www.steine-und-erden.net > 2004 > Ausgabe 1/04 > Fördertechnik für die Baustoff-Industrie: Von Gurtförderern und Becherwerken

[Die Industrie der Steine + Erden]






Fördertechnik für die Baustoff-Industrie: Von Gurtförderern und Becherwerken

Bei der Herstellung von Baustoffen laufen die Prozesse zwischen den einzelnen Produktionsstationen in der Regel kontinuierlich ab, hier sind Förderbänder - horizontal und vertikal - unverzichtbare Hilfsmittel.


Zementwerk
Im Zementwerk werden Schüttgüter
sowohl senkrecht als auch horizontal gefördert


Für den Transport von Schüttgütern weisen Förderbänder viele Vorteile auf: große Massendurchsätze bei geringer Fördereigenmasse, geringer Raumbedarf, Realisierung von großen Förderlängen, geringer Bedienungsaufwand bei hoher Betriebssicherheit, geringer spezifischer Energiebedarf durch Fahren der Anlage im Dauerbetrieb. Dementsprechend hoch ist ihr Verbreitungsgrad in den produzierenden Branchen.



Doppelgurtförderer bewältigen ungewöhnliche Linienführungen

Steil- und Kurventransporte von Material mit handelsüblichen Glattbändern bergen zahlreiche Tücken. Becherwerke sind eine Möglichkeit, ihnen zu begegnen - doch diese Systeme sind nicht immer das richtige Mittel der Wahl. Eine interessante Alternative dazu bietet der Doppelgurtförderer.

Die VHV Anlagenbau hat mit ihrem Doppelgurtförderer ein System entwickelt, das unter Verwendung einfacher Glattbänder einen sicheren und kontinuierlichen Materialtransport selbst über senkrechte Steigungen hinweg ermöglicht. Dabei wird das zu fördernde Material in einem waagerechten- oder leicht ansteigenden Teil auf einem handelsüblichen noch einzelnen Glattgurt aufgegeben. Erst vor der Knickstation wird ein Deckgurt aufgelegt.
Das Material befindet sich nun zwischen den beiden Gurten die an der Knickstation in die senkrechte Förderrichtung umgelenkt werden.
Patentrechtlich geschützte, wechselseitige Rollenstationen im senkrechten Bereich passen sich dem Förderstrom an und bieten eine höchstmögliche Abdichtung gegen Materialaustritt nach außen. Nach der oberen Knickstation kann die Förderlinie waagerecht oder bis zu einer Steigung von ca. 40° weitergeführt werden. Das System ermöglicht Linienführungen in S- oder C-Form.

Vorteile des Systems
Da handelsübliche Glattgurte eingesetzt werden, ist es möglich, die Gurte nach dem Materialabwurf mit VHV Abstreifsystemen zu reinigen. Hierdurch bleibt die Anlage sauber, Anbackungen wie in Bechern oder Taschengurten kommen nicht vor.
Zudem ist durch die zuverlässige Reinigung der Gurte eine sortenreine Materialförderung möglich. Vermengungen durch anbackendes Material einer anderen Charge sind praktisch ausgeschlossen.
Das System sorgt zusätzlich dafür, dass die Anzahl der Materialübergabestellen auf ein Minimum reduziert werden kann. Außerdem bleibt den Betreibern der zusätzliche Einsatz von Zuführ- und Abtransportbändern, wie sie beispielsweise bei Becherwerken erforderlich sind, erspart. Auch erweisen sich Doppelgurtförderer als ausgesprochen flexibel und die waagerechten bzw. ansteigenden Teile werden den Anforderungen entsprechend ausreichend lang gestaltet. Da das Material direkt dem Gurt aufgegeben wird, ist eine verschleißreiche Baggerarbeit wie z. B. im Becherwerkssumpf überflüssig.
Der mit dem Doppelgurtförderer erzielbare kontinuierliche Förderstrom kann auch beim Dosieren in eine Wägeeinrichtung von Vorteil sein. Auch spricht der ausgesprochen geringe Platzbedarf für das System, da bei einem Doppelgurtförderer kein Keller wie beim Becherwerk erforderlich ist, ebenso entfällt der hohe Becherwerkskopf.
Durch das VHV Baukastensystem ist der Hersteller im Sinne des Kunden in der Lage, auch in Zukunft auf eventuelle Erweiterungen oder Umbauten flexibel zu reagieren. Mit sehr geringem Aufwand lassen sich vorhandene Anlagen erweitern. An die vorhandene Rasterlochung lässt sich vielfältiges Zubehör adaptieren.
Da das senkrechte Gestell als tragfähiger Stahlbau mit Rasterlochung ausgeführt ist, ist es problemlos möglich, einen Treppenturm um das senkrechte Gestell anzubauen, der gleichzeitig einen guten Wartungszugang bietet.


