Der neue Gefahrtarif der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

– gültig zur Berechnung der Beiträge seit dem 1. Januar 2007 –

Die Vertreterversammlung der Berufsgenossenschaft hat am 15. November 2006 einen neuen Gefahrtarif beschlossen, der auf Seite 54 dieses Heftes ab-gedruckt ist. Der Gefahrtarif wurde am 15. Dezember 2006 vom Bundesversicherungsamt genehmigt und ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Er wird daher erstmals für die Beitragsberechnung des Umlagejahres 2007 im Frühjahr 2008 Anwendung finden. In der Geschichte der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist dies der 25. Gefahrtarif, welcher für eine Tarifzeit von bis zu sechs Jahren Gültigkeit haben wird. Alle bisherigen Gefahrtarife hatten eine Geltungsdauer von fünf Kalenderjahren.

Die rechtlichen, verfahrensmäßigen sowie rechnerischen Grundlagen für die Aufstellung beziehungsweise Überprüfung des Gefahrtarifs und die entsprechenden Veranlagungen der Mitgliedsunternehmen sind bei den meisten Lesern seit dem Inkrafttreten des letzten Gefahrtarifs im Jahre 2002 wahrscheinlich in Vergessenheit geraten. Nachfolgend werden daher zunächst die Bedeutung des Gefahrtarifs, sein Aufbau sowie die Ermittlung bzw. Überprüfung der Gefahrklassen kurz dargestellt, bevor die neuen Gefahrklassen mit Hinweisen auf die entsprechenden Auswirkungen auf den künftigen Umlagebeitrag sowie die in wenigen Monaten ergehenden Veranlagungsbescheide erläutert werden.

Die Bedeutung des Gefahrtarifs für die Beitragsberechnung

Während die Beiträge in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nach bestimmten Prozentsätzen des Entgelts der Versicherten erhoben werden, haben die Berufsgenossenschaften seit ihren Anfängen ihre Beiträge zu differenzieren, d.h. nach Unfallrisiken abzustufen. Sie stehen damit den Prinzipien der Privatversicherungen näher als andere Sozialversicherungsträger. Auf der Basis des Äquivalenzprinzips sind die Beiträge dabei so abzustufen, dass sie sich in ihrer Höhe nach dem jeweiligen Unfallrisiko abgrenzbarer Risikogemeinschaften richten. Nach § 157 Abs. 1 Satz 1 des Sozialgesetzbuchs Teil VII (SGB VII) setzt der Unfallversicherungsträger daher als autonomes Recht einen Gefahrtarif fest, in welchem zur Abstufung der Beiträge Gefahrklassen festgestellt werden. Der Gefahrtarif wird nach Tarifstellen gegliedert, in denen Risikogemeinschaften, nämlich die Gewerbezweige, entsprechend ihren Gefährdungsrisiken aufgeführt sind. Das Ausmaß des jeweiligen Gefährdungsrisikos kommt in der Höhe der einzelnen Gefahrklasse zum Ausdruck.

Die Gefahrklassen können auch als Durchschnittswerte der Unfallgefahren in den einzelnen Gewerbezweigen bezeichnet werden. Der Gefahrtarif stellt sich daher im Ergebnis als eine Tabelle dar, in welcher die Risiko- resp. Gefahrengemeinschaften einer Berufsgenossenschaft zu Tarifstellen zusammengefasst mit den entsprechenden Gefahrklassen aufgeführt sind.

Die Gefahrklasse ist allerdings nur einer von mehreren Faktoren, welche für den Beitrag des einzelnen Unternehmens zur Berufsgenossenschaft bestimmend sind. Maßgebend sind daneben vor allem die Größe des Unternehmens, welche über die Summe der in den einzelnen Gewerbezweigen verausgabten Entgelte Berücksichtigung findet

Und der Beitragsfuß, der aus dem Verhältnis der Aufwendungen der Berufsgenossenschaft zu den gezahlten Entgelten des vorausgegangenen Jahres, und zwar unter Berücksichtigung der Gefahrklassen, jährlich neu errechnet wird. Dieser spiegelt den Betrag wider, welcher in der Gefahrklasse 1,0 für 1.000,- EUR Entgelt an Beitrag zu entrichten ist.

