Gesundheitsmanagement in Konzernen

Gesund trotz kontinuierlichem Schichtbetrieb auch an Wochenenden? Gesund wegen der Kontischicht? Wie in einem Konzernbetrieb die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagementsystems funktioniert, erklärte Hans-Georg Klaus von Atlas Copco anhand des Bereichs Construction Tools in Essen.

Die Härterei arbeitete quasi noch mit der Technologie des 19. Jahrhunderts, hoher Krankenstand und Suchtprobleme waren die Folge. Das Verständnis für gesundheitliche Vorsorge fehlte. Geringe Qualifizierung und schlechte Leistungsmotivation taten ein Übriges. So bot es sich an, bei der Umstellung auf einen modernen Betriebsablauf die Gesundheit zu einem zentralen Thema zu machen.

Der Start in die Kontischicht sollte mit Unterstützung der qualifizierten Gruppenarbeit und arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen für die Schichtplanung geschehen. Die Mitarbeiter und der arbeitsmedizinische Dienst wurden mit dem Ziel eingebunden, die individuelle Gesundheit mit neuen Angeboten zu stärken. Zur Suchtprävention wurden Betriebsvereinbarungen geschlossen, die leitenden Angestellten zum Thema „Gesundheit und Führung“ geschult.

Nach den Worten von Hans-Georg Klaus bestätigten die Daten nach einem kurzzeitigen Einbruch der Produktivität während der Übergangsphase eine ansteigende Entwicklung – verbunden mit einem sinkenden Krankenstand.

»go.fit – be.on«

Ein Großunternehmen wie die e.on Kraftwerke GmbH verfolgt bei der umfangreichen Gesundheitsförderung auch wirtschaftliche Interessen. Das Ende der Kohleförderung und Verstromung im Helmstedter Revier im Jahr 2017 macht dies nötig. Da man bis dahin den Betrieb mit dem hochqualifizierten Personal weiterführen wolle, sei es sinnvoll, dort keine Vorruhestands- oder Altersteilzeitregelungen aufzulegen, berichtete Jürgen Bosse, Betriebsrat bei e.on. Mit dem Programm »go.fit – be.on« reagierte die Konzerntochter auf das demografische Phänomen der älter werdenden Arbeitnehmerschaft und des zunehmenden Fachkräftemangels. Ziel ist der gesunde, motivierte und „ausgeglichene“ Mitarbeiter – auch im höheren Alter.

 Im Arbeitsschutzausschuss des Vorgängerbetriebs BKB AG stieß manches noch auf Skepsis: „Das führt zu weit, jetzt will die BKB mir sagen, ob ich links herum oder rechts herum schlafen soll“. Eine Aufgabe des Betriebsrats war es, die Bedenken auszuräumen und die Kollegen zu motivieren. Ergotrainingsprogramme, Ernährungsberatung – jeder Mitarbeiter im Tagebau erhält frisches Obst an den Arbeitsplatz –, sowie als Glanzlicht Gesundheits- und Familientage gehören nun zur Palette. Mit 50.000 Euro unterstützte e.on beispielsweise den Gesundheitstag, bei dem man sich auch für eine Knochenmarkspenderkartei typisieren lassen kann.