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Riesenerfolg: Forum protecT - Wie motiviert man Mitarbeiter?

protecT-Logo Das war ein Volltreffer: Auf die Einladung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zum Forum protecT "Mitarbeiter führen und motivieren" meldeten sich bereits in der ersten Woche mehr als 250 Teilnehmer an.
Schließlich konnten 600 interessierte Unternehmer und Führungskräfte an zwei spannenden Foren teilnehmen.
Im November 2004 und im Januar 2005 trafen sich Unternehmer, Führungskräfte und Fachkräfte aus der Baustoff- und Natursteinindustrie und dem Bergbau im Maritim Hotel Bad Wildungen zum Forum protecT "Mitarbeiter führen und motivieren".



Führung und Motivation: Grundlagen für Arbeitsschutz

Die überwiegende Mehrzahl der Arbeitsunfälle wird durch organisatorische oder verhaltensbezogene Defizite verursacht.
Bei beiden Aspekten kommt den Führungskräften besondere Bedeutung zu. Es gehört zu ihren Führungsaufgaben, die Organisation ständig zu verbessern und das Verhalten der Mitarbeiter zu steuern.
Den ersten Vortragsblock des von Alexander Niemetz souverän moderierten Forums eröffnete Andreas Schnabel, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Prof. von Cube und Kollegen GmbH. Mit seinem Vortrag "Lust an Leistung" verweist er auf die verhaltensbiologischen Ansätze in der Mitarbeiterführung:
Menschen sind vom Wesen her neugierig und suchen neue Herausforderungen.
Das erfolgreiche Überwinden der Herausforderungen erzeugt Lust an Leistung, einen Zustand, der mit dem Begriff "Flow" beschrieben wird.
Ein weiterer Trieb, der das Handeln des Menschen erheblich beeinflusst, ist die Aggression, das Gefühl gesiegt zu haben. Dabei ist die höchste Lust die soziale Anerkennung, die nur durch Leistung zu erreichen ist. Dritter Trieb ist der Wunsch nach Bindung.
Echte und tiefe Bindungen - Freundschaft, Liebe, Sympathie - bestehen nur dann auf Dauer, wenn man sich um den anderen bemüht, wenn man Anstrengungen nicht scheut. Im Arbeitsleben geht es dabei besonders um die gute Zusammenarbeit, z.B. im Team, und um das Wir-Gefühl, beispielsweise den Stolz darauf, bei einem angesehenen Arbeitgeber tätig zu sein.
Aus diesen drei Trieben formuliert Schnabel die "Naturgesetze der Führung":
  • Die Arbeitswelt so gestalten, dass Mitarbeiter "Flow" erleben.
  • Die Organisation so strukturieren, dass Mitarbeiter für Leistung Anerkennung erhalten. Dabei ist die persönliche Anerkennung, das Lob, besonders wichtig.
  • Durch Führungsarbeit Bindung herstellen. Bedingungen hierfür lassen sich in kleineren Gruppen leichter erfüllen, da in Teams ein Zugehörigkeitsgefühl entsteht, individuelle Stärken zum Einsatz kommen und permanent kommuniziert wird.
Die Erkenntnisse der Arbeits- und Organisationspsychologie stellte Dr. Helmut Nold, Leiter des Fachbereiches Sicheres Verhalten der BG-Chemie, vor. Seiner Ansicht nach wird sicheres Verhalten von den vier Aspekten "Wissen", "Wollen", "Können" und "Dürfen" beeinflusst.
Wissen: Verfügt der Mitarbeiter über die notwendigen Informationen? Hat er ausreichend Kenntnisse und Erfahrungen?
Wollen: Hat der Mitarbeiter die notwendige Einsicht? Wird ihm eine positive Einstellung zum Arbeitsschutz vermittelt?


Chart
Führungskräfte benötigen
hohe soziale Kompetenzen




Chart
Erfolgsgrundlage:
Glaubwürdigkeit und Vertrauen


Können: Verfügt der Mitarbeiter über die für seine Tätigkeit notwendige Qualifikation und ist er persönlich für seine Tätigkeit geeignet?
Dürfen: Erwartet der Betrieb ein bezüglich Arbeitsschutz gerechtes Verhalten? Erhalten die Mitarbeiter die notwendigen Mittel und die erforderliche Zeit, sich sicherheitsgerecht zu verhalten?