Erst eine Multiplikation der Entgeltsumme einer Gefahrtarifstelle mit der jeweils zugehörigen Gefahrklasse und dem Beitragsfuß ergibt – nach Division des Produktes durch 1.000 – den Einzelbeitrag des Unternehmens. Aus alledem wird deutlich, dass die Gefahrklassen allein noch gar nichts über die tatsächliche Höhe des Beitrags aussagen.

Die Gefahrklassen geben lediglich darüber Auskunft, in welchem Verhältnis zueinander die einzelnen in Tarifstellen zusammengefassten Gewerbezweige die finanzielle Gesamtbelastung der Berufsgenossenschaft in den nächsten Jahren tragen müssen. Denn ohne die Einbeziehung von Gefahrklassen in die Beitragsberechnung wären die Mitgliedsbeiträge aller Mitgliedsunternehmen einer Berufsgenossenschaft – bezogen auf die verausgabten Entgelte – gleich hoch. Die Gefahrklassen dienen also dazu, risikogerechte Beitragsdifferenzierungen vorzunehmen und sind damit der Schlüssel zur jährlichen Verteilung des Umlagesolls.

Der Aufbau des Gefahrtarifs

Der Gefahrtarif der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft besteht aus zwei Teilen: Im Teil I sind – nach Tarifstellen gegliedert – diejenigen Gewerbezweige aufgeführt, für die die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sachlich zuständig ist. Dem gegenübergestellt finden sich die jeweiligen Gefahrklassen, so dass sich ersehen lässt, welche Gefahrklasse für den Gewerbezweig oder eine Gruppe von Gewerbezweigen - die in der jeweiligen Gefahrtarifstelle zusammengefasst ist – gilt. Die Gefahrklasse für das Hauptunternehmen ist daher stets dem Teil I des Gefahrtarifs zu entnehmen.

Teil II regelt mit „Sonstigen Bestimmungen“ die Anwendung des Gefahrtarifs. Hier werden die näheren Einzelheiten für die Veranlagung der Unternehmen und die Zuordnung von Entgelten in Einzelfällen festgelegt, zum Beispiel unter welchen Voraussetzungen und für welche Unternehmensteile eine gesonderte Veranlagung zulässig ist, wie Nebenunternehmen, deren fachliche Zuordnung nach Teil I des Gefahrtarifs nicht möglich ist, zu veranlagen sind und auch, wie die Entgelte der Geschäftsführer von Gesellschaften mit beschränkter Haftung auf die jeweiligen Gefahrtarifstellen aufzuteilen sind.

Die Berechnung der Gefahrklassen

Durch die Gefahrklassen wird der Grad der Unfallgefahr in den einzelnen Gewerbezweigen zum Ausdruck gebracht. Es erscheint einsichtig, dass der Grad dieser Unfallgefahr nicht abstrakt oder aufgrund einer Schätzung der künftig eintretenden Versicherungsfälle theoretisch bestimmt und festgelegt, sondern nur auf Grund von Erfahrungswerten gewonnen werden kann, sich mithin an konkreten Schadenverläufen und dazugehörigen Zahlenmaterialien orientieren muss. Der Gefahrtarif kann daher auch nicht die tatsächlichen Unfallgefahren im Anwendungszeitraum der Gefahrtarifs wider geben, sondern nur die auf Grund statistischer Auswertungen der Vergangenheit erwarteten Werte. Die Gefahrklassen werden daher als sog. Belastungsziffern aus dem Verhältnis der Entschädigungsleistungen zu den verausgabten Arbeitsentgelten berechnet.

