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Gesundheitsmanagement – wohin geht die Reise?

Vielen deutschen Großunternehmen fehlen übergreifende Strategien und Planungen zum Schutz ihrer Mitarbeiter

Gesundheitsmanagement wird in den meisten Unternehmen noch unstrukturiert betrieben und findet unter Mitarbeitern und Führungskräften wenig Beachtung. Der Arbeitsschutz wird in Deutschland zwar deutlich ernster genommen – doch fehlt oft eine übergreifende Strategie. Innovative neue Ansätze sind – anders als beim Gesundheitsschutz – kaum zu beobachten. Doch zeigen sich zwischen den Branchen große Unterschiede, was die Umsetzung betrifft.

Dies sind Ergebnisse der Studie „Gesundheitsmanagement 2005/06“ von Europressedienst und European Business School (ebs). Für die bisher umfassendste Studie im Gesundheitswesen wurden die 500 größten Arbeitgeber in Deutschland kontaktiert, 100 konnten in Tiefeninterviews zu Strukturen und Leistungen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes befragt werden.

Erkennbar wird eine Spitzengruppe von etwa 50 Unternehmen, die sich deutlich vom Rest abhebt: Nur hier sind gemeinsame Strukturen und Strategien im Arbeits- und Gesundheitsschutz entwickelt worden, die einem integrierten Managementsystem Gesundheit gerecht werden. Den Spitzenplatz in der Gesundheitshierarchie nimmt die Deutsche Post World Net ein.

Das Niveau des Arbeits- und Gesundheitsschutzes siedeln zwar 34 Prozent der Unternehmen konzernweit über den gesetzlichen Anforderungen an (Maschinenbau/ produzierendes Gewerbe: 53,8 Prozent), doch nur in 17 Prozent existieren einheitliche Arbeitsschutz-Standards. Der Arbeitsschutz ist oft nur auf Betriebsebene organisiert. Am besten schneidet hierbei die in punkto Arbeitsschutz traditionell hoch angesiedelte chemische Industrie ab, am schlechtesten die Dienstleister bzw. Unternehmen der New Economy, die stärker auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter setzen.

Die Folge ist, dass häufig Doppelarbeiten anfallen und in einzelnen Bereichen vorhandene Erfahrungswerte nicht konzernweit nutzbar gemacht werden. Erreichte Fortschritte und gefundene Lösungen werden in anderen Bereichen erneut gesucht, ein effizientes Controlling ist kaum möglich.

Als Konsequenz kommt auch die Weiterentwicklung des Systems zum Stocken, wird der Erfolg in Frage gestellt: „Gesundheitsmanagement muss als lernendes System angelegt sein, um langfristig erfolgreich zu sein. Dies ist nur durch intelligente Vernetzung und Wissensmanagement sowie ein umfassendes Controlling möglich“, so Prof. Dr. Roswitha Meyer, wissenschaftliche Leiterin der ebs Gesundheitsakademie.

Die besten Unternehmen lassen sich in punkto Gesundheitsschutz phantasievolle Strategien einfallen, um ihre Mitarbeiter anzusprechen. Die Deutsche Post World Net bietet einen umfangreichen Leistungskatalog, aus dem die Niederlassungen auf ihren Bedarf abgestimmte Kurse wählen können.

Im Arbeitsschutz sind kreative Strategien und konzernweit einheitliche Konzepte deutlich rarer. Eine der Ausnahmen bildet das Programm „Sicher ans Ziel“ bei Boehringer Ingelheim. Es dient dem Lernen aus Beinahe-Unfällen und mindert so das Risiko künftiger Schäden. Mitarbeiter geben ihre Erfahrungen an ein Team Prävention weiter. Die Datenanalyse der zur Zeit 30-35 Meldungen pro Monat erfolgt über eine deutschlandweite Datenbank. Die wichtigsten Meldungen werden über Arbeitssicherheitstelegramme konzernweit verbreitet. So wird eine extreme Erleichterung von Controlling und konzernweiter Steuerung erreicht.

In Unternehmenskreisen besteht aber weitgehend Einigkeit, den Musterbeispielen betrieblicher Gesundheitspolitik zu folgen. 83 Prozent der Arbeitgeber wollen zukünftig mehr für die Mitarbeiter tun. Denn Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter zahlen sich aus – im Durchschnitt wird ein Return on Investment (ROI) von 1:6 angegeben. Die Studie des Europressedienst untersucht Innovationen und Strategien, die Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Gesundheitsforderung in Großunternehmen erleichtern können, in den Bereichen der unternehmensgerechten Gestaltung des Angebotes an Gesundheitsleistungen, Kommunikation der Maßnahmen, Ansiedelung im jeweiligen Unternehmen und bietet viele Best-Practice-Beispiele und branchenspezifische Details.





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