Auch aus dieser Perspektive kommt den Führungskräften eine Schlüsselrolle zu. Durch ihr konsequentes Handeln können sie dem Mitarbeiter vermitteln, dass ihnen Arbeitsschutz wichtig ist. Sie unterstützen sicherheitsgerechtes Verhalten und schaffen die dafür notwendigen Voraussetzungen (z.B. geeignete Arbeitsmittel). Sicherheitswidriges Handeln muss von den Führungskräfte sofort angesprochen und konsequent unterbunden werden.



Aus der Praxis für die Praxis

In einem zweiten Vortragsblock berichteten Führungs- und Fachkräfte aus Unternehmen über die praktische Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in ihren Betrieben. Heinz Schmitz, Koordinator Arbeitsschutz für die AKW-Gruppe, einem mittelständischen Unternehmen mit rund 700 Beschäftigten, erläuterte das Arbeitsschutzkonzept der Quarzwerke in Frechen. Das Konzept besteht im Wesentlichen aus den Bausteinen
  • Zielgruppenorientierte Schulungsmaßnahmen,
  • Prämiensystem zur Vermeidung von Arbeitsunfällen,
  • intensive Kommunikation des Themas Arbeitsschutz.
Aus einem Workshop der Werk- und Betriebsleiter folgt die Einführung von Sicherheitskurzgesprächen mindestens einmal im Monat sowie die Durchführung von bis zu vier Unterweisungen pro Jahr und der Schaffung von Unterweisungshilfen für Führungskräfte. Produktions- und Instandhaltungsmeister werden ebenso trainiert wie ihre Mitarbeiter aus Produktion und Instandhaltung.
Im Rahmen einer Betriebsvereinbarung wird ein Prämiensystem für alle Mitarbeiter umgesetzt. Über Plakataktionen und Artikel zur Arbeitssicherheit in der Firmenzeitschrift "Unser Blatt" sowie tägliche Thematisierung der Arbeitssicherheit führen zu einer nachhaltigen Senkung der meldepflichtigen Arbeitsunfälle sowie der Ausfallstunden in erheblichem Maße.



Arbeitsschutz in Kleinunternehmen - da geht was!

Auf besonderes Interesse stieß der Vortrag "Arbeitsschutz in Kleinunternehmen - da geht was!" von Ewald Mattes, Geschäftsführender Gesellschafter der Rex-granit GmbH aus dem brandenburgischen Brück.
Mattes machte deutlich, dass der Unternehmer für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitssicherheit erkannt haben muss, dass Sicherheit beeinflussbar ist, ein wirtschaftlicher Nutzen besteht und Sicherheit den gleichen Stellenwert erhalten muss wie andere Unternehmensziele. Der Unternehmer definiert die Standards, behandelt das Thema Arbeitssicherheit offensiv, nimmt es als Tagesordnungspunkt bei Besprechungen mit Mitarbeitern auf. Nur wenn der Chef überzeugt ist, kann er auch seine Mitarbeiter überzeugen.
Ein weitere Aspekt ist nach Mattes, dass nur gut ausgebildete Mitarbeiter sicher arbeiten und sich in Ausnahmesituationen richtig verhalten können. Hier greift Mattes erfolgreich auf die Aus- und Weiterbildungsangebote der StBG zurück. Wichtiges Führungsinstrument ist das im direkten Arbeitsumfeld geführte Mitarbeitergespräch.
Hier kann der Mitarbeiter seine Probleme besser erläutern. Als Unternehmer setzt Mattes sich für die Lösung von Problemen am Arbeitsplatz ein. Das gibt dem Mitarbeiter das Gefühl, nicht nur gehört, sondern auch verstanden zu werden.
Wichtige Unterstützung für kleine Unternehmen ist das Unternehmer-Modell der Steinbruchs-BG. Den Unternehmern werden Grundprinzipien bei Arbeitssicherheit können die Experten der Steinbruchs-BG in Anspruch nehmen. Als wertvoll beschreibt Mattes vor allen Dingen die Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung sowie bei der Erstellung von Betriebsanweisungen.
Hans-Joachim Bertrams, Direktor des Tagebaus Hambach der RWE Power AG, eröffnete die Darstellung von Konzepten aus großen Unternehmen. Er veranschaulichte, dass sich Erfolge im Arbeitsschutz nicht von allein einstellen. Notwendig sei eine Vision, wie im Beispiel des Tagebaus Hambach der "unfallfreie Tagebau". Dieses Langfristziel wird in Jahres-Teilzielen konsequent verfolgt.
Durch organisatorische Maßnahmen muss die Unternehmensleitung unterstreichen, dass Arbeitsschutz gleichwertig zu anderen Unternehmenszielen ist. Dazu setzt sie den organisatorischen Rahmen, wie verbindliche Regeln für den Arbeitsschutz, für die tägliche Arbeit, Untersuchung aller Unfälle einschließlich Beinahe-Unfällen.


