Schwimmen - der optimale Gesundheitssport?

Das empfiehlt der Arzt seinen Patienten: „Gehen Sie mal Schwimmen. Tut Ihnen gut!“ Ein oft ausgesprochener Rat, erfahrungsgemäß deutlich seltener befolgt. Die Ursache dafür ist nicht allein in der Tatsache zu suchen, dass mehr und mehr öffentliche Bäder dem Rotstift in überschuldeten Kommunen zum Opfer fallen. Schwimmen ist fraglos eine Sportart, die erhebliche logistische und technische Anforderungen stellt.

Man benötigt das richtige Wasser. Eigentlich banal, aber nicht immer leicht zu erreichen. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Wo ist das nächste geeignete Schwimmbad? Wie lang ist der Anfahrtsweg, wie hoch die Kosten? Außerdem muss die Wassertemperatur stimmen (ungefähr 26 - 28°C), also nicht zu warm – sonst lässt sich ein effizientes Schwimmtraining nicht durchführen – und nicht zu kalt, will man nicht noch Stunden später mit blauen Lippen am Schreibtisch sitzen.

Das Wasser, wenn es optimal temperiert ist, muss ausreichend Platz bieten. Die Bahnenlänge sollte mindestens 15 m, besser 25 m betragen, da sich ansonsten der Bewegungsablauf auf Abstoßen, Gleiten, Anschlagen, Wende beschränken würde. Und die Bahnen müssen verhältnismäßig „verkehrsfrei“ sein. Einige Schwimmer, die in gleichmäßigem Tempo durchs Becken gleiten, verkraftet eine normal breite Wettkampfbahn schon. Wenn aber Badende, spielende Kinder, Schwimmanfänger diesen Bereich ebenfalls nutzen, ist an geregeltes Training nicht zu denken.

Und darauf kommt es an. Für das Schwimmen gelten unter gesundheitlichen Aspekten etwa die selben Bedingungen wie für schnelles Gehen (Walking) bzw. langsames Laufen (Jogging). Wer bei minimalem Aufwand den maximalen Effekt erzielen möchte, sollte etwa zwei Stunden Bewegung netto pro Woche einplanen, also beispielsweise
3 x 40 Minuten. Ausdauernde Bewegung. Ohne Pause. Bei einer durchschnittlichen Belastungshöhe, die den genannten Sportarten auf zwei Beinen entspricht. Für viele Menschen würde das beispielsweise einer durchschnittlichen Pulsfrequenz von etwa 140 - 150 Schlägen pro Minute gleichkommen. Im Kraulstil – aus orthopädischen Gründen. Versteht sich.

Auf meine bei Vortragsveranstaltungen an dieser Stelle regelmäßig gestellte Frage, wer das beherrscht, melden sich in der Regel ein bis zwei asketische Menschen, denen man den Triathleten aus Leidenschaft schon von weitem ansieht. Dem Normalbürger bleibt diese Sportart aber verschlossen.

Das bedeutet keineswegs, dass Schwimmen nicht gut oder wirkungsvoll wäre. Es ist eine der effizientesten Sportarten, wenn es um die Vorbeugung gesundheitlicher Probleme durch Bewegung geht. Nur leider kann es (fast) keiner.

Fällt Schwimmen daher für die meisten Menschen aus? Nicht unbedingt. Auch mit anderen Schwimmlagen (Brust, Rücken) lässt sich das Training im Wasser durchführen, auch wenn man nicht unter dem Sternzeichen der „Fische“ geboren wurde. Und da es für viele sportlich Interessierte auch um Abwechslung geht, bietet sich der regelmäßige Wechsel der Sportart an: einmal pro Woche Laufen/ Gehen, einmal Schwimmen, einmal Radfahren ist eine hervorragende und wirkungsvolle Mischung. Jeweils eine knappe Dreiviertelstunde.

Noch leichter wird es, wenn man sich nicht durch gute Schwimmtechnik, sondern durch technische Auftriebshilfen über Wasser hält. Aqua Jogging (Aqua Fit) nennt sich diese Sportart, die in Rehabilitationskliniken von gehbehinderten Patienten (z.B. nach Gelenkersatz-Operationen) mit Begeisterung ausgeübt wird. Als Gruppenangebot ein Renner. Im heimischen Umfeld aber nicht immer leicht zu realisieren.

Was bleibt unter dem Strich? Die Notwendigkeit der regelmäßigen Bewegung, aber auch die Austauschbarkeit der Bewegungsform. Die Hauptsache: man tut es!

Dr. Thomas Wessinghage

Dr. Thomas Wessinghage
Dr. Thomas Wessinghage