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Uns stinkt's! - Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz

Verbotszeichen Rauchverbot

Nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch am Arbeitsplatz setzen Raucher andere Menschen ihrem schädlichen Qualm aus. Als Folge des Passivrauchens erkranken in Deutschland jährlich etwa 400 Nichtraucher an Lungenkrebs (Schätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums von 1992). Bereits 1998 hat die MAK-Kommission der DFG Passivrauch als eindeutig krebserzeugend für den Menschen eingestuft und damit der Gefahrenstufe krebserzeugender Arbeitsstoffe zugeordnet.

Mittlerweile regelt daher § 3a der Arbeitsstättenverordnung den Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz wie folgt:

(1) Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind.

(2) In Arbeitsstätten mit Publikumsverkehr hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen nach Absatz 1 nur insoweit zu treffen, als die Natur des Betriebs und die Art der Beschäftigung es zulassen.

Die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung dieser Schutzregelung wird von den Sozialpartnern – in Abhängigkeit von den jeweiligen Gegebenheiten im Betrieb – vorgenommen, ist aber in vielen Betrieben bislang noch nicht konsequent umgesetzt worden.

An vielen Arbeitsplätzen und in Büroräumen, die Raucher sich mit Nichtrauchern teilen, wird daher noch immer geraucht. Dies stellt für nichtrauchende Kollegen nicht nur aufgrund der damit verbundenen Geruchsbelästigung und der nach Rauch stinkenden Kleidung und Haare nach einem Aufenthalt in diesen Räumen einen Störfaktor dar. Es sind außerdem neben der durch den Qualm gereizten Augen und Atemwege ernsthafte Gesundheitsgefahren mit dem Passivrauchen verbunden.

Beschwerden der Nichtraucher sind allerdings selten, denn man will den „Betriebsfrieden“ nicht durch Streitigkeiten über das Rauchen stören oder es sich mit den Rauchern verscherzen, die doch eigentlich ganz nette Kollegen sind – wäre da nicht ihre lästige Angewohnheit...





Wie kann das Problem gelöst werden?

Die überwiegende Mehrheit der Nichtraucher spricht sich für ein Rauchverbot am Arbeitsplatz aus. Aber auch von den Rauchern werden entsprechende Regelungen akzeptiert, wenn

  • eindeutige Regelungen getroffen werden
  • durch gut sichtbare Schilder an das Rauchverbot erinnert wird
  • der Wille zur Durchsetzung deutlich gemacht wird
  • das Thema Nichtraucherschutz einen wichtigen Platz in der betrieblichen Kommunikation erhält
  • Hilfen zur Nikotinentwöhnung angeboten werden
  • die Belange der Raucher berücksichtigt werden.

Erfahrungen zeigen, dass sich nach umsichtiger Einführung von Nichtraucherschutzregelungen bzw. nach einer Eingewöhnungsphase Raucher an entsprechende Verbote halten und einschränkende Regelungen akzeptieren.

Sicherlich kann Nichtraucherschutz im Betrieb nicht von einen Tag auf den anderen realisiert werden. Stattdessen vollzieht sich die Umsetzung in einem Prozess, in den alle Mitarbeiter, Nichtraucher ebenso wie Raucher, Arbeitgeber und Betriebs- bzw. Personalrat einbezogen werden müssen, damit einvernehmliche Lösungen gefunden werden, die alle Beteiligten gemeinsam tragen können.

Eine zielführende Diskussion über entsprechende Regelungen im Unternehmen kann beispielsweise durch eine (anonyme!) Mitarbeiterbefragung angestoßen werden (siehe das Beispiel in Kasten 1).

Die daraufhin getroffenen Regelungen sollten Eingang in eine Betriebsvereinbarung zum Nichtraucherschutz finden. Eine entsprechende Musterbetriebsvereinbarung finden Sie als Datei zum Download oder Ausfüllen am PC auf unserer Homepage unter http://www.stbg.de/umodell/rauchen.doc



Auszug Musterbetriebsvereinbarung

Auszug aus der Musterbetriebsanweisung der StBG
zum Thema Nichtraucherschutz, Download unter
http://www.stbg.de/umodell/rauchen.doc




Vorteile für alle Beteiligten

Eine rauchfreie Arbeitsumgebung schützt die Nichtraucher vor dem Passivrauchen. Außerdem ermutigt und unterstützt sie auch diejenigen, die aufgehört haben zu rauchen. Für viele Raucher ist der rauchfreie Arbeitsplatz eine wichtige Motivation, weniger zu rauchen oder ganz aufzuhören.

Durch diese Maßnahmen ergeben sich nachhaltige positive Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz. Da starke Raucher verschiedenen Studien zufolge dreimal häufiger krank sind als Nichtraucher, lassen sich langfristig außerdem die Kosten des Rauchens senken, die sich aus solchen Arbeitsausfällen und der entsprechenden medizinischen Versorgung ergeben.

Am Arbeitsplatz finden sich zudem häufig Gleichgesinnte, die sich gegenseitig beim Aufhören motivieren und unterstützen können.

Der Betriebsarzt kann Betroffene in den meisten Fällen individuell beraten und Tipps zu Hilfsmitteln bei der Tabakentwöhnung geben. Wenn sich genug Aufhörwillige finden, lässt sich ggf. sogar ein Kurs zur Nikotinentwöhnung im Unternehmen durchführen. Informationen über entsprechende Kursangebote in Ihrer Nähe erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse, die eine erfolgreiche Teilnahme an solchen Kursen unter Umständen auch bezuschusst.

Wenden Sie sich bitte an die Autorin, wenn Sie Hilfe bei der Durchführung einer entsprechenden Mitarbeiterbefragung oder einer Betriebsvereinbarung benötigen oder Fragen zum Thema haben, entweder per E-Mail an jansen@stbg.de oder unter der Telefonnummer 05 11 / 72 57-752.

Dipl.-Psych. Nicole Jansen, StBG





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