Eine solche Berechnung kann zwangsläufig nur unter Heranziehung von Zahlenwerten aus der Vergangenheit erfolgen (man spricht hier insoweit von einer primären Beitragsdifferenzierung, wenn die zur Abstufung des Beitrags herangezogenen Risikomerkmale ex-ante erkennbar sind und schon bei der Einteilung der Risikokollektive berücksichtigt werden können). Gemeint sind damit die Kosten derjenigen Versicherungsfälle, die in einem bestimmten Zeitraum − dem sogenannten Beobachtungszeitraum − in der Regel den vergangenen fünf oder zehn Jahren, eingetreten sind und zu Entschädigungsleistungen geführt haben. Weil der Gefahrtarif auf dem Gedanken der Lastentragung beruht, wird nicht die Zahl der Versicherungsfälle (Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten), sondern die Höhe der gezahlten Leistungen für diese im Beobachtungszeitraum eingetretenen und entschädigten Versicherungsfälle als Grundlage für die Berechnung der Gefahrklassen herangezogen. Diese Entschädigungen für Unfälle und Berufskrankheiten, die während eines bestimmten Beobachtungszeitraumes eingetreten sind, bezeichnet man als sogenannte „Neulast“ − im Gegensatz zur „Altlast“, unter der die Entschädigungen für solche Leistungsfälle zu verstehen sind, die vor dem Beobachtungszeitraum entstanden sind. Der Gefahrtarif der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist damit ein sogenannter Neulasttarif.

Die Gefahrklassen sind also im wesentlichen das Ergebnis eines umfänglichen Rechenwerks, bei dem sich der Grad der Unfallgefahr eines Gewerbezweiges aus der Gegenüberstellung von Entschädigungsbeträgen und den in den Unternehmen verausgabten Entgelten ergibt.

Grundlage für die Ermittlung beziehungsweise regelmäßige Überprüfung der Gefahrklassen ist das Unfallverzeichnis. In dieses Verzeichnis werden - für jeden Gewerbezweig gesondert – die während eines bestimmten Zeitraums gezahlten Leistungen eingetragen, denen die im selben Beobachtungszeitraum für den betreffenden Gewerbezweig nachgewiesenen Entgelte gegenübergestellt werden.

Auf diese Weise wird ermittelt, welcher Anteil der Entschädigungsleistungen auf 1.000 EUR Entgelt entfällt. Die nachstehende Formel verdeutlicht die Vorgehensweise:

Entschädigungsleistungen für im Beobachtungszeitraum erstmals Kosten verursachende Versicherungsfälle / Summe der Entgelte im Beobachtungszeitraum x 1000 = Belastungsziffer

Die sich aus dieser Berechnung ergebende Belastungsziffer kann – gegebenenfalls nach entsprechender Rundung – unmittelbar als Gefahrklasse festgesetzt werden. Die Gefahrklasse ist damit ein rechnerischer Wert, der aussagt, wie viel Euro Entschädigungsleistungen in dem jeweiligen Gewerbezweig auf 1.000 EUR Entgelt entfallen.

Beispiel (Tarifstelle 1 des Gefahrtarifs 2007, Gewerbezweige 101 und 102): Beträgt die im Beobachtungszeitraum für einen Gewerbezweig (oder eine definierte Gruppe von Gewerbezweigen = Tarifstelle) festgestellte Entschädigungsleistung 8.588.876 EUR und werden für diesen Gewerbezweig im selben Zeitraum Entgelte in Höhe von 13.940.566.711 EUR nachgewiesen, ergibt sich die Belastungsziffer wie folgt:

8.588.876 /13.940.566.711 x 1000 = 0,6161

In diesem Gewerbezweig entfällt also auf 1.000 EUR Entgelt eine Entschädigungslast von 0,6262 EUR, so dass die Gefahrklasse nach Rundung 0,62 beträgt. Die Gefahrklassen drücken folglich nicht die Unfallgefahr eines einzelnen Unternehmens, sondern die durchschnittliche Entschädigungsbelastung aller unter einem Gewerbezweig beziehungsweise einer Tarifstelle zusammengefassten Unternehmen aus. Dies entspricht dem Prinzip der solidarischen Haftung und macht es erforderlich, als tragfähige Grundlage für die Bildung einer Gefahrklasse die Entschädigungslast auf einer möglichst breiten Basis zu verteilen. Um eine eigene Tarifstelle bilden zu können, sollten die Unternehmen einer bestimmten Gewerbeart zusammen eine so große Entgeltsumme aufweisen, dass einzelne schwere Versicherungsfälle die Gefahrklasse der Tarifstelle nicht wesentlich beeinflussen können.

