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[Die Industrie der Steine + Erden]






Naturstein für Ästheten

Verona war vom 3. bis 6. Oktober 2002 wieder Treffpunkt für die Natursteinbranche


Messeplakat   Wenn Italiener sich über Natursteinwerk unterhalten, dann funkelt es in den Augen der Gesprächspartner. Italienischen Lebensstil und italienische Ästhetik kann man jedes Jahr erneut in Verona anlässlich der Marmomacc hautnah erleben. Dabei hat der kühle Betrachter aus dem Norden Europas gelegentlich Mühe zu erkennen, dass es bei den Präsentationen in Verona eigentlich um den Verkauf von Naturwerkstein geht - im Unterschied zur Nürnberger stone+tec. Aber das Konzept scheint zu funktionieren. Immerhin hatte die 37. Ausgabe der internationalen Marmormesse "Marmomacc" auf mehr als 60.000 qm 1.336 Aussteller aus 55 Ländern in die italienische Natursteinmetropole gelockt. Damit war das Ausstellungsgelände nach Veranstalterangabe voll ausgebucht. Mehr als 57.000 Besucher, wovon über 19.000 aus dem Ausland kamen, bewunderten die Exponate der 825 italienischen und 511 ausländischen Ausstellern aus 55 Ländern. Nach unabhängiger Expertise lagen damit sowohl bei den Ausstellern, als auch bei den Besuchern und der Ausstellungsfläche die Ergebnisse über denen des Vorjahres. Damit hat die Marmomacc einen weiteren großen Schritt in Richtung auf mehr Internationalität genommen.
Auch eine Reihe von deutschen Ausstellern war in diesem Jahr in Verona vertreten. Immerhin 47 Firmen aus dem Bereich der Maschinenhersteller, der Zulieferindustrie und auch der Natursteinprodukte hatten den Gang nach Verona gewagt. Besonders ins Auge stachen die Stände der Juma Natursteinwerke GmbH & Co. KG und des Gundelsheimer Marmorwerkes GmbH & Co. KG.




Seilsägemaschine aus Frankreich

Im Bereich der Maschinenhersteller gab es eine Reihe von interessanten Neuigkeiten zu besichtigen. Am Gemeinschaftsstand der Firma König und der Firma Thibaut aus Frankreich konnte man die nagelneue Seilsägemaschine TSH 1.800 von Thibaut, Frankreich in Augenschein nehmen. Diese Diamantseilsäge ist im Gegensatz zu herkömmlichen Seilsägen in der Lage, Rohblöcke horizontal zu tranchen oder Rohplatten aufzusägen. Aufgrund der Bauart kann die Diamantseilsäge in Stahlausführung Blockbreiten zwischen 600 und 1.800 mm verarbeiten. Sie benötigt 18 bzw. 22 kW Leistung, 10 cbm Luft/h und 2 cbm Wasser. Über die SPS-Steuerung können beliebige Abmessungen produziert werden.
Das Besondere der leicht zu programmierenden Maschine ist das automatische Keilsetz-System. Erst mit dieser patentierten, neuen, über Pneumatikzylinder betriebenen Einrichtung ist es jetzt möglich geworden, die Blöcke horizontal aufzusägen. Damit entfällt eine der Hauptgefahrquellen beim herkömmlichen vertikalen Aufsägen der Blöcke: Immer wieder ist es beim Aufsägen der aufgebankten Rohblöcke durch seitliches Wegkippen der Krustenplatten zu schweren Arbeitsunfällen gekommen. Deshalb muss ein hoher Aufwand beim Positionieren der Rohblöcke beim vertikalen Sägen getrieben werden und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gegen das seitliche Wegkippen der Krustenplatten getroffen werden. Mit dem neuen Verfahren ist diese Gefahrenquelle vollständig ausgeschaltet. Deshalb ist die Maschinenneuerung aus sicherheitstechnischer Sicht eindeutig zu begrüßen.

Die neue Horizontalseilsäge TSH 1800 am Stand von Thibaut
Die neue Horizontalseilsäge
TSH 1800 am Stand von Thibaut


Messestand der JUMA Steinwerke Natursteinbecken Gundelsheimer Marmorwerke GmbH auf der Marmormacc
Messestand der
JUMA Steinwerke
Naturstein-
becken
Gundelsheimer Marmorwerke GmbH
auf der Marmormacc




Ergonomische Hebehilfen von WeHa

Am Stand der Augsburger Firma Weha fanden die zahlreichen ergonomischen Hebe- und Tragehilfen bei den Live-Vorführungen große Aufmerksamkeit. Seine neueste Produktpalette zeigte die deutsche Firma Steinex. Das Unternehmen stellt hydraulische Spaltmaschinen in allen Größenklassen her. Dabei reicht die Palette vom Vorspalten der durch hydraulische Manipulatoren bewegten großen Rohblöcke bis zum Herstellen von verlegefertigem Kleinpflaster, Fußbodenfliesen, Verkleidungen, Bordsteinen und Mauersteinen.


