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Höchste europäische Auszeichnung für Förderpreis-Gewinner aus der Betonbranche

F.C. Nüdling Betonelemente GmbH & Co. KG, ein Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, und das Weimarer Institut für Fertigteiltechnik und Fertigbau (IFF) erhielten den europäischen Preis „Hervorragende praktische Lösung für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ .

LÄRM und der Schutz vor lärmbedingtem Gehörverlust am Arbeitsplatz waren die zentralen Themen der diesjährigen Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheit im Jahr 2005, denn in ganz Europa wächst die Lärmbelastung besorgniserregend. EU-Kommissar Vladimir Spidla: „Mehr als 13 Millionen Beschäftigte haben EU-weit bei der Arbeit Hörschäden erlitten.“

Höhepunkt der Kampagne „Schluss mit Lärm!“, die in den 25 EU-Mitgliedsstaaten sowie den EFTA- und Kandidatenländern durchgeführt wurde, war der von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) durchgeführte Europäische Gipfel in Bilbao, Spanien. Hier wurden auch die Preisträger des sechsten „Europäischen Wettbewerbs guter praktischer Lösungen im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ ausgezeichnet.

Im Rahmen des Wettbewerbes 2005 wurden Unternehmen gewürdigt, die einen herausragenden und innovativen Beitrag zur Prävention lärmbedingter Gefährdungen bei der Arbeit geleistet haben. Zu den diesjährigen Preisträgern gehört auch die Firma F.C. Nüdling Betonelemente GmbH & Co. KG aus Fulda – vertreten durch Geschäftsleiter Dipl.-Ing Bernhard Klöppner und Steffen Mothes – in Zusammenarbeit mit dem IFF Institut für Fertigteiltechnik und Fertigbau Weimar e.V. – vertreten durch Dr. Helmut Kuch und Dr. Jörg Schwabe.

Nüdling Betonelemente hat als mittelständisches Unternehmen der Betonsteinindustrie in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten den Mut gehabt, ein neuartiges lärmarmes Verfahren zur Betonverdichtung in der Produktion im Werk Themar einzusetzen. Um die Lärmbelastung der Beschäftigten bei der Produktion von Betonsteinen drastisch zu verringern, suchte man im Rahmen eines Forschungsvorhabens mit dem IFF Weimar nach neuen Wegen. Im Ergebnis entstand ein neuartiges Verdichtungsverfahren mittels „harmonischer Vibration“ anstelle der bislang üblichen „Schockvibration“. Dadurch konnte für die Mitarbeiter in der Produktion eine wesentliche Reduzierung des Lärmpegels von mehr als 10 dB(A) erreicht werden! – eine Veränderung um jeweils 3 dB(A) bedeutet eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Lautstärke.

Diese erfolgreiche Kooperation von Partnern aus Forschung und Industrie wurde bereits mit dem Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ausgezeichnet, denn es ist damit gelungen, eine Lärmminderung an einer der lautesten Maschinengattungen in der Baustoffindustrie zu erzielen. Quasi als „Nebenprodukt“ konnte auch die Produktqualität noch weiter gesteigert werden – ein zusätzliches Verkaufsargument für die Produkte der Firma F.C. Nüdling.





Technischer Hintergrund der Innovation

Bei der Betonsteinfertigung werden Rüttelsysteme zur Verdichtung des Betons benutzt. Dabei kann ein Schallleistungspegel in Höhe von 120 Dezibel erreicht werden – dies entspricht der Lärmemission eines Düsenflugzeuges nach dem Start! Zur Lärmbekämpfung dürfen solche Maschinen deshalb nur in allseitig geschlossenen Lärmschutzkabinen betrieben werden – aber selbst dann stellt sich an den Arbeitsplätzen noch immer ein arbeitsplatzbezogener Schallpegel von über 90 Dezibel ein.

Im Rahmen des gemeinsamen Forschungsprojektes von Nüdling und IFF Weimar entstand ein neuartiges Verdichtungsverfahren, die sogenannte „harmonische Vibration“. Dabei werden vor allem die hochfrequenten Anteile der Schwingung deutlich reduziert. Die Folge ist, dass die eingeleitete Energie effizienter für den eigentlichen Verdichtungsvorgang genutzt und ein geringerer Anteil in Lärm umgewandelt wird. Aufgrund der niedrigeren Schwingfrequenz können außerdem wirksamere Maßnahmen zur Schwingungsisolierung ergriffen werden.

Da Gehörschäden und lärmbedingte Rentenfälle noch immer zu den häufigsten Berufskrankheiten in der Baustoffindustrie zählen, leistet diese Innovation einen erfolgversprechenden Beitrag zum aktiven Gesundheitsschutz. – Und sie zeigt, dass auch bei der Produktion von „Baustoffklassikern“ wie Betonsteinen durch zukunftsorientiertes unternehmerisches Handeln Innovationen möglich sind.

Durch die Preisverleihung erhalten die Gewinner Anerkennung auf europäischer Ebene für ihr Engagement bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Europa. Die ausgezeichneten Beispiele werden in einer Publikation der Agentur vorgestellt, die europaweit verbreitet wird.

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gratuliert herzlich!

Christian Claus, StBG



Preisverleihungen die die Vertreter der F.C. Nüdling Betonelemente GmbH & Co. KG (Bernhard Klöppner und Steffen Mothes) sowie des Instituts für Fertigteiltechnik und Fertigbau Weimar (IFF) (Dr. Helmut Kuch und Dr. Jörg Schwabe)
Preisverleihungen die die Vertreter der F.C. Nüdling
Betonelemente GmbH & Co. KG (Bernhard Klöppner und
Steffen Mothes) sowie des Instituts für Fertigteiltechnik
und Fertigbau Weimar (IFF) (Dr. Helmut Kuch und Dr. Jörg Schwabe)


Die Preisträger bei der anschließenden Gala, v.l.: Dipl.-Ing. Bernhard Klöppner, Steffen Mothes, Gratulant Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG, Dr. Helmut Kuch und Dr. Jörg Schwabe
Die Preisträger bei der anschließenden Gala,
v.l.: Dipl.-Ing. Bernhard Klöppner, Steffen Mothes,
Gratulant Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG, Dr. Helmut Kuch
und Dr. Jörg Schwabe


Hinweis:
Die Umrüstung von traditioneller Betonverdichtung auf harmonische Vibration ist prämienwürdig im Rahmen des Prämiensystems der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft.





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