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[Die Industrie der Steine + Erden]






Leiter oder Hubarbeitsbühne - billig oder sicher?

Die Risikobetrachtung eines Leitereinsatzes erfolgt in Sekundenbruchteilen, da Leitern einfache Hilfsmittel sind und die Arbeiten schnell erledigt sind. Da wird das "etwas höhere" Risiko gern in Kauf genommen.
Um wie viel mal höher das Risiko ist, weiß sowieso niemand so genau. Der Leiterbenutzer will es auch gar nicht so genau wissen. Das ist eine rein akademische Fragestellung.
Es soll schnell gehen und billig sein. Risiko macht Spaß. Ab und zu fällt halt mal einer 'runter oder die Leiter kippt weg.
Bei den häufigen Leitereinsätzen sind dies bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft durchschnittlich gerade mal 169 Personen pro Jahr.
Betrachten wir allerdings die durchschnittlichen Kosten pro Unfall von 2.588 Euro bzw. 437.419 Euro pro Jahr, so erhebt sich dann doch die Frage, ob Hubarbeitsbühnen nicht häufiger zum Einsatz kommen sollten. Leiterunfälle zählen zu den Spitzenreitern, was die Kosten pro Unfall anbelangt.(s. Tabelle)


Kosten für Leiterunfälle bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft
Jahr Kosten (Euro) Anzahl Euro / Unfall
1999

435.901

208

2.095

2000

426.385

170

2.508

2001

321.393

176

1.826

2002

710.405

160

4.440

2003

293.010

131

2.236

Summe

2.187.094

845

 
Durchschnitt

437.419 Euro/Jahr

169/Jahr

2.588 Euro/Unfall



Die Risikobereitschaft und das Sicherheitsverhalten bestimmt der Chef bzw. der Vorgesetzte und damit auch den Einsatz von Hubarbeitsbühnen - Radladerschaufeln als Hubarbeitsbühnen sind damit allerdings nicht gemeint!
Es gibt "echte" Hubarbeitsbühnen, die geliehen oder gekauft werden können - eine gebrauchte und überholte Arbeitsbühne mit 15 m Reichhöhe kaufte beispielsweise ein Mitgliedsbetrieb für 10.000 Euro. Die Aufbauzeit liegt unter 10 Minuten.


Sicher arbeiten in der Höhe mit Hubarbeitsbühnen
Sicher arbeiten in der Höhe mit Hubarbeitsbühnen




Apropos Unterweisung zu Leitern

Die Betriebsanweisung für Leitern und Tritte, abzurufen über die Homepage unter www.stbg.de oder von der CD-ROM der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, gibt hierzu 19 Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln an. (Wenn Ihnen auf Anhieb 5 bis 10 Regeln zum Leitereinsatz einfallen, dann sind Sie schon gut.)
Auch die nebenstehenden Regeln sollten jedoch wieder einmal aufgefrischt werden.
Wenn das Ganze dann noch dokumentiert wird, kann Sie Ihr Technischer Aufsichtsbeamter nur noch loben.
Dipl.-Ing. Georg Lenz, StBG


Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln für den Leitereinsatz
  • Leiter und Tritte vor Benutzung überprüfen.
  • Bei der Arbeit nicht zu weit hinauslehnen, Schwerpunkt beachten.
  • Auf- und Abstiegsflächen frei von Gegenständen halten.
  • Spreizsicherung vor dem Besteigen spannen.
  • Leitern nicht hinter geschlossenen Türen aufstellen.
  • Stehleitern nicht als Anlegeleitern benutzen.
  • An Treppen und anderen unebenen Standorten einen sicheren Höhenausgleich oder eine Spezialleiter verwenden
  • Den richtigen Anstellwinkel von 65° bis 75° grundsätzlich einhalten.
  • Unter Umständen zur Sicherung anbinden oder von einem zweiten Mann festhalten lassen.
  • Anlegeleitern müssen mindestens einen Meter über die Austrittsstelle hinausragen (ca. 4 Sprossen).
  • Schuhsohlen frei von Verunreinigungen und Öl halten (Abrutschgefahr).
  • Mit dem Gesicht zur Leiter auf- und absteigen und sich mit mindestens einer Hand festhalten.
  • Die obersten beiden Sprossen einer Stehleiter nicht besteigen.
  • Leitern sind nur für Arbeiten von geringem Umfang einzusetzen.
  • Standpunkt maximal 7,0 m über Aufstellfläche.
  • Gesamtgewicht von Werkzeug und Material nicht mehr als 10 kg.
  • Arbeiten in mehr als 2,0 m Höhe nicht länger als insgesamt 2 Stunden/Schicht.
  • Im Freien keine Gegenstände mit mehr als 1,0 qmWindfläche mitnehmen.
  • Keine Stoffe und Geräte benutzen, die zusätzliche Gefahr darstellen (z. B. Gefahrstoffe oder schweißen).
  • Leitern und Tritte so aufbewahren, dass sie gegen mechanische Beschädigungen, Austrocknen, Verschmutzen und Durchbiegen geschützt sind.
  • Leitern nicht provisorisch flicken und nicht behelfsmäßig verlängern.
  • Leitern vor dem Verschrotten zersägen.

Lampenwechsel mit Leiter Lampenwechsel mit Hubarbeitsbühne
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