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Forum protecT 2003: Bürokratieabbau - Eigenverantwortung - Motivation

Das "Maritim"-Hotel Bad Wildungen war Ort der Veranstaltungsreihe protecT 2003, mit der die Steinbruchs- Berufsgenossenschaft ihren Mitgliedsunternehmen einen Ausblick auf neue Strukturen in der betrieblichen Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bot. Der eingeschlagene Weg führt sowohl zu Bürokratieabbau wie auch zu mehr Eigenverantwortung des Unternehmers. Neue Konzepte sollen die Unternehmen motivieren, den neuen Weg der Prävention zu beschreiten.
Zum 1. Januar 2004 trat die berufsgenossenschaftliche Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) in Kraft, die eine deutliche Reduzierung ehemaliger BG- Vorschriften nach sich zog. Hierzu informierte Dipl.-Ing. Manfred Rentrop, Stellv. Leiter der Berufsgenossenschaftlichen Zentrale für Sicherheit und Gesundheit (BGZ) die Zuhörer, nachdem Wolfgang Freiherr von Richthofen, internationaler Arbeitsschutzexperte, Genf, einen Blick über den Tellerrand auf weltweite Prävention warf. Auch wenn in Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden der Arbeits- und Gesundheitsschutz nach anderen Ansätzen erfolgreich betrieben wird, so leisten auch die Berufsgenossenschaften in Deutschland gerade durch die Prävention hervorragende Arbeit.
In einem zweiten Themenblock ging es um Arbeitsschutzmanagementsysteme. Dr. Ralf Pieper, Vertreter am Lehrstuhl "Sicherheits- und Qualitätsrecht" der Universität Wuppertal und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA), referierte über Stand und Perspektive. Von interessierten Kreisen (Bund, Länder, Unfallversicherungsträger, Sozialpartner) wurde ein gemeinsamer, nationaler Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme entwickelt. Dieser Leitfaden baut auf gemeinsam in Deutschland formulierte Positionen und einem Leitfaden der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auf. Die enthaltenen Handlungshilfen sollen in den Unternehmen umgesetzt werden.

Dipl.-Ing. Thomas Üffink, Lafarge Dachsysteme Der Tagungsort: Maritim-Hotel, Bad Wildungen Teilnehmer der Veranstaltungen
Dipl.-Ing. Thomas Üffink, Lafarge Dachsysteme Der Tagungsort: Maritim-Hotel, Bad Wildungen Jeweils rund 190 Teilnehmer verfolgten die Vorträge der Veranstaltungen


Dipl.-Ing. Christian Claus, Technischer Aufsichtsbeamter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft stellte ein solches Arbeitsschutzmanagementsystem vor, das Gütesiegel "Sicher mit System". Die StBG bietet ihren Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit, die Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb auf freiwilliger Basis kostenlos überprüfen zu lassen. Wie sich dieses Angebot der StBG in der Praxis bewährt, schilderte Dipl.-Ing. Thomas Üffink, Werksleiter Dachsteinwerke Mainburg und Forchheim, Lafarge Dachsysteme GmbH, eindrucksvoll. "Machen wir gemeinsam Lafarge zum sichersten Unternehmen der Branche," heißt die Devise. Die Vorteile und Nutzen des Gütesiegels wurden schnell erkannt, unter anderem die Begutachtung der Arbeitsschutzorganisation durch einen objektiven Fachmann, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Prozesse und damit eine Reduzierung der Ausfallzeiten durch Unfälle, Berufskrankheiten, Krankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.
Im dritten Themenblock gab Dipl.-Ing. Jürgen Koch, Stellv. Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, eine Einführung in die Betriebssicherheitsverordnung. Er berichtete über die Erfahrungen, ein Jahr nach Inkrafttreten der Vorschrift. Wie die Neugestaltung des Technischen Regelwerkes durch die Betriebssicherheitsverordnung verläuft, zeigte Dipl.-Ing. Jörg Nothdurft, Konzernstelle "Arbeitsumwelt" der Volkswagen AG auf. Eine enge Zusammenarbeit der Ausschüsse für Betriebssicherheit und Koordinierungsausschuss Betriebssicherheit (KOBS) war erforderlich, ebenso der einzelnen Werke untereinander.
Die Thematik der Betriebssicherheitsverordnung rundete Dr.-Ing. Damberg, Leiter Prävention der Süddeutschen Metall-Berufsgenossenschaft und Vorsitzender des Koordinierungsausschusses Betriebssicherheit, ab. "Unternehmerische Verantwortung ist eine Eigenverantwortung. Sie muss als solche wahrgenommen werden und lässt sich nicht auf Externe delegieren. Das Entwickeln und Umsetzen von Maßnahmen bleibt verbindlich demjenigen überlassen, der auch mit diesen Maßnahmen leben muss," erläuterte Dr. Damberg.


Ausstellung Tafel Tafel
Die Ausstellung 'Best Practice' zeigte das beste aus fünf Jahren Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit Das zweitägige StBG-Forum protecT musste wegen großer Nachfrage wiederholt werden Informationen zum Gütesiegel 'Sicher mit System'


Bei der Verwirklichung eines schlanken Vorschriftenwerks ist die StBG in führender Position. Im Dezember 2003 beschloss die Vertreterversammlung die Streichung von zwei Drittel der bisherigen Unfallverhütungsvorschriften zum 1.Januar 2004.
Dipl.-Ing. Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und dessen Stellvertreter, Dipl. Ing. Wolfgang Pichl, erläuterten das neue 3-Säulen-Modell der StBG, auf das sich zukunftsorientierte Prävention gründet. Die drei Säulen sind: ein schlankes Vorschriftenwerk, das kundenorientierte Branchenhandbuch und ein attraktives Anreizsystem.
Während der Pausen waren die im Hintergrund des Saales platzierten Ausstellungen über Arbeitsschutzkleidung und elektronische Rückfahrsicherung dicht umlagert. Die BG informierte darüber hinaus über Preisträger des Förderpreises - Arbeit
- Sicherheit - Gesundheit und deren Exponate, über die Aktionen in der Zeitschrift "Bauz", das Gütesiegel "Sicher mit System" und einiges andere mehr. Vor dem Hotel konnte das neue "Augenmobil" besichtigt werden.
Der jeweils erste Abend der Veranstaltungen war dem Kennen lernen und Gesprächsrunden gewidmet, wozu das abendliche Buffet der richtige Auftakt war. Viele Teilnehmer lobten die Möglichkeit einmal in einem angenehmen Rahmen mit "ihrem" Technischen Aufsichtsbeamten sprechen zu können. Fachkräfte für Arbeitssicherheit trafen ihre ehemaligen Dozenten wieder und diskutierten über die tägliche Praxis.
Fazit: Zwei gelungene Veranstaltungen, in denen das Motto "Bürokratieabbau - Eigenverantwortung - Motivation" mit Leben erfüllt wurde.

Hans-Jürgen Bahr, StBG




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