Die Überprüfung des Gefahrtarifs (zum Ablauf der Tarifzeit)

Eine periodische Überprüfung des Gefahrtarifs ist vor allem aus Gründen der Beitragsgerechtigkeit erforderlich. Weil sich bereits die Kosten von wenigen schweren Unfällen ebenso wie ein Anstieg oder Rückgang bei den Entgelten auf die Höhe der Gefahrklassen auswirken können, treten normalerweise erst recht in einem Zeitraum von mehreren Jahren erhebliche Veränderungen ein, welche die bisherigen Gefahrklassen nicht mehr angemessen erscheinen lassen.

Dies gilt nicht nur für die Zusammensetzung der Tarifstellen -strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft können eine Neugliederung bzw. Zusammenfassung oder Aufteilung erforderlich machen -, sondern auch und vor allem für die Belastungsverhältnisse. Konjunkturelle Wachstums- und Schrumpfungsprozesse mit einhergehenden Veränderungen des Entgeltaufkommens wirken sich hier ebenso aus wie der Eintritt (oder das Ausbleiben möglicher) schwerer und kostenintensiver Versicherungsfälle.

Insoweit ergibt sich die Möglichkeit, lediglich die Entschädigungsleistungen sowie die Entgeltsummen der letzten fünf oder sogar noch weniger Jahre heranzuziehen und zur Grundlage der Gefahrklassenberechnung zu machen. Es stellt sich die Frage, wie weit auf die erhobenen Vergangenheitswerte zurückgegriffen werden soll. Zwischen der Länge des Beobachtungszeitraumes, dem Umfang der Entschädigungsleistungen und der Größe der Tarifstellen bestehen zahlreiche Abhängigkeiten.

Bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hat man sich erneut auf einen 10jährigen Beobachtungszeitraum – diesmal die Jahre 1996 bis 2005 umfassend – verständigt.

Wodurch unterscheidet sich der neue vom vorherigen Gefahrtarif?

Beim Vergleich beider Gefahrtarife fällt zunächst auf, dass sich nicht nur alle Gefahrklassen in ihrer Höhe verändert haben, sondern sich auch einige Tarifstellen anders als bisher zusammensetzen. Aus Gründen der Beitragsgerechtigkeit sind die Tarifstellen 2, 6, 7 und 9 b neu strukturiert worden, weil die Höhe der Belastungsziffer einiger Gewerbezweige die Zuordnung zu einer anderen als der bisherigen Gefahrengemeinschaft erforderte.

Die textliche Neufassung der „Herstellung von Betonwaren und Betonfertigteilen“ in der Tarifstelle 8 soll verdeutlichen, dass die fachliche Zuständigkeit der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sich nicht auf die Herstellung großformatiger Betonprodukte beschränkt. Beim Vergleich der alten mit den neuen Gefahrklassen sollte daher beachtet werden, dass nicht alle Gewerbezweige in ihrer bisherigen Tarifstelle verblieben sind. Tabelle 1 gibt Auskunft über die Entwicklung der Gefahrklassen.

Die Gefahrtarifstelle 1 umfasst die kaufmännische sowie die technische Verwaltungstätigkeit und weist die mit Abstand niedrigste Gefahrklasse auf. Rund 35 % der Gesamtentgelte sowie etwa 5,5 % der Entschädigungsleistungen entfallen innerhalb des Beobachtungszeitraumes auf diese Gefahrtarifstelle. Die Belastungsziffer der Tarifstelle liegt rund 22 % unter dem bisherigen Wert. Dabei haben sich auch die beiden Zweige in der Einzelbetrachtung nahezu an diesem Wert orientiert und gleichförmig entwickelt. Zurückzuführen ist dieses in der Summe auf einen Rückgang der Entschädigungsleistungen bei nahezu stabilen Entgeltsummen.

