerkleinerung splitterförmige Partikel freisetzen, die gemäß den WHO-Kriterien (Länge > 5 µm, Durchmesser < 3 µm,
L:D > 3:1) als alveolengängige Fasern bewertet werden. Während technische Asbestprodukte zum überwiegenden Teil mit Chrysotil (Weißasbest) hergestellt wurden, finden sich in den genannten mineralischen Rohstoffen zumeist die technisch nur sehr selten genutzten Asbestminerale Tremolit und Aktinolith.

Abb. 1: Lange dünne Asbestfasern (a) und splitterförmige Gesteinsbruchstücke (b)
Abb. 1: Lange dünne Asbestfasern (a) und splitterförmige Gesteinsbruchstücke (b)

In Abb. 1 sind die verschiedenen Arten von Asbestfasern gegenübergestellt. Die splitterförmigen Asbestfasern haben nicht die Eigenschaft, sich weiter aufspleißen zu können, wie dies bei technisch eingesetzten Asbesten festzustellen ist. Der maximal zulässige Asbestgehalt in mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen ist in Anhang IV Nr. 1 der Gefahrstoffverordnung mit 0,1 Prozent festgelegt. Im Gegensatz zu asbesthaltigen Produkten, denen zur Eigenschaftsverbesserung Asbestfasern in größerem Umfang bewusst zugegeben worden sind, enthalten mineralische Rohstoffe nur Spuren von Asbest als Verunreinigungen. Die TRGS 517 stellt hierzu in Nr. 1 Abs. 4 fest:

Der Arbeitgeber kann davon ausgehen, dass der Massengehalt an Asbest in mineralischen Rohstoffen, wie sie z. B. in Steinbrüchen der Bundesrepublik Deutschland vorkommen, weniger als 0,1 vom Hundert beträgt, so dass das Herstellungs- und Verwendungsverbot gemäß § 18 i.V.m. Anhang IV Nr. 1 Abs. 2 Ziffer 3 GefStoffV nicht berührt ist.

Somit sind diese mineralische Rohstoffe und daraus hergestellte Zubereitungen und Erzeugnisse i.d.R. uneingeschränkt verkehrsfähig. Die Bestimmung des Massengehalts von Asbest wird auf Grundlage besonderer Analysenverfahren durchgeführt, die in der TRGS 517 nun verbindlich festgelegt sind.

Asbestexposition

Das Asbest-Expositionsverbot nach § 15a der Gefahrstoffverordnung ist 2004 mit der neuen Gefahrstoffverordnung aufgehoben worden. Ein Arbeitsplatzgrenzwert für Asbest besteht in Deutschland nicht.

In Anlehnung an die im Wesentlichen bereits lange bestehenden Regelungen der TRGS 519 „Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“ ist als Richtgröße zur Festlegung besonderer Schutzmaßnahmen die Asbestfaserkonzentration von 15.000 F/m3 herangezo-gen worden („geringe Exposition“ nach TRGS 519). Diese Konzentration ist die unter Standardbedingungen bei Arbeitsplatzmessungen erreichbare Nachweisgrenze. Die Bewertung von Expositionsmessungen unterliegt einer bestimmten Vorgehensweise (siehe weiter unten).

Anwendungsbereich und Zielsetzung

Die TRGS 517 gilt für Industriezweige, die

Ausgenommen ist der in der TRGS 519 geregelte Bereich der Asbestsanierung.

Die TRS 517 konkretisiert Gefahrstoffverordnung § 11 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen, § 15 Arbeitsmedizinische Vorsorge in Verbindung mit der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) sowie  § 18 Herstellungs- und Verwendungsverbote in Verbindung mit Anhang IV Nr. 1.

Mit der neuen TRGS verbessert sich für die von der Asbestproblematik betroffene Unternehmen einerseits die Rechtssicherheit, verbunden mit wesentlichen Erleichterungen. Andererseits wird den Unternehmen mit der Forderung einer Gefährdungsbeurteilung eine höhere Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter auferlegt. Die TRGS beschreibt Schutzmaßnahmen, deren Anwendung Voraussetzung für Tätigkeiten mit natürlich vorkommenden asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen ist, um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten.

Die TRGS gliedert sich in einen allgemein geltenden Teil für alle betroffenen Branchen, Arbeitsbereiche und Tätigkeiten und in einen speziellen Teil, der den besonderen Anforderungen in der jeweiligen Branche Rechnung trägt. Der spezielle Teil ist – soweit zutreffend – immer zusätzlich zum allgemeinen Teil anzuwenden.

