Offshore-Windanlagen: Hoffnungsträger der Zementindustrie

Der Absatz von Zement für den Wohnungsbau wird weiter schrumpfen, innovative Wirtschaftsbauten im Bereich der erneuerbaren Energien erhalten dagegen eine größere Bedeutung für den Baustoff. Dies sind die Perspektiven, die Martin Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie, für diese Baustoffbranche erwartet.

Die deutsche Zementindustrie ist von der Wirtschaftskrise stärker in Mitleidenschaft gezogen worden, als dies erwartet worden sei, sagte Schneider während der Pressekonferenz des Verbandes in Berlin. Dies zeigten vorläufige Zahlen zu Umsatz und Zementverbrauch für 2009. Der ungünstige Trend werde sich 2010 nicht völlig umkehren lassen. Nach dieser Durststrecke hoffe die Branche wieder auf Wachstum. Der Zementverbrauch in Deutschland wird 2009 gut 9 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen und auf 25 Mio. Tonnen zurückgehen. 2010 setzt sich nach der Prognose des Verbandes der Rückgang fort, jedoch mit einem Minus von 5 Prozent nur noch halb so stark.

Die Umsätze der Zementbranche sanken in den Monaten Januar bis September 2009 um 7,6 Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze blieb jedoch mit rund 7.350 Beschäftigten stabil. Die Trends in einzelnen Segmenten des Zementmarkts verlaufen dabei unterschiedlich. Für den Wohnungsbau insgesamt erwartet die Branche, dass nach dem Abwärtstrend in 2009 und einer Stabilisierung in 2010 der Tiefpunkt durchlaufen ist. Ab 2011 kann mit einer schrittweisen Erholung gerechnet werden. Allein der Tiefbau hat den allgemeinen Abwärtstrend der Zementnachfrage etwas abgefangen. Die Mittel aus den Konjunkturprogrammen haben hier zu einer Belebung ab Mitte des Jahres 2009 geführt und werden dieses Marktsegment voraussichtlich bis ins Jahr 2011 hinein stützen.

Hier liegt nach Einschätzung von Martin Schneider auch ein Risiko, denn nach dem Anstieg der öffentlichen Investitionen für die Bundesverkehrswege um rund 4 Mrd. Euro 2009 und 2010 drohen mit Auslaufen der Konjunkturpakete eine Investitionslücke. Zur Sicherung und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur dürfe, so Schneider, nicht wieder zu einer Verkehrspolitik „nach Kassenlage“ zurückgekehrt werden. Vielmehr müssten die Investitionen auf einem erhöhten Niveau beibehalten werden. Schneider geht dabei von öffentlichen Mitteln von rund 12 Mrd. Euro jährlich aus. Er fordert eine Zweckbindung der Lkw-Maut für die Fernstraßen.

Mit innovativen Marktstrategien erschließt die Zementbranche  selbst neue Märkte. Dazu gehören Projekte im Bereich der Energieinfrastruktur, der erneuerbaren Energien. Einer dieser Wachstumsmärkte ist der Ausbau der Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee. Die Bauindustrie schätzt das Investitionsvolumen hier auf mehr als 80 Milliarden Euro. Ebenso setzt die Branche auf die Geothermie. „Hier wird Zement für den Ausbau der Bohrfelder, der Speicherorte gebraucht“, sagte Schneider. Bei den klimafreundlichen Energien fühlten sich die Zementproduzenten gut aufgestellt: „Der Baustoff wird eine wichtige Rolle spielen.“ Jedoch schlügen bei allem Engagement für die erneuerbaren Energietechnologien zwei Herzen in seiner Brust, so Schneider. Zur Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sei ein ausgewogener Energiemix nötig, der der Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gerecht werde.

Wo sich bei den Zukunftstechnologien Investitionen abzeichnen, muss die Branche in einem klassischen Segment mit dem demografischen Wandel kämpfen. Nach einer Untersuchung des Arbeitskreises Zementprognose wird der Anteil der für den Bau von Eigenheimen wichtigen Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen bis ins Jahr 2015 um mehr als 25 Prozent auf nur noch 20 Millionen abnehmen. „Bislang stellten Tiefbau, Nicht-Wohnbau und Wohnbau jeweils ein Drittel des Marktes“, sagte der Hauptgeschäftsführer. „Der Wohnungsbau bricht aber nicht erst seit der Abschaffung der Eigenheimzulage und Erhöhung der Mehrwertsteuer dramatisch ein.“.

Mit Sorge blicken die Zementhersteller auf die Folgen der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Sie stehen auf der Carbon-Leakage-Liste der Industriesektoren, die im Fall steigender Kosten aus der Versteigerung von CO2-Zertifikaten durch Produktionsverlagerungen gefährdet wären. „Bislang wissen wir aber nur, dass wir bei einer Zuteilung von Zertifikaten von einem Benchmarkwert von rund 0,8 Tonnen Kohlendioxid pro Tonne Klinker ausgehen können“, sagte Martin Schneider.

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