Hella leuchtet beim Arbeitsschutz

Als Zulieferer der Kraftfahrzeug-Industrie ist der Hella-Konzern im Arbeitsschutz bestrebt, den Beschäftigten ein pragmatisches Management-System zu empfehlen – für nachhaltige Erfolge im Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Sicherung der globale Wettbewerbsfähigkeit.

Die Hella KG auf Aktien Hueck & Co. ist in vielen Mitgliedsstaaten der europäischen Union mit eigenen Entwicklungs- und Produktionsstätten vertreten. Scheinwerfer, Frontend-Module, Leuchten, Dacheinheiten und so weiter werden in ganz Europa produziert, andernorts Vertriebs- oder Logistikgesellschaften unterhalten. An den Standorten in Deutschland und Tschechischen Republik verfügt das Unternehmen bereits über eingeführte und zertifizierte Arbeitsschutz-Management-Systeme (AMS).

Weil es in der europäischen Automobilindustrie und Automobilzulieferindustrie keine einheitliche Anwendung oder Normung von Arbeitsschutz-Management-Systemen gibt, ist es den Zulieferbetrieben weitgehend überlassen, ob und wenn ja welche Arbeitsschutz-Management-Systeme angewandt werden. Anfragen der Kunden zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, z.B. aus den Häusern Toyota, Daimler und Peugeot, lassen sich natürlich am einfachsten mit einem entsprechenden AMS-Zertifikat beantworten.

Zielsetzung des Arbeitsschutz-Management-Systems im Hause Hella war es, ein pragmatisches System in alle relevanten Arbeitsprozesse zu implementieren, das von den Beteiligten in der Produktion, in den Werkstätten und Laboren – aber auch in der Produktentwicklung und Verwaltung – akzeptiert und gelebt wird. So sollen nachhaltige Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz erzielt werden. Schwerpunkte des Arbeitsschutzmanagements sind heute konzernweit gültige Organisationsanweisungen, Betriebsbegehungen und Gefährdungsbeurteilungen sowie einige andere hier aufgeführte Aktionsfelder.

AMS auf Basis des ILO-Leitfadens

Durch Einführung, Auditierung und Zertifizierung eines Arbeitsschutz-Management-Systems erhält ein Unternehmen eine Anerkennung der definierten Regelungen und Verfahrensweisen im Arbeits- und Gesundheitsschutz durch unabhängige Präventionsexperten. Das schafft Rechtssicherheit. Kundenvertrauen und Unternehmensimage werden ebenfalls verbessert. Außerdem kann erwartet werden, dass Verbesserungspotenzial aufgedeckt und das Sicherheitsbewusstsein aller Beschäftigten gesteigert wird.

Demgegenüber steht auf der Kostenseite insbesondere ein personeller Zeitaufwand. Schulungen, Unterweisungen, Begehungen, Gefährdungsbeurteilungen und andere Maßnahmen müssen durchgeführt werden. Aber im Prinzip müssen diese Dinge sowieso gemacht werden. Hier also von einem erhöhten personellen Aufwand zu sprechen, wäre nicht korrekt. Einzig die durch jedes Management-System eingeforderte Integration in die Unternehmenspolitik und Vorgabe von Zielsetzungen erfordern geringen zusätzlichen Aufwand.

Nach Prüfung der für Hella in Frage kommenden Alternativen hat sich das Unternehmen für das Angebot der Berufsgenossenschaft entschieden, ein Arbeitsschutz-Management-System auf der Basis deren Verfahrensgrundsatzes zu implementieren und zertifizieren zu lassen, der sowohl dem nationalen deutschen AMS-Leitfaden als auch dem internationalen ILO-Leitfaden entspricht. Dieser BGFE-Leitfaden umfasst 22 Schwerpunkte.

Mittels mehrerer Broschüren zu den traditionellen Unternehmenswerten und einem Verhaltenskodex, der ausdrücklich z.B. die Einhaltung sämtlicher Rechtsvorschriften einfordert, stehen Kommunikationsmittel in mehreren Sprachen zur Verfügung. Die Arbeitsschutzpolitik im Hause Hella ist zudem noch in einer kleinen Broschüre festgeschrieben, die sieben an den Unternehmenswerten orientierte Grundsätze des Arbeits- und Gesundheitsschutzes enthält. Darüber hinaus unterstreichen 10 Leitlinien zur Arbeitssicherheit, dass die Geschäftsleitung, dieses Thema als Teil des Unternehmenserfolges und der Unternehmenspolitik versteht.

