Die neue Berufsgenossenschaft „Rohstoffe und chemische Industrie“

Theodor Bülhoff
Theodor Bülhoff
Hauptgeschäftsführer
der Bergbau- und
Steinbruchs-
Berufsgenossenschaft

Ein neuer, starker und selbstbewusster Verbund innerhalb der gesetzlichen Unfallversicherung der gewerblichen Wirtschaft nimmt Form an: die neue Berufsgenossenschaft „Rohstoffe und chemische Industrie“. Partner in diesem Verbund sind die bereits bestehende Verwaltungsgemeinschaft aus Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie und die drei ebenfalls bereits in einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossenen Berufsgenossenschaften der Papiermacher-, Leder- und Zucker-Industrie. Die fusionierte Berufsgenossenschaft wird rund 1,4 Millionen Versicherte in 34.000 Betrieben betreuen. Sie soll am 1. 1. 2010 an den Start gehen.

Zum Fusionsvertrag sind bereits erste Entscheidungen vorbereitet worden, ebenso zum Entwurf einer neuen Satzung. Dabei steht eins unverrückbar fest: Die Angebote der neuen Berufsgenossenschaft zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz, in der Rehabilitation und bei den Versicherungsleistungen werden den Mitgliedsunternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch künftig ungeschmälert zur Verfügung stehen. Neue Strukturen werden dazu beitragen, dass diese Angebote in der Zukunft noch effizienter bereitgestellt werden können.

Unverrückbar ist ebenso das Kernelement des gesetzlichen Auftrags der Berufsgenossenschaften: Wir stellen den Unternehmer von der Haftung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten frei. Unzählige Unternehmen in vielen Teilen der Welt würden sich glücklich schätzen, im Ernstfall durch ihr oft privat organisiertes Versicherungssystem in vergleichbarer Weise abgesichert zu sein. Nicht zuletzt aus diesem Grund genießen die Berufsgenossenschaften als weltweit ältestes nationales Unfallversicherungssystem im Ausland hohes Ansehen und werden in immer stärkerem Umfang international zu Rate gezogen.

Auch im größeren Verbund wird die neue BG „Rohstoffe und chemische Industrie“ den Unternehmen und deren Mitarbeitern eine unfassende Identifizierung mit „ihrer“ Unfallversicherung ermöglichen. Das gilt für alle Versicherungsbereiche, im besonderen Maße aber für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten. An allen Hauptstandorten wird es Präventionsabteilungen geben, so für den Bereich Steine und Erden in Langenhagen und für den Bergbau in Bochum. Die weiteren Standorte werden Mainz und Heidelberg sein, wobei Heidelberg Hauptsitz der fusionierten BG sein wird.

Wie bisher ist auch die neue Berufsgenossenschaft dem Selbstverwaltungsprinzip verpflichtet. Die zentralen Selbstverwaltungsorgane werden ebenfalls in Heidelberg angesiedelt sein. Darüber hinaus ist vorgesehen, an allen Hauptstandorten Beiräte einzurichten, gleichfalls besetzt mit Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber. Schwerpunkt ihrer Arbeit wird es sein, Vorschläge für eine branchenbezogene Prävention zu erarbeiten und deren Umsetzung in den Mitgliedsunternehmen zu unterstützen und zu fördern. Dieses Instrument wird die Gewähr bieten, die bisher so erfolgreiche gemeinsame Präventionsarbeit auch in Zukunft branchen- und unternehmensnah fortzuführen. Sicheres Arbeiten und gesunde Mitarbeiter sind auch in Zukunft ein entscheidendes Element wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfolgs und bleiben ein unverzichtbarer Standortfaktor.

Im Zuge der bundesweiten Fusionsbestrebungen innerhalb der gesetzlichen Unfallversicherung hat sich die Zahl der Berufsgenossenschaften mit Stand vom 1. Januar 2008 von ehemals 35 auf jetzt 23 reduziert. Ziel sind neun Berufsgenossenschaften für den gewerblichen Bereich. Die Zahl der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand beläuft sich derzeit auf 27. Zusammen sichern alle Träger 70 Millionen Menschen gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten und stellen 3,7 Millionen Unternehmen und Einrichtungen von der Haftung für eben diese Folgen frei.

Die eingeleiteten Reformen sind Grundlage dafür, diese Leistungen als Standards im Arbeitsschutz und in der Sozialversicherung für die Zukunft abzusichern und in ihrer Effizienz erfolgreich fortzuentwickeln.

Theodor Bülhoff