2006: Zementindustrie erholt sich mit Konjunkturaufschwung

Stabile Perspektive für 2007

Der konjunkturelle Aufwärtstrend in Deutschland hat auch zu einer Erholung der Zementindustrie geführt. Für 2006 rechnet die Branche im Gefolge der wieder anziehenden Baukonjunktur mit einer Steigerung des Zementverbrauchs um etwa 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so Dr. Martin Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ), in Berlin. Dabei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Der Anstieg wird im Westen mit rund 7 Prozent deutlich stärker ausfallen als in den neuen Bundesländern, wo von einer Zunahme um 2 Prozent auszugehen ist. Nach dem Rückgang des Zementverbrauchs in Deutschland um mehr als ein Drittel in den letzten elf Jahren verbucht die Zementindustrie somit erstmals wieder ein klares Nachfrageplus für ihren Baustoff.

Insgesamt konnte der Umsatz der deutschen Zementindustrie in den ersten neun Monaten dieses Jahres um fast 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert werden. Diese Entwicklung ist allerdings nur mit einem geringen Arbeitsplatzeffekt in den 22 Unternehmen mit ihren 58 Werken verbunden. Nachdem die Beschäftigtenzahl im Juni 2006 mit 7.300 ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht hatte, ist mit zuletzt 7.369 Beschäftigten inzwischen erstmals wieder eine kleine Steigerung zu verzeichnen.

Auch für das kommende Jahr 2007 ist die Zementbranche tendenziell optimistisch gestimmt, rechnet allerdings mit geringeren Zuwächsen als für 2006. So dürfte im Wohnungsbau wegen des Wegfalls von Sondereffekten die Bautätigkeit rückläufig sein. Zudem ist höchst fraglich, ob die im Koalitionsvertrag von Union und SPD beschlossene Integration des Wohneigentums in die Riester-Rente noch rechtzeitig gesetzgeberisch umgesetzt wird. Ein Scheitern dieses Vorhabens würde dem Wohnungsbau einen zusätzlichen Dämpfer versetzen.

Die deutschen Zementhersteller gehen jedoch davon aus, dass sich gemäß den Prognosen der Wirtschaftsforscher das gesamtwirtschaftliche Wachstum in 2007, wenn auch abgeschwächt, fortsetzt und die Nachfrage nach Wirtschaftsbauten weiter wachsen wird. Da aller Voraussicht nach auch die öffentliche Baunachfrage weiter zunehmen wird, erwartet die Branche für das kommende Jahr insgesamt einen leichten Zuwachs des Zementverbrauchs um etwa 1 Prozent, so Schneider.

Getrübt werden die Perspektiven für die Unternehmen der Zementbranche nach wie vor durch die energie- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen. So ist die Gefahr steigender Strompreise nicht gebannt, und durch den Emis­sionshandel drohen weitere Belastungen. Vor allem die Absicht des Umweltministeriums, die im Nationalen Allokationsplan (NAP II) vorgesehene Obergrenze für den Kohlendioxydausstoß noch zusätzlich um 17 Millionen Tonnen abzusenken, stößt in der Branche auf erhebliche Kritik. Bei einer Ausdehnung der Produktion müssten von den Unternehmen Zertifikate hinzu­gekauft werden, deren Preis in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Herstellungskosten ihres Baustoffs stünde.

Negativ würden sich auch die derzeit dis­kutierte Versteigerung von Emissionsrechten sowie eine Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel auswirken. Nach Auffassung der Branche würde dies die Zertifikate drastisch verteuern und es der Zementindustrie deutlich schwerer machen, am volkswirtschaftlichen Wachstum teilzuhaben.

www.vdz.de

Werk Höver der Holcim AG
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