Das Arbeitssicherheitskonzept der Hella wurde 1996 erstmalig durch die Geschäftsführung beschlossen und liegt aktuell in der Fassung August 2007 vor. AMS-Schwerpunkte im Hella-Konzern bilden die konzernweit gültigen Organisationsanweisungen, die als „HPC =  Hella Procedure Corporate“ bezeichnet werden. Die Freigabe dieser konzernweiten Organisationsanweisungen erfolgt immer durch die Geschäftsführung.

Zum Beispiel ist die Übertragung von Unternehmer- und  Betreiberpflichten auf verschiedene Hierarchie- und Funktionsebenen bei Hella durch eine Organisationsanweisung geregelt. Übertragen werden sowohl Pflichten des Arbeits- und Gesundheitschutzes, als auch solche der Anlagensicherheit, des Brandschutzes und des Umweltschutzes – und zwar top down, beginnend bei der Geschäftsführung und den Prokuristen.

Damit wird sichergestellt, dass die Arbeitsschutzpflichten sowie die übrigen Unternehmer- und Betreiberpflichten dort wahrgenommen und verantwortet werden, wo der Ablauf der Arbeit tatsächlich bestimmt wird und in den Arbeitsprozess eingegriffen werden kann.

Allen Betroffenen wird die Teilnahme an Informationsveranstaltungen und berufsgenossenschaftlichen Seminaren angeboten, die das Führen in Arbeitssicherheit erläutern.

Integration des AMS im frühen Stadium der Produktentstehung

Der Produktentstehungsprozess gliedert sich in neun Phasen, die von einer Anfrage bis hin zum „Start of Production“ reichen. Dabei ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz insbesondere in zwei Phasen des Prozesses integriert. So werden Verwendungsverbote für bestimmte Stoffe oder Substitutionsprüfungen für Gefahrstoffe bereits in der Angebotsphase beachtet und bei der Anfertigung von Betriebsmitteln Vorgaben aus dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz sowie der Maschinenverordnung eingehalten.

Nur wenn es gelingt, Arbeitsschutz bereits in diesen frühen Phasen einer Produktentstehung zwingend zu berücksichtigen, ist die Einhaltung vieler Vorschriften und dadurch sichergestellter Arbeits- und Gesundheitsschutz wahrscheinlich. Gelingt dies nicht, ist die Gefahr mit vermeintlich preiswerten aber unsicheren Maschinen zu produzieren oder mit vermeintlich preisgünstigen Arbeitsstoffen gefährlich zu produzieren, gegeben.

Informations- und Schulungsveranstaltungen sowie Terminpläne strukturieren die Vorgehensweise ebenso wie entsprechende Checklisten und Maßnahmenpläne für Arbeitsprozesse.

Im Rahmen von Betriebsbegehungen werden jährlich die Gefährdungsbeurteilungen in den verschiedenen Bereichen aktualisiert und die Abarbeitung der Maßnahmenpläne in Verbindung mit einer Wirksamkeitskontrolle geprüft.

In einer zentralen Arbeitsschutzdatenbank sind alle Begehungsprotokolle, Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmenpläne dokumentiert und werden über einen Ampelstatus überwacht. So können die Vorgesetzten, die für die Durchführung verantwortlich sind, auf eine Blick erkennen, ob in ihrem Zuständigkeitsbereich alles im grünen Bereich ist.

Die Verhaltensanweisungen zum Verhalten bei Unfällen, im Brandfall und bei Evakuierung werden in mehreren Sprachen vorgehalten, damit sich alle Beschäftigten orientieren können und entsprechende Verhaltensweisen auch außerhalb Deutschlands angewiesen werden können.

Die Anweisungen wurden als beidseitig bedruckte Checkkarte an alle Beschäftigten ausgegeben, damit sie im Portemonnaie mitgeführt werden kann. Damit wurde ein hoher Bekanntheitsgrad der hellaweit einheitlichen Notrufnummer erreicht und sichergestellt, das die Sicherheitszentrale in Lippstadt, die rund um die Uhr weltweit Hilfeleistung bietet, in Notfällen informiert wird.

Aus- und Weiterbildung in Kooperation mit der BG

Für Maschinen, Anlagen und Arbeitsprozesse wurden etwa 100 Betriebsanweisungen erstellt, von denen einige als Freigabeverfahren mit einem Erlaubnisschein gekoppelt sind. Gefahren sind so transparent, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln angewiesen, Regelungen zur Störungsbeseitigung sowie Wartung und Instandhaltung festgeschrieben, schriftliche Erlaubnisverfahren klar geregelt. Die Betriebsanweisungen dienen den Vorgesetzten auch als Unterweisungsgrundlage.