Doppelgurtförderer in S-Form
Doppelgurtförderer
in S-Form


Wartung und Reparatur
Durch die patentrechtlich geschützte Schnellwechseleinrichtung in den Knickstationen ist es möglich, die Rollen zu wechseln ohne dabei die Gurte zu entspannen. Standardmäßig werden Steh-Pendelrollen-Lager an den Antriebs- und Umlenktrommeln eingesetzt, die sich durch eine vorteilhaft lange Lebensdauer auszeichnen. Die Schmierung aller Lager ist im laufenden Betrieb möglich. Sind Wechsel vorzunehmen, reduzieren sich die Wechselzeiten auf ein Minimum.
Auch wenn Bauteile mit großen Wartungsintervallen verwendet werden, müssen Gurtförderer dennoch gewartet werden. Deshalb ist die Konstruktion so gestaltet, dass die Wartung in der Regel während des Betriebes oder mit nur kurzen Unterbrechungen durchgeführt werden kann, da alle gut einsehbaren Wartungsstellen leicht zugänglich und Verschleißteile einfach zu wechseln sind. Großer Wert wird seitens des Anbieters auf die Sauberkeit der Anlagen gelegt. VHV-Abstreifsysteme und spezielle Abdichtungen an den Übergabeschurren kommen diesem Anspruch nach. VHV Front-Segment- Abstreifer und Torsionsabstreifer mit Hartmetallschneiden sind darüber hinaus auch an vorhandenen Gurtförderern nachrüstbar.


Schnellwechseleinrichtung
Die patentrechtlich geschützte
Schnellwechseleinrichtung in den Knickstationen
ermöglicht den Rollenwechsel, ohne die
Gurte zu entspannen





Beumer Becherwerkstechnik

Die Beumer Maschinenfabrik ist seit über 65 Jahren auf dem Gebiet der Fördertechnik tätig und hat sich in diesem Bereich auf den Bau von Stetigförderern spezialisiert. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen in Verbindung mit einer firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung bilden die Grundlage für kontinuierliche Innovationen.
Der Einsatz von Becherwerken zur mechanischen Senkrechtförderung ist in vielen Industriezweigen zu einem unverzichtbaren Bindeglied zwischen den Produktionsabläufen geworden.
Sowohl Kettenbecherwerke als auch Gurtbecherwerke haben sich in tausendfachem Dauereinsatz unter schwierigsten, teilweise extremen Bedingungen bewährt. Für besondere Einsatzfälle stehen Spezialbecherwerke zur Verfügung.
Die größten Becherwerke der Welt mit Achsabständen von mehr als 150 m und Förderleistungen von über 1.800 m³/h wurden erst durch die Beumer Technologie ermöglicht.
Gurt- und Kettenbecherwerke sind aufgrund des um ein Vielfaches geringeren Energiebedarfs beider mechanischen Förderung im Vergleich zu pneumatischen Fördersystemen gleichermaßen wirtschaftliche und betriebssichere Förderaggregate. Geringe Betriebskosten, die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit und die geringen Betriebskosten sind Vorteile, die den Betreiber dieser Beumer-Technologie im Wettbewerb stärken.

