www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 1/03 > Tödlicher Unfall an einer Richt- und Schneideanlage im Betonfertigteilwerk

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Tödlicher Unfall an einer Richt- und Schneideanlage im Betonfertigteilwerk

In einem Betonfertigteilwerk werden Filigrandecken mit Hilfe einer Palettenumlaufanlage produziert. Zur Herstellung der Bewehrung wird eine automatische Richt- und Schneideanlage eingesetzt. Die Richt- und Schneideanlage ist oberhalb der Umlaufpalette angeordnet. Das Aufstecken der Abstandshalter erfolgt unmittelbar darunter. Bei diesem Vorgang traten immer wieder Störungen auf, die nur manuell beseitigt werden konnten.
Am Unfalltag stellte der zuständige Mitarbeiter einen derartigen Mangel fest und begab sich in den Bereich der Richt- und Schneideanlage, um ihn zu beheben. Hierbei befand sich sein Kopf in unmittelbarer Nähe des Längsdrahtführungsblockes, der automatisch verfährt, sich zu diesem Zeitpunkt jedoch in Ruheposition befand.
Während der manuellen Störungsbeseitigung durch den Beschäftigten erfolgte durch die automatische Steuerung der Befehl an die Richt- und Schneideanlage, Betonstahl mit dem größten Durchmesser (hier 14 mm) zu verwenden. Daher setzte sich der Längsdrahtführungsblock automatisch in Richtung des Kopfes des Beschäftigten in Bewegung, erfasste diesen und quetschte ihn gegen die Greiferwelle der Anlage. Durch die erhebliche Kraft des Antriebes wurde der Kopf des Beschäftigten zwischen Block und Welle auf 8 cm zusammengequetscht, so dass tödliche Verletzungen auftraten.
Zur Störungsbeseitigung hätte die Anlage nicht im Automatikbetrieb betrieben werden dürfen. Zusätzlich wurde die Quetschstelle als solche nicht erkannt und blieb somit ungesichert. Ein Grund hierfür war auch, dass nur bei dem Betonstahl mit dem größten Durchmesser (14 mm) der Abstand zwischen dem Längsdrahtführungsblock und der Greiferwelle 8 cm betrug.
An den Ermittlungen zur Unfallursache und zu den Verantwortlichkeiten dieses tragischen Unfalls war das Landeskriminalamt beteiligt.
Festzustellen bleibt: Die Hersteller und Betreiber vergleichbarer Anlagen müssen sicherstellen, dass der Aufenthalt in solchen Gefahrenbereichen während des Automatikbetriebes sicher verhindert wird und den Beschäftigten im Rahmen der regelmäßigen Unterweisungen klar gemacht wird, dass derartige Anlagen vor allen Arbeiten zur Störungsbeseitigung und Fehlerbehebung ebenso wie bei Wartungs- und Reparaturarbeiten über den Hauptschalter allpolig vom Stromnetz zu trennen sind. Dabei ist der Hauptschalter zu verschließen, um eine irrtümliche Wiederinbetriebnahme durch Dritte sicher zu verhindern.

Dipl.-Ing. Ulrich Kretschmer, StBG

Quetschstelle Quetschstelle

Quetschstelle
Quetschstelle an der Richt- und
Schneideanlage im Betonfertigteilwerk




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