Ewald Mattes
Ewald Mattes,
Geschäftsführender
Gesellschafter der Rexgranit GmbH


Bei der technischen Ausstattung werden keine Kompromisse gemacht. In Führungsforen werden Leitsätze und Arbeitsschutzziele erarbeitet. Arbeitsschutzziele werden selbstverständlicher Inhalt von Zielvereinbarungen.
Führungskräfte und Mitarbeiter werden durch ein Arbeitsschutzprogramm unterstützt, das die wichtigsten Kommunikationsaufgaben im Arbeitsschutz regelt.
Durch die Selbstverpflichtung aller Führungskräfte, allen voran die Betriebsleitung, wird eine hohe Motivation sichergestellt.
Dazu gehört auch die aktive Präsenz der Betriebsleitung im Betrieb. Die Belegschaft wird über Arbeitsschutzziele und Unfallzahlen offen informiert.
Christoph Wagner-Gillen und Wilhelm Heil, Arbeitsschutzmanager bei Procter & Gamble, stellten das Leadership-Konzept des international agierenden Konzerns vor.
Aus Sicht von Procter & Gamble ist die Beeinflussung der Arbeitsplatzbeschaffenheit und des Verhaltens aller Beschäftigten der einzig wirkungsvolle Ansatzpunkt für einen effektiven und erfolgreichen Arbeits- und Umweltschutz. Die sichere Arbeitsplatzbeschaffenheit basiert auf der konsequenten Beurteilung von Gefährdungen und der Auswahl geeigneter technischer Maßnahmen. Das lässt sich relativ einfach erreichen. Wenn die Arbeitsplätze sicher sind, hängt unfallfreies Arbeiten daher wesentlich vom sicheren Verhalten der Mitarbeiter ab.
Die Antwort auf die Frage, wie sicheres Verhalten erreicht werden kann, heißt bei Procter & Gamble Leadership. Das Konzept des Leadership wird in fünf Punkten zusammengefasst:
  • Die Führungskräfte müssen ein klares Bild der Zukunft haben und davon überzeugt sein.
  • Sie müssen diese Überzeugung vorleben und selbst als Beispiel wirken.
  • Sie müssen den Funken überspringen lassen.
  • Sie müssen die Prioritäten deutlich machen.
  • Sie müssen konsequent und berechenbar sein, sowohl bei positiven als auch bei negativen Maßnahmen.



Gelbe Karte bei Verstoß gegen den Arbeitsschutz

Otto Lonnendonker, Personaldirektor bei der Lafarge Dachsysteme GmbH in Deutschland, stellte das Konzept eines international agierenden Konzerns aus der Baustoffbranche vor. Das Unternehmen setzt ein Arbeitsschutzmanagementsystem um, das auf vier Pfeilern ruht:
  • Führung und Mitwirkung
  • Analyse der Arbeitsbedingungen vor Ort
  • Gefährdungsvermeidung und Kontrolle
  • Training und Kommunikation
Auch hier kommt den Führungskräften eine Schlüsselfunktion zu. Insbesondere beim Thema Motivation und Verhalten werden alle Führungskräfte beteiligt, Verbesserungen stets weiterverfolgt und die Führungskräfte zu vorbildhaftem und konsequentem Verhalten angehalten. Neben der Analyse der Arbeitsbedingungen vor Ort und Maßnahmen zur Gefährdungsvermeidung und Kontrolle spielt vor allem auch das Thema Training und Kommunikation eine wichtig Rolle. Beispielhaft sei das Informationssystem Arbeitssicherheit erwähnt, zu dem alle Mitarbeiter des Unternehmens Zugang haben. Es enthält alle Unterlagen und Informationen zum Thema Arbeitssicherheit, wie beispielsweise die Unternehmenspolitik, Hinweise zur Verantwortung im Arbeitsschutz bis hin zu Trainerleitfäden, Auswertungen und Formularen.


