Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz-Verordnung löst die Unfallverhütungsvorschrift „Lärm“ (BGV B3) ab

Vor dem Hintergrund der im März 2007 in Kraft getretenen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz-Verordnung (LärmVibrationsArbSchV) hat die Vertreterversammlung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft auf ihrer Sitzung am 15. November 2007 in Würzburg die Unfallverhütungsvorschrift „Lärm“ (BGV B3) außer Kraft gesetzt. Mit der Verordnung werden die EG-Richtlinien 2002/44/EG (Vibrationen) und 2003/10/EG (Lärm) in deutsches Recht umgesetzt. Damit müssen sich die Unternehmen inhaltlich auf höhere Anforderungen zum Schutz ihrer Mitarbeiter einstellen.

Gefährdungsbeurteilungen sind durch fachkundige Personen zu erstellen und Messungen nur dann erforderlich, wenn sich aus Vergleichswerten nicht sicher ableiten lässt, ob die Auslösewerte eingehalten werden. Messungen müssen dann nach dem Stand der Technik mit geeigneten Geräten, eventuell als Stichproben durchgeführt werden.

Beim Vorliegen von lärmexponierten Tätigkeiten sinken gegenüber der alten Unfallverhütungsvorschrift „Lärm“ die Auslösewerte für Präventionsmaßnahmen um 5 dB(A) (Abb. 1). Lärmbereiche sind damit schon ab einer durchschnittlichen täglichen Lärmbelastung von 85 dB(A) zu kennzeichnen. Für Bereiche, in denen der Lärm 85 dB(A) übersteigt, muss der Arbeitgeber ein Programm mit technischen und organisatorischen Maßnahmen ausarbeiten und durchführen, um die Lärmexposition zu verringern. Grundsätzlich haben hier technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und/oder persönlichen Maßnahmen.

Wird die untere Auslöseschwelle von 80 dB(A) überschritten, so hat der Unternehmer persönlichen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen; wird der obere Auslösewert von 85 dB(A) erreicht oder überschritten, besteht für die Beschäftigten eine Tragepflicht.

Neu in der Verordnung ist die Vorgabe der maximal zulässigen Exposition von 85 dB(A) bzw. 137 dB(Cpeak) unter dem Gehörschutz. Mit anderen Worten: Bei der Auswahl eines geeigneten Gehörschutzes müssen die Arbeitsplatzbedingungen, die Schalldämmung des Gehörschützers und Praxiskorrekturwerte berücksichtigt werden, damit sichergestellt ist, dass in allen betrieblichen Situationen nicht mehr als 85 dB(A) auf die Ohren der Mitarbeiter einwirken.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind bei Überschreiten der unteren Auslösewerte anzubieten, bei Erreichen oder Überschreiten der oberen Auslösewerte verpflichtend. Unter www.bg-laerm.de finden sich eine Vielzahl an weiteren Informationen und Handlungshilfen.

Seit den 70er Jahren ist Lärmprävention am Arbeitsplatz ein Schwerpunkt des betrieblichen Arbeitsschutzes. Trotz erheblicher Erfolge ist berufliche Lärmschwerhörigkeit immer noch eine der häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland. Auch verur-sacht die Lärmschwerhörigkeit nach Asbest und Silikose die meisten Kosten. Über 145 Millionen Euro zahlten die gewerblichen Berufsgenossenschaften 2005 für die Behandlung lärmbedingter Berufskrankheiten an ca. 25.000 Lärmgeschädigte. Von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft erhalten ca. 800 Versicherte eine Rente aufgrund einer beruflichen Lärmschwerhörigkeit. Die damit verbundenen Entschädigungsleistungen belaufen sich auf jährlich ca. 3,1 Millionen Euro.

Die Zahlen machen deutlich, dass in der Lärmprävention nach wie vor Handlungsbedarf besteht. Die neue Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz-Verordnung soll hier neue Impulse setzen.

Wolfgang Pichl, StBG

 

LEX, 8h

 

80 dB(A)

 

85 dB(A)

 

 

 

ab 80 dB(A)

 

größer 80 dB(A)

 

ab 85 dB(A)

 

größer 85 dB(A)

 

Lärmminderungsprogramm

 

 

 

 

 

ja

 

Kennzeichnungspflicht
Gehörschutz (Tragepflicht)
Vorsorgeuntersuchung (Pflicht)

 

 

 

 

ja

 

ja

 

Gehörschutz (Bereitstellung)
Vorsorgeuntersuchung (Pflicht)

 

 

 

ja

 

ja

 

ja

 

Unterweisung / Information

 

 

ja

 

ja

 

ja

 

ja