Naturstein zur Gartengestaltung
Naturstein zur Gartengestaltung

Ermitteln und beurteilen

Bei der Gewinnung, Aufbereitung, Wiederaufbereitung, Weiterverarbeitung und Wiederverwertung bestimmter natürlich vorkommenden Gesteine kann das Auftreten von Asbest im mineralischen Rohstoff und damit eine Exposition der Beschäftigten bei den hiermit verbundenen Tätigkeiten grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Entsprechendes gilt für den Tunnelbau.

Die allgemeine Vorgehensweise bei der Gefahrstoffermittlung und Gefährdungsbeurteilung wird in Nr. 3.1  Abs. 3 der TRGS 517 umrissen:

Zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 7 Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber vor Aufnahme von Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen Materialien durch geeignete Maßnahmen nach Nummer 3.2 zu ermitteln und nach Nummer 3.3 zu beurteilen, ob eine Asbestexposition der Beschäftigten zu erwarten ist und in welchem Umfang diese vorliegt.

Hinzuweisen ist auf eine Hilfestellung für die Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung entsprechend der TRGS 517, die vom Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V. (MIRO) für Steinbruchbetriebe herausgegeben wurde und als MIRO-Info 15/2008 beim Verband erhältlich ist [2].

Abb. 2.: Ablaufschema der Ermittlungen gemäß TRGS 517
Abb. 2.: Ablaufschema der Ermittlungen gemäß TRGS 517

Bei der Gefahrstoffermittlung ist zunächst den Fragen nachzugehen, ob ein potenziell asbesthaltiges Gestein gemäß Anlage 1 der TRGS vorliegt und ob Asbest in dem Gestein nachweisbar ist (siehe Abb. 2). Für den Fall, dass das vorliegende Gestein nicht in der Anlage 1 aufgeführt  ist, kann davon ausgegangen werden, dass im Gestein kein Asbest enthalten ist. Das Gestein fällt somit nicht in den Geltungsbereich der TRGS 517. Im Zweifelsfall muss die Bestimmung der Gesteinsart durch ein mineralogisches/geologisches Gutachten erfolgen. Gilt das Gestein jedoch als potenziell asbesthaltig, ist in einem zweiten Schritt zu ermitteln, ob Asbest nachgewiesen werden kann.

Dünnschliffuntersuchungen an einer Gesteinsprobe oder die Untersuchung von abgelagertem Staub sind hinsichtlich des Nachweises von Asbest nicht ausreichend aussagefähig.

Der Nachweis von Asbest ist dann erbracht, wenn unter Anwendung eines der vier in Nr. 3.2.2 der TRGS aufgeführten und für das zu beurteilende Material zutreffenden Verfahrens zur Bestimmung des Massengehalts an Asbest in mindestens einer von drei Proben Asbest nachgewiesen wurde. Die Probenahmen sind im Abstand von mindestens 30 Tagen (ausgenommen Fräsarbeiten an Verkehrsflächen) durchzuführen. Die Nachweisgrenze des Analyseverfahrens wird mit 0,008 Massen-Prozent angenommen. Die vier Verfahren sind in Anlage 2 der TRGS näher beschrieben. Neben der Bestimmung des Massengehalts an Asbest ist auch die Zahl der Asbestfasern pro mg des untersuchten Materials auszuweisen, um das Gefährdungspotenzial einer Asbestexposition einschätzen zu können.

Konnte kein Asbest nachgewiesen werden, ist die TRGS 517 auf Tätigkeiten mit dem Gestein nicht anzuwenden. Wurde Asbest jedoch nachgewiesen, ist zu ermitteln,

  1. ob die Beschäftigten bei ihren Tätigkeiten mit dem Gestein Asbest ausgesetzt sind und
  2. wie hoch die Asbestfaserkonzentration an den Arbeitsplätzen bzw. bei den Tätigkeiten ist.

Die Bestimmung der Konzentration lungengängiger Asbestfasern in der Luft in Arbeitsbereichen erfolgt mit dem rasterelektronenmikroskopischen Verfahren BGI 505-46 [BGI 505-46]. Die Nachweisgrenze des Verfahrens beträgt unter Standardbedingungen 15.000 F/m³. Bei der Faseranalytik sind ergänzende Kriterien zur Faseridentifizierung [3] anzuwenden, um Asbestminerale über die chemischen Zusammensetzung sicher identifizieren zu können.

Erleichterungen hinsichtlich der durchzuführenden Schutzmaßnahmen ergeben sich, wenn die ermittelte Asbestfaserkonzentration an den Arbeitsplätzen oder bei den Tätigkeiten die Nachweisgrenze von 15.000 F/m³ des Analysenverfahrens unterschreiten. Die messtechnische Vorgehensweise ist in Anlage 3 der TRGS beschrieben.

