Verbrennungen durch unsachgemäße Schweißarbeiten an Radlader

Bei der Beseitigung einer Leckage am Hubzylinder eines Radladers trat Hydrauliköl aus, entzündete sich, und der Mechaniker, der die Schweißarbeiten durchführte, wurde durch die Flamme im Gesichtsbereich verletzt.

Was war passiert?

Der Fahrer eines Radladers in einem Mitgliedsunternehmen stellte am Hubzylinder, der die Hub- und Senkbewegung der Schaufel umsetzt, einen Hydraulikölverlust fest. Damit dieser Mangel behoben wird, suchte er in der betriebseigenen Werkstatt den Kraftfahrzeugmechaniker auf, der eine Leckage am Zylinder feststellte. Der Mechaniker besorgte sich ein Flacheisen und wollte dies im Bereich der Undichtigkeit im Autogen-Schweißverfahren mit dem Hubzylinder verschweißen. Somit sollte ein weiterer Austritt von Hydrauliköl vermieden werden.

Zu diesem Zweck stellte er sich auf das vordere Schutzblech des Radladers, um mit seinem Schweißbrenner den Zylinder zu erreichen. Nach Schilderung des Radladerfahrers, der Augenzeuge war, trat plötzlich bei dem Schweißvorgang an dem noch nicht abgedeckten Zylinder ein Strahl des Hydrauliköls aus, der unmittelbar durch die Brennerflamme entzündet wurde und dem Schweißer als zielgerichtete Flamme entgegen kam. Glücklicherweise hatte er für die Schweißarbeiten sein Schweißschutz-schild vor das Gesicht gehalten, so dass der Kopfbereich erst einmal geschützt war. Durch die Hitze und die Verbrennungsgefahr wendete sich der Schweißer von der eingenommenen Position ab, um das Schutzblech zu verlassen. Die Flamme hatte nun die Möglichkeit, sein linkes Gesichtsfeld zu erreichen und fügte ihm Verletzungen zu.

Analyse des Unfalles

Aufgrund der Schweißerflamme und der damit verbundenen Erwärmung haben sich die Materialien der ölführenden Leitungen und Zylinder ausgedehnt. Durch die Erhitzung des sich noch im Zylinder befindlichen Hydrauliköls entstand eine Druckerhöhung, die dann dazu führte, dass das Öl durch die noch nicht verschlossene Leckage strahlartig austrat und durch die Schweißerflamme entzündet wurde. Die Bedienungsanleitung des Hersteller weist darauf hin, dass an Leitungen und Rohren, die brennbare Flüssigkeiten enthalten, nicht geschweißt werden darf.

Fazit

Für bestimmte Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten an Maschinen ist unbedingt die Bedienungsanleitung des Herstellers zu Rate zu ziehen. Darin sind meistens klare Aussagen zu finden, wie bestimmte Arbeiten durchzuführen sind. Hinzu kommt, dass bei Schweißarbeiten die metallurgischen Zusammensetzungen der Anlagenteile zu beachten wären und somit eventuell notwendige Schweißzusatzstoffe für eine fachgerechte Verschweißung erforderlich sind.

Der Unfall wäre sicherlich zu vermeiden gewesen, wenn im Vorfeld eine Gefährdungsbeurteilung mit Zuhilfenahme der Bedienungsanleitung durchgeführt worden wäre. Sicherlich hätte nach Rücksprache mit dem Hersteller dieser auch autorisierte Unternehmen nennen können, die diese Schweißarbeiten durchführen dürfen. Letztlich ist jeder Betreiber dazu verpflichtet, die Vorgaben des Herstellers aus der Bedienungsanleitung zu befolgen, um eine bestimmungsgemäße Verwendung bzw. sichere Instandsetzung zu gewährleisten.

Ulrich Kretschmer, StBG

Zum Schweißen stellte sich der Mechaniker auf das Schutzblech der Schaufel
Zum Schweißen stellte sich der Mechaniker auf das Schutzblech der Schaufel
Die zu schweißende Stelle am Hydraulikzylinder
Die zu schweißende Stelle am Hydraulikzylinder