Hochleistungs-Gurtbecherwerke
Die spezifischen Rahmenbedingungen der Einsatzfälle bestimmen die Art des verwendeten Zugträgers. Gurtbecherwerke werden vorrangig dort eingesetzt, wo pulvrige oder feinkörnige Produkte in hohen Massenströmen auf große Höhenniveaus transportiert werden müssen.
Durch die Armierung der Gurte mit Stahlseilen, die in besonderer Weise im Gurt angeordnet werden, sind Achsabstände von deutlich über 150 m möglich. Abhängig von der Kombination aus Fördermenge und Förderhöhe können Gurte mit entsprechender Festigkeit unter Berücksichtigung der Sicherheitsanforderungen eingesetzt werden.
Die besondere Art der Verbindung der Becher mit dem Gurt reduziert den Verschleiß des Gurtes auf ein Minimum und verhindert das Ausreißen der Becher, so dass hohe Standzeiten und somit ein hoher wirtschaftlicher Nutzen erzielt wird.
In Beumer Hochleistungs-Gurtbecherwerken kommen je nach Materialkörnung zwei Varianten der Becherbefestigung zum Einsatz: Die Befestigung mittels Segmenten wird bei einer Korngröße von bis zu 25 mm eingesetzt. Bei Korngrößen zwischen 25 und 60 mm kommt die von Beumer entwickelte Schwingmetallhalterung zum Einsatz.


Beumer Becherwerk
Beumer
Becherwerk



Hochleistungs-Zentralkettenbecherwerke
Die spezifischen Rahmenbedingungen der Einsatzfälle bestimmen die Art des verwendeten Zugträgers.
Kettenbecherwerke werden vorrangig überall dort eingesetzt, wo aufgrund der Materialeigenschaften und der Betriebsverhältnisse besondere Anforderungen an den Zugträger gestellt werden. Grobstückige, abrasive und heiße Fördergüter, wie sie z. B. beim Transport von Klinker, Klinkerschülpen oder Kalksteinschotter vorliegen, werden durch den Einsatz von Hochleistungs- Zentralkettenbecherwerken zuverlässig gefördert.
Eine kleine Becherteilung und damit dichte Becherfolge ermöglicht die Realisierung von Fördermengen von über 1.110 m³/h. Zur abgestuften Anpassung an die benötigte Fördermenge stehen Becherbreiten von 400 bis zu 2.000 mm Einzel- oder als Doppelbecherwerk zur Verfügung.
Die Verwendung der Zentralkette in hochfester Ausführung ist die Basis für die sichere Überwindung auch großer Förderhöhen. Abhängig von der Kombination aus Fördermenge und Förderhöhe wird aus vier zur Verfügung stehenden Kettentypen unter Einhaltung der festgelegten Kettensicherheiten die für jeden Einsatzfall optimale Kette gewählt. Kettenbolzen mit zähem Kern und definierter Härtetiefe erhöhen die Lebensdauer wesentlich und sichern damit eine wirtschaftliche Nutzung.
Die Beumer Zentralkette ist die innovative Weiterentwicklung aus einem Jahrzehnt Erfahrung in der Zentralkettenbecherwerkstechnik. Bei der Entwicklung wurden Markwünsche nach einer feinen Zugfestigkeitsabstufung und damit einem preisgünstigen, wirtschaftlichen Einsatz berücksichtigt. Die dem Kettenrad angepasste gewölbte Form der Seitenlaschen ermöglicht mit den zwei Kettenbolzen eine Dreipunktauflage und damit einen sicheren kraftschlüssigen Betrieb des Becherwerkes.
Der massive Bolzen mit seiner hohen Kernfestigkeit und seiner gehärteten Oberfläche gewährleistet einen dauerhaft verschleißarmen Betrieb. Darüber hinaus bildet die Außenbuchse mit ihrer dem Bolzen angepassten Profilierung eine Labyrinthdichtung und Fettkammer, die eine Lebensdauerschmierung der Gelenkflächen auch bei hohen Temperaturen (bis 150 °C) ermöglicht.