Bei der Gefahrtarifstelle 2 – Gewinnung von Naturstein, Recycling von Altbaustoffen – ist die Gefahrklasse von 8,49 um rund 1 % auf 8,41 abgesunken. Damit setzt sich bei unserer höchsten Gefahrklasse eine erfreuliche Entwicklung fort; 1997 lag diese Belastungsziffer noch mit 10,42 im zweistelligen Bereich. Aus Gründen der Beitragsgerechtigkeit wurde der Gewerbezweig „ Recycling von Altbaustoffen“ aus der bisherigen Gefahrtarifstelle 6 herausgenommen und in die Tarifstelle 2 integriert. Die Zunahme der Belastungsziffer dieses Gewerbezweiges (isoliert: 8,37) in ihrer zeitlichen Entwicklung legte es nahe, das „Recycling von Altbaustoffen“ einer höheren Gefahrklasse zuzuordnen. Die „Gewinnung von Feld-, Fluss-, Schwerspat und Kieselerde“ wurde aus dieser Gefahrtarifstelle herausgenommen und der Tarifstelle 7 zugeordnet.

In der Gefahrtarifstelle 3, die hauptsächlich für die Gewinnung und Aufbereitung von Kies und Sand sowie die geophysikalischen Bodenuntersuchungen steht, sind nahezu keine Veränderungen in der Belastungsziffer eingetreten und die getroffene Zusammensetzung der Gefahrengemeinschaft hat sich damit als relativ stabil bestätigt. Die geophysikalischen Bodenuntersuchungen waren dieser Tarifstelle erstmals für die Gefahrtarifperiode ab dem Jahre 2002 zugeordnet worden.

Bei den Gefahrtarifstellen 4 „Gewinnung von Erdöl und Erdgas“ und 5 „Tiefbohrungen auf Erdöl und Erdgas“ gehen die Belastungsziffern jeweils etwa um 14 % zurück. Ursächlich für diese Entwicklung ist hier, dass die Entschädigungsleistungen im Zeitablauf stärker sinken als die Entgeltsummen - zweifellos vor allem ein Ergebnis erfolgreicher Präventionsarbeit. Die Tarifstelle 5 ist mit den Tiefbohrungen auf Erdöl und Erdgas die nach Entgelten bemessen kleinste Tarifstelle im Gefahrtarif der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und damit grundsätzlich einem erhöhten Risiko von Zufallsschwankungen ausgesetzt. Der Rückgang der Belastungsziffer im relativen Gleichlauf mit der Gesamtentwicklung ist daher umso erfreulicher.

Die bereits in früheren Jahren wegen ihrer Heterogenität problematische Gefahrtarifstelle 6 – „Aufbereitung, Be- und Verarbeitung von Rohstoffen und Erzeugnissen der Industrie der Steine und Erden (ohne Kies und Sand)“ – ist in der zeitlichen Entwicklung und auch durch die Herausnahme der Gewerbezweige „Recycling von Altbaustoffen“ sowie „Gewinnung, Be- und Verarbeitung von Kalkschiefer“ auf eine Gefahrklasse von 6,93 abgesunken.

Die Gefahrtarifstelle 7 umfasst die „Herstellung von Zement, Kalk und Gips“ sowie die „Herstellung von Porenbeton“, neuerdings ergänzt um „Gewinnung von Feld-, Fluss-, Schwerspat und Kieselerde“ sowie „Gewinnung, Be- und Verarbeitung von Kalkschiefer“. Bei den letztgenannten handelt es sich technologisch um Sonderformen der Gewinnung, welche auf Grund ihrer Belastungswerte der Tarifstelle 7 zugeordnet worden sind. Die Gefahrklasse der Tarifstelle 7 hat sich nach dieser Umgruppierung auf 3,38 ermäßigt.