Otto Lonnendonker
Otto Lonnendonker,
Personaldirektor bei der
Lafarge Dachsysteme GmbH


Um die Arbeitsschutzpolitik umzusetzen müssen jedoch nicht nur positive Ziele gesetzt und vorgelebt werden, sondern auch die Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, bei unerwünschtem Verhalten disziplinarische Konsequenzen einleiten zu können. Dazu wurde eine Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat zur Ahndung von Verstößen im Bereich der Arbeitssicherheit geschlossen. So erhalten Mitarbeiter bei Verstößen gegen die Arbeitssicherheit eine gelbe Karte, die nach einem Zeitraum von sechs Monaten ohne einen weiteren Verstoß vernichtet wird. Bei einem weiteren Verstoß innerhalb der Sechsmonatsfrist erhält der Mitarbeiter eine zweite gelbe Karte und die Frist bis zur Vernichtung der Karten beträgt dann zwölf Monate. Erfolgt innerhalb dieser 12 Monate ein weiterer Verstoß, wird eine Abmahnung ausgesprochen.



Irren ist menschlich

Besonderen Anklang fand der Vortrag von Flugkapitän Manfred Müller, Leiter der Flugsicherheit weltweit im Lufthansa Konzern. "Menschen machen Fehler. Und Fehler machen ist menschlich", stellte Manfred Müller nüchtern fest. Deshalb müssen bestimmte Spielregeln eingehalten werden, wenn Menschen im Team unter Zeitdruck und Stress sicherheitskritische Aufgaben bewältigen sollen. Dabei ist es unerheblich, ob die Arbeitsabläufe im Cockpit eines Flugzeuges oder auf einer Baustelle betrachtet werden. Der entscheidende Faktor im System ist der Mensch. Er ist gleichzeitig Risiko und Rettung, denn nur er besitzt gesunden Menschenverstand.


Alexander Niemetz
Moderierte souverän: Alexander Niemetz


Besonders in der Luftfahrt kommt es auf eine Verhaltensoptimierung der Operateure zur Erhöhung der Sicherheit an, wenn komplexe Aufgaben im Zusammenspiel von Mensch und Maschine bewältigt werden müssen. Gegenseitige Überwachung - in einem optimalen Hierarchiegefälle - die Fähigkeit aktiv und passiv mit Kritik umzugehen und die Akzeptanz der eigenen Fehlerhaftigkeit sind Grundvoraussetzungen für gute Teamarbeit. Wichtige Werkzeuge zur Reduzierung der negativen Auswirkungen menschlicher Fehler sind Training (Simulation), mentales Training und Wiederholungstraining.
Durch eine Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch optimale soziale Interaktion im Team rund 80 Prozent aller menschlichen Irrtümer in komplexen Situationen entschärft werden können. Dagegen wirken Defizite in der Zusammenarbeit des Teams auf kritische Situationen wie ein Verstärker.



