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Zementindustrie setzt auf bessere Rahmenbedingungen

Die deutsche Zementindustrie erhofft sich von der neuen Bundesregierung positive Impulse für die Baukonjunktur und eine Verbesserung der umwelt- und energiepolitischen Rahmenbedingungen.

In den vergangenen mehr als zehn Jahren war die Zementbranche erheblichen Belastungen nicht nur durch die anhaltende Talfahrt der Bauwirtschaft und den Investitionsstau im Bereich der öffentlichen Infrastruktur ausgesetzt, sondern als energieintensiver Industriezweig zunehmend auch verschärften umweltpolitischen Rahmenbedingungen. „Diese ungünstigen Trends kennzeichneten auch noch den Verlauf des Jahres 2005“, so Dr. Martin Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ).

Akuter Handlungsbedarf bestehe insbesondere in der Energie- und Umweltpolitik, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der kapitalintensiven Grundstoffindustrien nicht weiter zu schmälern und eine Abwanderung ins Ausland zu verhindern. So ist nach Schneiders Angaben bei einer möglichen Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel mit drastischen Auswirkungen zu rechnen.

In Verbindung mit der dann zu erwartenden Verknappung der Emissionsrechte befürchtet die Zementindustrie einen weiteren Anstieg der Preise für CO2-Zertifikate, die schon heute in einem krassen Missverhältnis zum Marktwert einer Tonne Zement stehen. Darüber hinaus ist die Branche durch weiter steigende Strompreise indirekt noch einmal zusätzlich belastet. Bereits in den letzten Jahren ist der Anteil der Stromkosten an den Herstellkosten des Zements auf knapp 15 Prozent gestiegen. Mit dem Emissionshandel ergibt sich nun eine weitere Steigerung auf rund 20 Prozent. Umso mehr begrüßt die deutsche Zementindustrie die Ankündigung von Bundeskanzlerin Merkel, Anfang des kommenden Jahres einen nationalen Energiegipfel mit allen Beteiligten einzuberufen. „Energiepolitik muss endlich als Standortpolitik begriffen und auch umgesetzt werden“, so Schneider.

Im Rückblick auf das Jahr 2005 geht die deutsche Zementindustrie von einem Absinken des Marktvolumens gegenüber 2004 um voraussichtlich neun Prozent auf nur noch 26,5 Millionen Tonnen aus. Im langfristigen Vergleich seit 1994 (41,2 Millionen Tonnen) bedeutet dies eine Abnahme des Zementverbrauchs um mehr als ein Drittel. Auch im kommenden Jahr 2006 ist noch nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Die Branche erwartet einen weiteren Rückgang des Zementverbrauchs um insgesamt etwa zwei Prozent. Der Inlandsabsatz der BDZ-Mitgliedsunternehmen hat sich in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr verringert. Aber auch ausländische Anbieter mussten erhebliche Absatzeinbußen hinnehmen. Die Importe sanken in den ersten neun Monaten 2005 um fast 11 Prozent unter das Vorjahresniveau. Lediglich bei den Exporten aus Deutschland zeigt die Tendenz nach oben. Die Zement- und Klinkerexporte stiegen seit 1994 (2,3 Millionen Tonnen) auf 6,2 Millionen Tonnen in 2004. Auch in 2005 werden die Ausfuhren voraussichtlich eine ähnliche Größenordnung erreichen.

Die Zementpreise haben sich seit dem Tiefstand im Jahr 2003 wieder etwas erholt. Sie liegen aber noch weit unter dem Niveau vom Jahresbeginn 2002. Angesichts der gestiegenen Strom- und Energiekosten ist der Zuwachs immer noch unbefriedigend. Insgesamt konnte der Umsatz in den ersten drei Quartalen 2005 um vier Prozent gesteigert werden.

Neue Ansätze sind auch in der Wohnungsbaupolitik erforderlich. Nach dem Beschluss der Bundesregierung, die bisherige Eigenheimzulage zum 1. Januar 2006 abzuschaffen, komme der Forderung, selbstgenutztes Wohneigentum besser als bisher in die staatlich geförderte Altersvorsorge zu integrieren, noch größere Bedeutung zu, so Schneider weiter. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung ihre positive Ankündigung durch konkrete Vorschläge mit Leben füllt.“





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