Die Gefahrtarifstelle 8 ist mit der „Herstellung von Betonwaren und Betonfertigteilen“ die nach Entgelten bemessen größte produzierende Tarifstelle unseres Gefahrtarifs. Die Belastungsziffer sinkt hier um rund 5 % von 7,72 auf 7,35 ab. Die Vergleichbarkeit der (innerhalb des Gewerbezweiges zusammengefassten) Tätigkeiten sowie die eingesetzten Maschinen und Produktionsanlagen sprechen auch hier unter technologischen Gesichtspunkten für eine grundsätzliche Beibehaltung der bisherigen Zusammensetzung. Die Herstellung von Polymerbeton stellt allerdings eine Sonderproduktion dar, die mit ihren isolierten Belastungswerten genau zur Gefahrtarifstelle 9 b passt und daher umgruppiert wurde.

In der Gefahrtarifstelle 9 a sind mit der Herstellung von Transportbeton sowie der Herstellung von Asphaltmischgut zwei - nach Belastungswerten - sehr homogene Gewerbezweige zusammengefasst. Die Belastungsziffer reduziert sich von 4,55 um rund 15 % auf 3,90.

Die Gefahrtarifstelle 9 b hat mit der Herstellung von Mörtel und Edelputzen eine ähnliche Entwicklung erfahren: die Belastungsziffer ermäßigt sich um rund 25 % von 3,42 auf 2,56. Auch hier ist ursächlich, dass einer relativ stabilen Entgeltsumme aus dem Beobachtungszeitraum eine verringerte Entschädigungslast gegenüber zu stellen war. Wie bereits erwähnt, wird dieser Tarifstelle die „Herstellung von Bauprodukten aus Polymerbeton“ (vormals Tarifstelle 8) zugeordnet.

Die Bestimmungen zum Teil II des Gefahrtarifs waren bereits im Rahmen eines ersten Nachtrags zum Gefahrtarif 2002 am 14. Dezember 2005 insbesondere unter Ziffer 4 angepasst worden. Der Wegfall der Ziffer 2 entspricht einer Forderung des Bundesversicherungsamtes, dass die Möglichkeit, die Gefahrklasse im Einzelfall unter bestimmten Voraussetzungen um 10 bis 30 Prozent herabzusetzen oder zu erhöhen nicht mehr den gesetzlichen Gegebenheiten entspreche und daher zu streichen sei.

Auswirkungen auf den Umlagebeitrag 2007

Der neue Gefahrtarif ist – wie eingangs erwähnt – am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Weil die Finanzierung der Ausgaben der Berufsgenossenschaft im Wege des Umlageverfahrens der nachträglichen Bedarfsdeckung erfolgt und die Beiträge in Folge dessen erst einige Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres abgerechnet werden können, werden sich die neuen Gefahrklassen erst bei der Beitragsberechnung für das Jahr 2007 – also im Frühjahr 2008 – auswirken. Die Beiträge für das Jahr 2006 werden dagegen im April dieses Jahres noch auf der Grundlage des bisherigen Gefahrtarifs berechnet.

Natürlich lässt sich jetzt noch nicht voraussagen, wie sich der Beitrag für das Jahr 2007 gestalten wird. Fraglich ist zum einen, wie sich das Umlagesoll, also die Differenz zwischen den Ausgaben und den Einnahmen der Berufsgenossenschaft, in diesem Jahr entwickeln wird. Was die der Berufsgenossenschaft nachzuweisenden Entgelte anbelangt, besteht allerdings angesichts der anziehenden Wirtschaft momentan Grund zum Optimismus. Wenn die Ausgaben der Steinbruchs-Berufs­genossenschaft – was zu erwarten ist – weiter zurückgehen, muss sich ein Verharren der Entgeltsummen auf dem bisherigen Niveau oder gar eine Steigerung zwangsläufig positiv auf die Höhe des Beitrags auswirken. Ausgehend von den Verhältnissen des Jahres 2005 haben wir anhand der neuen Gefahrklassen eine sogenannte Probeumlage durchgeführt, die Aufschluss über die tatsächliche Beitragsentwicklung auf Grund der veränderten Gefahrklassen (bei sonst unveränderten Rahmenbedingungen des Jahres 2005) geben kann (siehe Tabelle 2).