Vom Ideenmanagement zum besten Arbeitgeber

Den dritten Block der Vorträge eröffnete Prof. Dipl.-Ing. Bernd Tenckhoff von der RWE Rhein-Ruhr AG. In seinem Vortrag zum Betriebssicherheitsmanagement warf er unter anderem einen Blick auf die wirtschaftlichen Aspekte des Arbeitsschutzes.
Dabei setzte er bei den Kosten für krankheitsbedingte Ausfallzeiten an. Begrifflich wird die Krankenquote durch den positiven Begriff Gesundheitsquote ersetzt. Am Beispiel von RWE Rhein-Ruhr rechnete Prof. Tenckhoff, dass eine Steigerung der Gesundheitsquote um ein Prozent von 95 auf 96 Prozent eine jährliche Einsparung von 4,5 Millionen Euro bedeutet.
Mit dem Präventionsprogramm "Präp" strebt RWE die Steigerung der Gesundheitsquote von 95 auf 97 Prozent an, was zu einer Gesamteinsparung von 9,4 Millionen Euro pro Jahr führen soll. "Präp" verfolgt die Ziele, eine präventive Sicherheits- und Gesundheitskultur zu gestalten, die Gesundheitsquote zu steigern, einen wirtschaftlichen Nutzen für RWE zu erzielen, die Motivation der Mitarbeiter zu verbessern und die Kompetenz in Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz zu erhöhen.
Abläufe, Probleme im Arbeitsumfeld und im privaten Bereich sollen ganzheitlich betrachtet und kontinuierlich verbessert werden, Betriebsabläufe weniger gestört werden.
In dem Vortrag "Vom betrieblichen Vorschlagswesen zum Ideenmanagement" wies die freie Journalistin Pia Weber auf die Erkenntnis hin, dass Unternehmen nicht nur Mitarbeiter mit brillianten Ideen haben müssen, sondern auch in der Lage sein müssen, diese in die Tat umzusetzen. Ideenmanagement geht über das betriebliche Vorschlagswesen, das durch systematische Erfassung von Verbesserungsvorschlägen, deren Begutachtung und die Prämierung der begutachteten Vorschläge gekennzeichnet ist, wesentlich hinaus.
Der Vorgesetzte ist beim Ideenmanagement die zentrale Figur. Er muss eine offene Kommunikationsstruktur schaffen, in der Verbesserungsvorschläge zugelassen sind.
Er motiviert seine Mitarbeiter zum Nachdenken über Verbesserungen und er beurteilt als Erster die Vorschläge. Konsequenz für Führungskräfte: Sie müssen Kommunikationstechniken beherrschen, sie müssen mit Konflikten konstruktiv umgehen können und sie müssen andere motivieren und deren Kreativität anregen können. Nach einer Studie der Unternehmensberatung "Advance Innovation" entstehen echte Innovationen nicht aus Zufall, sondern durch systematisches Abfragen von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten.
"Stressabbau stärkt Motivation und Sicherheit" lautete der Vortrag von Dr. Detlev Jung, Betriebsarzt des ZDF. Unfälle - so Dr. Jung - werden häufig durch Faktoren beeinflusst, die sich direkt oder indirekt dem Stressgeschehen zuordnen lassen. So sei nachgewiesen, dass Unfälle im Betrieb z. B. durch Übermüdung, Zeitdruck, Konflikte oder Unsicherheit des Arbeitsplatzes zumindestens mitverursacht werden. Weil Unfälle zu Ausfallzeiten von Mitarbeitern führen, ist es für das Unternehmen auch und vor allem unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll, Stress zu bekämpfen.
Helmut Ehnes, Leiter des gemeinsamen Geschäftsbereichs Prävention von Bergbau-BG und Steinbruchs-BG und Wolfgang Pichl, Leiter des Technischen Aufsichtsdienstes der Steinbruchs-BG, stellten die Angebote der StBG vor. Die StBG bietet viele Qualifikationsangebote für Führungskräfte aller Ebenen erfolgreich an. Unterstützt werden die
Führungskräfte in ihrem Einsatz für Arbeitsschutz durch zahlreiche Medienangebote und die Präventionskampagnen, wie z.B. zum Thema "Stolpern" oder "Staub". Besonders erfolgreich sind die "Mach-mit-Modelle", bei denen die Beschäftigten Sicherheit hautnah erleben können und für sicheres Verhalten sensibilisiert werden können.
Seit einigen Jahren wird in Deutschland jährlich der Wettbewerb "Deutschlands bester Arbeitgeber" durchgeführt. Bei diesem Wettbewerb bestimmen im wesentlichen die Mitarbeiter in einer ausführlichen Befragung das Ergebnis. Frank Hauser, Senior Projektmanager/Personalmanager der psychonomics AG, führte in seinem Vortrag auf dem Forum protecT aus, welchen Vorteil es hat, ein Arbeitgeber mit hoher Attraktivität zu sein: Die Produktivität steigt und die Kosten sinken, wenn Mitarbeiter in einem Unternehmen arbeiten, das eine hohe Attraktivität für sie besitzt. Was einen sehr guten Arbeitgeber ausmacht, lasse sich im Wesentlichen mit den Begriffen "Glaubwürdigkeit", "Respekt" und "Fairness" beschreiben.
Unter Glaubwürdigkeit wird verstanden, dass die Geschäftsführung alle Mitarbeiter über wichtige Themen auf dem Laufenden hält und dass Mitarbeiter auf Fragen angemessene Antworten erhalten. Die Führungskräfte müssen kompetent sein, ihre Versprechen einhalten und ehrliche Geschäftspraktiken anwenden.
Respekt beinhaltet Angebote zur beruflichen Weiterbildung, Anerkennung für gute Arbeitsleistung sowie die Einbeziehung in Entscheidungen, die die Arbeitsumgebung der Mitarbeiter betreffen.
Dazu gehört dazu die Fürsorge für die körperliche Sicherheit am Arbeitsplatz und generell das Interesse am Mitarbeiter als Person und nicht nur als Arbeitskraft.
Unter Fairness wird verstanden, dass jeder Mitarbeiter als vollwertiges Mitglied angesehen wird. Führungskräfte befördern diejenigen, die es am meisten verdienen, und sie handeln gerecht.
Jedes Unternehmen kann - so Hauser - unabhängig von Größe und Branche ein sehr guter Arbeitgeber werden.
Die praktische Umsetzung einer gelebten Unternehmenskultur trug Thomas Geyer, Vorstand der SKYTEC AG und zweimal hintereinander bester Arbeitgeber des Jahres, in seinem Vortrag "Wertschöpfung durch Wertschätzung" vor. Die wertschätzende Unternehmenskultur lässt sich danach in vier Dimensionen beschreiben. Als erste Dimension gilt die Information. Dabei ist wichtig, dass so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich informiert wird.


