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Chromathaltiger Zement: Neue Regeln für das Inverkehrbringen und Verwenden

Aufgrund der Änderung der Chemikalienverbotsverordnung und der Gefahrstoffverordnung durch die 8. Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen vom 25.2.2004 dürfen ab dem 17. Januar 2005 Zement und Zubereitungen, die Zement enthalten, nicht verwendet und in Verkehr gebracht werden, wenn in der nach Wasserzugabe gebrauchsfertigen Form der Gehalt an löslichem Chrom VI mehr als 2 mg/kg (2ppm) Trockenmasse beträgt.
Hiervon ausgenommen sind die Verwendung und das Inverkehrbringen zum Zwecke der Verwendung
  • in überwachten geschlossenen und vollautomatischen Prozessen sowie
  • in solchen Prozessen, bei denen Zement oder zementhaltige Zubereitungen ausschließlich mit Maschinen in Berührung kommen und keine Gefahr von Hautkontakt besteht.
Soweit bekannt, bieten alle Zementhersteller in Deutschland neben chromatreduziertem Sackzement - wie bisher - seit dem 17. Januar 2005 flächendeckend auch chromatreduzierte Siloware an. Wenn in Einzelfällen von Verwendern dennoch die Lieferung chromathaltigen Zements verlangt werden sollte, beabsichtigen die Zementhersteller und -lieferanten, von ihren Kunden Haftungsübernahmeerklärungen zu fordern.
Nach geltender Rechtsauffassung ist ein Verstoß gegen die oben genannten Verwendungsbeschränkungen und das Inverkehrbringungsverbot als Straftatbestand zu werten. Bei weiterer Verwendung chromathaltiger Zemente ergibt sich hieraus und für den Fall des Auftretens einer Hauterkrankung ein erhöhtes Risiko für den Unternehmer.
Für die überwiegenden Anwendungsfälle von Zement bedeuten diese neuen chemikalienrechtlichen Regelungen, dass entweder bereits herstellerseitig chromatreduzierter Zement verwendet wird oder bei der Betonherstellung ein Chromatreduzierer nachträglich hinzugegeben wird. Im Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft betrifft dies nach übereinstimmender Auffassung Transportbetonwerke, Frischmörtelwerke und Betonfertigteilwerke.
Im Hinblick auf die weitgehend vollautomatische Herstellung von Rohren, Steinen oder Platten vertreten zur Zeit noch einige Betreiber von Produktionsanlagen die Auffassung, es handele sich bei ihren Produktionsabläufen um überwachte, geschlossene Prozesse bzw. um Prozesse, bei denen Zement und zementhaltige Zubereitungen ausschließlich mit Maschinen in Berührung kommen, im Sinne der Ausnahmeregelungen. Dieser Annahme steht allerdings entgegen, dass Hautkontakt - auch durch das Tragen von Schutzhandschuhen - nicht völlig ausgeschlossen werden kann (z. B. bei der Anlagenreinigung). Bezüglich der Inanspruchnahme der Ausnahmeregelungen und die hierfür zu erfüllenden Voraussetzungen besteht deshalb derzeit noch Diskussions- und Abstimmungsbedarf seitens der Betonsteinindustrie und der Zementindustrie mit dem Gesetzgeber.
Das Ergebnis der Beratungen sollte abgewartet worden.
Zusammenfassend ist festzuhalten: Die Neuregelungen für das Inverkehrbringen und die Verwendung chromathaltiger Zemente stellen den Verwender vor die Wahl, entweder von vornherein chromatreduzierten Zement einzusetzen oder bei der Betonherstellung einen Chromatreduzierer hinzuzugeben. Vor dem Hintergrund rechtlicher Risiken sollte grundsätzlich der Verwendung bereits chromatreduzierter Zemente - auch unter dem Aspekt der Produktqualität - der Vorzug gegeben werden.




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