Veranlagungsbescheide

Jedes der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zugehörige Unternehmen wird Mitte des Jahres einen Veranlagungsbescheid erhalten, mit welchem die Zuordnung der gewerblichen Tätigkeiten zu den Gefahrklassen erfolgt. Diese Veranlagung (=Einstufung) gilt für die gesamte Zeit der Tarifperiode, wird also die Jahre 2007 bis voraussichtlich 2011/2012 umfassen. Eine Neuveranlagung während der Tarifzeit kann nur dann erfolgen, wenn sich herausstellt, dass die Angaben des Unternehmers unrichtig waren oder wenn eine – für die Einstufung wesentliche – Änderung im Unternehmen eingetreten ist. Wir machen in diesem Zusammenhang auf § 32 unserer Satzung aufmerksam, wonach der Unternehmer jede sein Unternehmen betreffende Änderung, die für die Veranlagung zu den Gefahrklassen bedeutsam ist, binnen vier Wochen anzuzeigen hat. Für alle Fragen im Zusammenhang mit der Veranlagung zu den Gefahrklassen steht Ihnen die Mitglieder- und Beitragsabteilung unserer Berufsgenossenschaft unter der Tel.-Nr. (0511) 72 57 – 301 gerne zur Verfügung.

Dr. rer. oec. Andreas Ostertag, StBG

Tabelle 1

Gefahrtarifstelle
Alte
Gefahrklasse
(1997 - 2006)
Neue
Gefahrklasse
(ab 2007)
Veränderung
der Gefahrklasse
in v. H.
1

0,79

0,62

-21,52
2
8,49
8,41
-0,94
3

6,81

6,79

-0,29
4

2,78

2,37

-14,75
5

5,78

5,06

-12,46
6

8,06

6,93

-14,02
7

3,90

3,38

-13,33
8

7,72

7,35

-4,79
9a

4,55

3,90

-14,29
9b

3,42

2,56

-25,15

Tabelle 2

Gefahrtarif-
stelle
Gewerbezweige Gefahrklasse Beitrag 2005 je 1.000,- Differenz
    2002 2007 alt neu in Euro
1
2
3
4
5
6
7
1

Kaufmännische Verwaltungstätigkeit;
technische Verwaltungstätigkeit

0,79

0,62

5,69 4,90 -0,79
2

Gewinnung von Naturstein;
Recycling von Altbaustoffen

8,49
8,06
8,41 61,13
58,03
66,48 5,35
8,44
3

Gewinnung und Aufbereitung von Kies und Sand;
Gewinnung von Bimskies und Bimssand,
Tuffstein und Trass, Farb- und Infusionserde,
Magnesit u. ä.; Steingräbereien, Quarzit-
und Schlackengräbereien; Abbau von
Halden; Geophysikalische Bodenuntersuchungen

6,81

6,79

49,03 53,67 4,64
4

Gewinnung von Erdöl und Erdgas

2,78

2,37

20,02 18,73 -1,28
5

Tiefbohrungen auf Erdöl und Erdgas

5,78

5,06

41,62 40,00 -1,62
6

Aufbereitung, Be- und Verarbeitung von Rohstoffen
und Erzeugnissen der Industrie der Steine und Erden
(ohne Kies und Sand),

8,06

6,93

58,03 54,78 -3,25
7

Herstellung von Zement, Kalk, und Gips;
Herstellung von Porenbeton
Gewinnung von Feldspat, Flusspat, Schwerspat und Kieselerde;
Gewinnung, Be- und Verarbeitung von Kalkschiefer

3,90

8,49
8,06

3,38

28,08

61,13
58,03
26,72 -1,36

-34,41
-31,32
8

Herstellung von Beton- und Fertigteilen (nicht aus Polymerbeton);
Betrieb von Betonpumpen

7,72

7,35

55,58 58,1 2,51
9a

Herstellung von Transportbeton;
Herstellung von Asphaltmischgut

4,55

3,90

32,76 30,83 -1,93
9b

Herstellung von Mörtel und Edelputzen
Herstellung von Bauprodukten aus Polymerbeton

3,42
7,72

2,56

24,62
55,58
20,24 -4,39
-24,76