Benutzer des Terminals
Starkes Interesse fand der virtuelle
Rundgang durch einen Betrieb


Führung und Kommunikation sind die zweite Dimension. Führungskräfte überzeugen durch persönliche und fachliche Kompetenz, nicht durch hierarchische Kompetenz. Credo der dritten Dimension Organisation: "Organisiere so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich." Dazu gehört auch, dass gleiche Aufgaben von verschiedenen Organisationseinheiten unterschiedlich bewältigt werden. Die vierte Dimension ist mit Kooperation überschrieben.
Mitarbeiter und Unternehmen müssen kooperieren, um den Unternehmenserfolg zu sichern.



Lebhafte Diskussion

Die Teilnehmer beider Veranstaltungen beteiligten sich lebhaft am Geschehen. Ob bei den Fragerunden nach jedem Vortrag, bei spontanen Meinungsabfragen durch Alexander Niemetz bei seinem Rundgang durchs Publikum oder bei der abschließenden Podiumsdiskussion: das Interesse und Engagement der teilnehmenden Führungs- und Fachkräfte war jederzeit spürbar. Bei der Abendveranstaltung wurde an vielen Tischen bis in den späten Abend hinein diskutiert, Meinungen getauscht, kommentiert.
"Gute Idee mit den runden Tischen. So kommt man sehr gut mit den anderen Menschen ins Gespräch", bemerkte ein Teilnehmer und kehrte mit der notwendigen Stärkung vom Buffet zurück an seinen Tisch.


Teilnehmer
Lebendiges Forum: Die Teilnehmer nutzten
die Möglichkeiten zu Fragen und Kommentaren





Teilnehmerunterlagen im Internet

Um die Beiträge zum Forum möglichst vielen Interessierten zukommen zu lassen, sind die Vorträge auf den Internetseiten der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unter www.stbg.de/protect/2004/ nachlesbar.



Fazit
  • Führung und Motivation sind grundlegende Werkzeuge für den Unternehmenserfolg, auch in Sachen Sicherheit und Gesundheit.
  • Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden.
  • Den Führungskräften und ihren Fähigkeiten kommen dabei besondere Bedeutung zu.
  • Die Führungskräfte müssen von den Zielen überzeugt und in der Lage sein, diese überzeugend zu vermitteln und vorzuleben.
  • Gut ausgebildete Mitarbeiter arbeiten sicher und können sich in Ausnahmesituationen richtig verhalten.
  • Kleine Unternehmen haben den großen Vorteil der schnellen, direkten Kommunikation und Verständigung. Ideen können schnell verbreitet, Entscheidungen ohne Verzögerungen und "großen Apparat" rasch umgesetzt werden.
  • Große Unternehmen nutzen ausgefeilte Managementsysteme und intelligente Werkzeuge, um Mitarbeiter erfolgreich zu führen.
  • Für eine nachhaltige Existenzsicherung sind gut motivierte und engagierte Mitarbeiter ein immer wichtiger werdender Faktor für Unternehmenserfolg und Existenzsicherung.
  • Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft unterstützt Unternehmer und Führungskräfte durch Seminare, Medien und Präventionskampagnen.
  • Arbeitsschutz in Kleinunternehmen - da geht was!
Mathias Schmidt, StBG


Podiumsdiskussion
Spannendes Highlight: Die abschließende
Podiumsdiskussion mit Unternehmern und Referenten




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