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Schutzhandschuhe aus Leder sind out!

Schutzhandschuhe aus Leder sind generell für Arbeiten ungeeignet, bei denen die Handschuhe feucht oder nass werden können. Bei der Handhabung von zement- oder kalkhaltigen Produkten wie beispielsweise Beton und Mörtel gilt dies in besonderem Maße.

Das Leder für Schutzhandschuhe aus Leder wird praktisch ausschließlich Chrom-gegerbt. Moderne Chromgerbstoffe bestehen zwar seit Jahrzehnten aus dreiwertigen Chromverbindungen, doch enthalten sie Verunreinigungen von sechswertigem Chrom (Chrom-VI) in einer Größenordnung von ppm (parts per million) bezogen auf die Masse Gerbstoff. Dies scheint auf den ersten Blick unerheblich, ist es aber nicht:
Die Gerbstoffverunreinigungen und mögliche chemische Einflüsse beim Gerben mit Chromgerbstoffen führen zu nachweisbaren Chrom-VI-Konzentrationen im Bereich von unter 2 mg/kg bis über 30 mg/kg Leder, gleichgültig welche Untersuchung von Lederschutzhandschuhen aus den letzten Jahren man auch heranzieht.


Arbeitsschutzhandschuhe aus Leder
Arbeitsschutzhandschuhe aus Leder





Nachweis von Chrom-VI im Leder

Der Nachweis von Chrom-VI im Leder erfolgt in der Regel anhand eines DIN-Verfahrens, das photometrisch mit einer Bestimmungsgrenze von 2 mg Chrom-VI pro kg Leder arbeitet. Mit einem unter meiner Leitung 2003 am BGFA in Bochum entwickelten ionenchromatografischen Verfahren lassen sich noch 0,25 mg/kg nachweisen.
Die Probenvorbereitung beider Verfahren ist identisch: eine bestimmte Menge Leder wird in einer speziellen Messermühle zerkleinert und das Chrom-VI in einem leicht basischen Puffer herausgelöst und dessen Gehalt bestimmt. In fünf von elf untersuchten Ledern ließ sich Chrom-VI bis zu einer Konzentration von 11 mg/kg nachweisen, mit dem parallel angewendeten DIN-Verfahren dagegen nur in einem Leder.



Bedeutung für die Präventionspraxis

Gibt man bei der Arbeit mit zementoder kalkhaltigen Produkten Wasser hinzu, so entsteht eine feucht-nasse Mischung mit stark basischen Eigenschaften und einem pH-Wert zwischen 12,5 und 13,5. Die pHWerte-Skala erstreckt sich von 0 (stark sauer) bis 14 (stark basisch), demnach liegt der pH-Wert dieser Arbeitsstoffe nahe des Höchstwerts von 14!
Unter solchen Bedingungen ist Chrom- VI stabil - mehr noch: Es wird bestens aus dem Feststoff Leder und auch aus dem Zement oder Kalk (Chromatgehalte jeweils 20 bis 100 ppm) herausgelöst. Selbst wenn nur noch Chromat-reduzierter Zement verwendet wird, kommt durch die Durchfeuchtung von Lederschutzhandschuhen Chromat bzw. Chrom-VI mit der Haut der Hände in Kontakt. Dabei wird die Haut auf zwei Wegen angegriffen, zum einen durch die stark basischen Eigenschaften von feucht-nassen Werkstoffen wie Beton oder Mörtel (Speis), zum anderen durch das aus den Werkstoffen und/oder aus dem Leder herausgelöste Chromat!
Durch die von Hautgesunden meist nicht bemerkte Schädigung der Haut kann Chromat leichter die normale Hautbarriere überwinden und in den Hautzellen eine Überempfindlichkeit (Sensibilisierung) auslösen.
Bei weiterer Einwirkung derartiger Bedingungen kommt es schließlich zu einem allergischen Kontaktekzem, beispielsweise der Maurerkrätze.



Alternativen zum Lederhandschuh

Wie eingangs bereits formuliert, sind Schutzhandschuhe aus Leder daher generell für Arbeiten ungeeignet, bei denen die Handschuhe feucht oder nass werden können.
Dies gilt insbesondere für Arbeiten mit zement- und kalkhaltigen Werkstoffen wie Beton und Mörtel, aber auch dann, wenn die Schutzhandschuhe aus Leder "lediglich" nass werden können. Bei solchen Arbeiten muss der Hautkontakt mit der Nässe sowohl aus den Werkstoffen als auch aus dem feuchten Leder der Lederschutzhandschuhen sicher verhindert werden.
Hierfür eignen sich Schutzhandschuhe aus Nitrilgummi oder nitrilbeschichtete Handschuhe aus Baumwolle. Das dabei früher eintretende Schwitzen und dessen negative Einflüsse auf die Haut lässt sich durch den Einsatz eines zweiten Paares Handschuhe, sobald man das Schwitzen bemerkt, wirkungsvoll verhindern. Das erste Paar wird in der Zwischenzeit getrocknet.
Schwitzt man im zweiten Paar, wechselt man wieder auf das erste, usw.
Dr. med. Manfred Korn, StBG


Hautekzem Chromatallergie Nitrilbeschichtete Baumwollhandschuhe
Hautekzem Chromatallergie Nitrilbeschichtete Baumwollhandschuhe





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