Für Tätigkeiten mit mehr als 4.000 Gefahrstoffen sind über 800 arbeitsplatzbezogene Betriebsanweisungen in der Anwendung.  Etwa 25 Betriebsrichtlinien zu Themen wie „Fahren mit Flurförderzeugen“ oder „Unterweisung der Beschäftigten“ und „Fremdfirmen“ sowie ca. 10 Betriebsinformationen zu Fragen der „Verantwortung und Rechtsfolgen“ oder „Wesentlichen Veränderungen bei Maschinen“ runden unser System der Vorgaben ab.

Zur Aus- und Weiterbildung der Entwicklungs- und Produktionsfachleute, der Sicherheitsfachkräfte und Sicherheitsbeauftragten nutzt Hella das Angebot der Berufsgenossenschaft. Seminare zum Führen in Arbeitssicherheit, zum Brandschutz und Laserschutz, zur Lärmproblematik oder der Galvanotechnik und andere werden an den verschiedenen Seminarorten belegt. Daneben werden im eigenen Hause stetig eigene Schulungen und Informationsveranstaltungen zu allen im Zusammenhang mit Arbeits- und Gesundheitsschutz relevanten Themen durchgeführt.

Für die Unterweisung der Beschäftigten wird dabei ein Hella-eigenes Mitarbeiter-Qualifizierungssystem (MAQS) angewandt. Mit diesem Tool wird allen Beschäftigen zunächst Grundlagenwissen vermittelt. Auch die jährlich erforderlichen Unterweisungen werden mit diesem System durchgeführt. Basisqualifikationen und Spezialqualifizierungen dokumentieren die Unterweisungsteilnahmen. Die Verknüpfung mit der Personaldatenbank ermöglicht den Vorgesetzten eine lückenlose Kontrolle.

Analyse und Dokumentation weltweit abrufbar

Zu jedem Arbeitsschutz-Management-System gehört eine Unfallsachbearbeitung mit der entsprechenden Unfallanalyse und einer Auswertung des Unfallgeschehens in Statistiken, die z.B. in den Arbeitsschutz-Ausschusssitzungen beraten werden können.

Seit Jahren können so sinkende Unfallzahlen belegt werden. Im Jahr 2006 lag die Hella-Unfallquote in Deutschland mit 9 anzeigepflichtigen Betriebsunfällen pro 1.000 Mitarbeitern unter dem Durchschnitt der Branche.

In jährlichen Arbeitsschutzberichten werden die Aktivitäten an den Standorten des Unternehmens dokumentiert, so kann die erfolgreiche Projektarbeit genauso nachvollziehbar belegt werden wie die Routinetätigkeiten. Die Dokumente, Berichte und Statistiken sind im Konzern-Intranet weltweit zugänglich.

Neben den im Dreijahresrhythmus durchzuführenden externen Audits zur Fortschreibung der Zertifizierung des Hella Qualitäts-, Umweltschutz- und Arbeitsschutz-Management-Systems erfolgen interne Auditierungen in jährlichen Abständen. Zu allen Auditierungen werden Auditberichte und bei positivem Verlauf Zertifikate erstellt.

Thomas Siekmann, Leitender Sicherheitsingenieur der Hella Corporate Center GmbH

Hella ist in allen wichtigen Märkten mit Standorten vertreten
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Oberstes Ziel der Hella-Unternehmenskultur ist es, eine „höchstmögliche Kundenzufriedenheit“ zu erreichen, dargestellt durch das Bild der „Brücke der 7 Werte“.
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Das Arbeitssicherheitskonzept steht im Einklang mit den Unternehmenswerten des Konzerns.
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Ein Hella-Produkt entsteht in 9 Phasen
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Das Inverkehrbringen einer Eigenbau-Maschine ist ebenfalls durch eine Orga-nisationsanweisung geregelt, um so die Rechtskonformität des Herstellungsprozesses sicherzustellen.
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Finanzielle Anreize durch Rabatte oder Prämien fördern die Implementierung von Arbeitsschutz-Management-Systemen.
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Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind bereits in den frühen Phasen des Produktentstehungsprozesses integriert.
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Der Hella Konzern

Die Hella Kommanditgesellschaft auf Aktien Hueck & Co. wurde 1899 gegründet und zählt heute zu den 100 größten deutschen Industrieunternehmen.
Licht und Elektronik für die Automobilindustrie und automobile Produkte für Handel und Werkstätten sind die Kerngeschäftsfelder. Mit einem Umsatz von mehr als 3,7 Milliarden Euro ist das Unternehmen ein international anerkannter Partner der Automobilindustrie und des Handels und investiert jährlich erhebliche Gelder in Sachanlagen.
Weltweit beschäftigt der Hella-Konzern mehr als 25000 Menschen, von denen etwa 3000 Ingenieure und Techniker kontinuierlich in Forschung und Entwicklung tätig sind.