Rohrgurtförderer Muldengurtförderer
Rohrgurtförderer Muldengurtförderer




Kurvengängige Gurtförderer für den Schüttguttransport

Beumer Gurtförderer werden als gemuldete oder geschlossene Fördersysteme zum kontinuierlichen Transport unterschiedlichster Schüttgüter eingesetzt. Ein breites Spektrum verschiedener Gurtbreiten und -typen gewährleistet in Verbindung mit bewährten Maschinen und Stahlbaukomponenten eine sichere und kostengünstige Betriebsweise.
Muldengurtförderer in horizontalkurvengängiger Bauart wurden maßgeblich von Beumer entwickelt. Die damit realisierbare kurvengängige Linienführung ermöglicht mit minimalen Kurvenradien, im Vergleich zu mehreren Förderern mit gerader Linienführung, eine besonders kostengünstige Trassenführung dieser Förderer.
Zusätzliches Rationalisierungspotential kann bei gleichzeitigem Transport im Ober- und Untertrum der Muldengurtförderer ausgeschöpft werden.
Kurvengängige Muldengurtförderanlagen bieten besonders bei der Überbrückung von längeren Distanzen im
Vergleich zum Einsatz von Radfahrzeugen/LKW wirtschaftliche und technische Vorteile:
  • Die kurvengängigen Gurtförderer passen sich sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung (auch überlagert) an besonders schwieriges Gelände an und können auch bisherige Hindernisse wie Berge, Täler, Flüsse und Straßen überwinden.
  • Kurvenradien von nur 450 m sind bereits realisiert worden. Diese geringen Kurvenradien ermöglichen es auch mehrere lineare Teilstücke mit aufwendigen Übergabestationen zu ersetzen und dadurch den Nutzfaktor der Gesamtinvestition zu steigern.
  • Auch die "kurzen Wege" selbst senken die Investitionskosten von Gurtförderern
  • verbesserter Umweltschutz, da durch Gurtförderer Lkw-Trassen, Lärm und Staub vermieden werden.
  • Schutz des Fördergutes gegen Witterungseinflüsse und Umwelt- und Personenschutz (bei Durchquerung von öffentlich zugänglichen Geländen) durch komplette Einhausung des Förderers.

Rohrgurtförderer ermöglichen durch das geschlossene Fördersystem eine weitgehende optimierte Anpassung der Trassenführung an die individuellen topographischen Gegebenheiten. Das Fördermaterial wird vollständig umschlossen, staubfrei transportiert, und auch extreme Steigungswinkel werden sicher überwunden. Diese Technik basiert auf bewährten Maschinenkomponenten und einem speziellen Gurtdesign, die einen sicheren Betrieb gewährleisten.
Das Fördergut ist während des gesamten Transportes durchgängig eingeschlossen und so vor Umwelteinflüssen geschützt. Dies bietet sich besonders beim Transport von empfindlichen Schüttgütern an.
Durch das geschlossene System sind auch erhebliche Steigungen möglich. Des weiteren wird durch das geschlossene System Rieselgut vermieden, so dass keine Reinigungsarbeiten an der Anlage notwendig sind.



Nerak - Winkelbecherwerke vielfach bewährt

Trotz der schwachen Baukonjunktur ist es der Nerak GmbH Fördertechnik gelungen, 2003 in Deutschland und im europäischen Ausland erfolgreich zu agieren. So wurden Winkelbecherwerke unter anderem für Produkte wie Quarzsand, Trockenmörtel, Feldspat und keramische Produkte geliefert.


Winkelbecherwerk WB370
Winkelbecherwerk WB370


Nerak-Winkelbecherwerke zeichnen sich durch eine besonders platzsparende Bauweise bei kontinuierlichem Horizontal-Vertikal-Horizontaltransport ohne zusätzliche Übergaben aus. Das geschlossene Becherbandsystem mit der Gummiblockkette als Zugträger ist bei geringem Leistungsbedarf nicht nur verschleiß- und wartungsarm, sondern auch sehr gut bei Anforderungen hinsichtlich eines häufigen Produktwechsels geeignet.
Die Abbildung zeigt ein Winkelbecherwerk der Baureihe WB 370 zur Mischerbeschickung.




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