Auf Grund der anspruchsvollen Vorgehensweise bei der Messung und  Faseridentifizierung empfiehlt sich, akkreditierte Messstellen zu beauftragen, wie z. B. die im Bundesverband der Messstellen für Umwelt- und Arbeitsschutz e.V. (BUA) zusammengeschlossenen Institutionen [www.bua-verband.de].

Haben die Ermittlungen ergeben, dass Beschäftigte bei ihren Tätigkeiten Asbest ausgesetzt sind oder sein können, hat der Arbeitgeber dies der zuständigen Behörde für die Betriebsstätte mitzuteilen. Bei wesentlichen Änderungen der Betriebsverhältnisse, wie z. B. bei Betriebserweiterungen, ist diese Mitteilung zu wiederholen.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sich selbst oder die von ihm beauftragte Person hinsichtlich der Gefährdungsminimierung anlassbezogen beraten zu lassen, sofern er nicht selbst oder die beauftragte Person ausreichend fachkundig ist. Die anlassbezogene Beratung ersetzt den ehemals in der TRGS 954 geforderten Sachkundenachweis. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die anlassbezogene Beratung im Zusammenwirken von Arbeitgeber, zuständiger Aufsichtsbehörde und Unfallversicherungsträger mit dem Ziel durchzuführen, einvernehmliche Lösungen für Schutzmaßnahmen festzulegen.

Ergebnisse von Expositionsmessungen zur Asbestfaserbelastung (Amphibolasbest) bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen in Steinbrüchen und bei der Asphaltherstellung für den Datenzeitraum 2000 - 2009 sind in Tabelle 1 zusammengestellt.

K. Kolmsee, M. Mattenklott

 

*Anmerkung: Den 2. Teil der Abhandlung mit der Vorstellung der Schutzmaßnahmen lesen Sie im nächsten Heft der Steine+Erden“.

Literatur

[1] K. Kolmsee, M. Mattenklott, M. Götz, U. Spod: Asbest in mineralischen Rohstoffen, Teil 1. Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft 70 (2010) Nr. 1/2

[2] Hilfestellung zur Gefährdungsbeurteilung im Rahmen der TRGS 517, MIRO-Info 15/2008. Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V., Annastraße 67 – 71, 50968 Köln

[3] Mattenklott, M.: Identifizierung von Asbestfasern in Stäuben mineralischer Rohstoffe, Teil 1: Grundlagen, Kriterienkatalog, Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft 58 (1998) Nr. 1/2, S. 15 – 22.  Die ergänzenden Identifizierungskriterien stehen mit ausführlichen Erläuterungen kostenlos zur Verfügung unter www.hvbg.de/bgia, Webcode: 494044

Expositionsdaten zur Asbestfaserbelastung (Datenzeitraum 2000 - 2009)

Arbeitsbereich

 

Anzahl
Messdaten

 

Anzahl
Betriebe

 

Anzahl
„<“-Werte

 

Minimalwert
[F/m3]

 

Maximalwert
[F/m3]

 

50%-Wert
[F/m3]

 

90%-Wert
[F/m3]

 

95%-Wert
[F/m3]

 

Steinbrüche

Gewinnung (Bohren, Abgraben mit Bagger, Radlader)

14

9

4

4.800

72.700

7.400

41.500

61.080

Wegladen, Förderung, Transport (Bagger, Radlader, Dumper)

30

10

13

1.500

126.200

8.300

27.600

46.350

Aufbereitung (Leitstand,
Brechen, Sieben, Mahlen)

22

8

3

3.400

1.530.300

25.900

231.780

247.910

Verladung (Waage-Raum,
Silodurchfahrt)

9

4

2

4.700

44.200

Herstellung von Asphalt

Materialaufgabe, Dosierung(Radlader, Doseure)

32

12

8

4.800

55.600

12.450

26.180

40.140

Leitstand, Anlagenüber-
wachung (Steuerstand,
Kontrollgänger, Mischturm)

22

11

11

4.900

64.700

7.550

45.880

61.300

Verladung, Waage, Versand

11

8

5

4.900

93.400

9.230

72.550

83.670

Asphaltlabor

24

12

6

4.800

70.900

11.300

38.200

57.000

Recycling von Asphalt

Bei 21 Expositionsmessungen aus 12 Betrieben mit NWG bis 23.700 F/m3 nur 1 Asbestnachweis (18.600 F/m3)