Demonstration des "Küchensherpa" von WeHa
Demonstration des
"Küchensherpa" von WeHa


Hydraulische Steinspaltmaschine von Steinex
Hydraulische Steinspaltmaschine
von Steinex




Waterjet stellte Oberflächenbearbeitungsmaschinen der Serie WaterStone vor
Waterjet stellte Oberflächenbearbeitungsmaschinen der Serie WaterStone vor




Roboter mit Natursteinbearbeitungsköpfen zeigte die Firma albareto
Roboter mit Natursteinbearbeitungsköpfen zeigte die Firma albareto




Die Firma Breton präsentierte mit der Contourbreton NC 400 die Weiterentwicklung ihres Oberflächen-Bearbeitungszentrums
Die Firma Breton präsentierte mit der Contourbreton NC 400 die Weiterentwicklung ihres Oberflächen-Bearbeitungszentrums
 

Oberflächenbearbeitung unter Wassereinsatz

Immer mehr auf dem Vormarsch ist die Bearbeitung von Natursteinoberflächen mit Wasser. Dabei wird ein unter Hochdruck stehender Wasserstrahl eingesetzt. Vier Parameter definieren dabei den Grad der erzielten Oberfläche:
  • der Wasserdruck
  • der Abstand der Düse zur Oberfläche
  • die Schneid-Geschwindigkeit der Düse
  • die Geschwindigkeit der motorisch angetriebenen Förderrollen.

Durch die abgestimmte Kombination dieser vier Einflussfaktoren lassen sich die gewünschten Strukturen in Abhängigkeit der unterschiedlichen Steinmaterialien erzielen. Der renommierte italienische Hersteller Waterjet hat inzwischen 21 verschiedene Maschinen im Programm. Die Oberflächenbearbeitungsmaschinen bestehen dabei im Wesentlichen aus folgenden Elementen:

  • ein motorisch angetriebener Rollentisch innerhalb des Maschinengehäuses
  • ein Gantry-Portal-System mit Linearführungen
  • ein schalldichtes Gehäuse
  • ein Bedienpult für die Steuerung
  • eine Hochdruckpumpe
  • ein Satz Düsen WJR.

Die WaterStone WS-150 kann Werkstücke bis zu drei Tonnen Masse und 2.000 x 2.100 mm Größe bearbeiten. Das WaterStone-System zeichnet sich gegenüber traditionellen Oberflächen-Bearbeitungsverfahren durch folgende Vorteile aus: Die Bearbeitung der Oberfläche erfolgt ausschließlich mit Hochdruckwasser - eine Vergilbung ist damit ausgeschlossen und die Originalnatursteinfarbe bleibt erhalten. Der Grad der Oberflächenrauhigkeit ist frei wählbar. Das System ist umweltfreundlich, weil weder Rauch noch Wärmeentwicklung entsteht. Die Palette der Oberflächen-Bearbeitungstechnologien wird ständig weiterentwickelt. Das System zeichnet sich durch niedrige Produktions- und Betriebskosten aus und ist sehr gut auf verschiedene Anwendungsbereiche anzupassen.
Seit längerem vertreibt das Unternehmen auch für die Gewinnung der Rohblöcke den Quarry-Jet QJ 100. Dieses Hochdruckgewinnungssystem arbeitet mit einem Wasserdruck von 4.130 bar, der mit dreifacher Schallgeschwindigkeit über eine Düse freigesetzt wird. Die maximale Schnitttiefe beträgt acht Meter.



Roboter fräsen und polieren Oberflächen

Auf einigen Ausstellungsständen konnten Robotersysteme für die Natursteinbearbeitung in Augenschein genommen werden, wie z. B. auf dem Stand der Firma albareto Automazioni. Diese Robotersysteme, die im Allgemeinen aus dem Bereich des Automobilbaus bzw. Maschinenbaus kommen und mit Natursteinbearbeitungsköpfen ausgestattet sind, ermöglichen eine praktisch unbegrenzte Formgebung und sind mehr und mehr auf dem Vormarsch. Selbstverständlich müssen derartige Bearbeitungsbereiche in der Praxis aufgrund der dort vorhandenen Sicherheitsrisiken vollständig eingezäunt werden. Der renommierte Hersteller von Bearbeitungszentren breton zeigte mit seiner neuen Maschine Contourbreton NC 400 die Weiterentwicklung des Vorgängertyps NC 350. Die Maschine ist mit einer patentierten breton-Spindel ausgerüstet, deren Anpressdruck pneumatisch angepasst werden kann. Damit können ausgezeichnete polierte Oberflächen erzeugt werden. Das Werkzeugkarussell hat eine Kapazität von 27 verschiedenen Werkzeugen und verfügt damit über eine noch größere Flexibilität als der Vorgängertyp.
Insgesamt wurde festgestellt, dass sowohl Aussteller als auch Besucher mit der diesjährigen Marmomacc vollauf zufrieden waren und zu 93 Prozent auf der nächsten Marmomacc, die vom 2. bis 5. Oktober 2003 stattfindet, wieder dabei sein wollen.




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