www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 1/03 > Dicke Lippen für große Bagger

[Die Industrie der Steine + Erden]






Dicke Lippen für große Bagger

Benno Orenstein und Arthur Koppel gründeten 1876 in Berlin ein Unternehmen zum Vertrieb von Feldbahnen. Daraus entstand ein Baumaschinenkonzern, dessen Großbaggersparte 1998 von der US-amerikanischen Terex-Corporation übernommen und mittlerweile als Terex-Mining weitergeführt wird. 260 Mitarbeiter fertigen jährlich etwa 60 Hydraulikbagger in Klappschaufel- und Tieflöffelversion für Steinbrüche, Minen und Kohlegesellschaften mit Einsatzgewichten bis über 900 Tonnen.
Klar, dass die Fertigungstiefe bei den derzeit sieben Terex-Mining-Baggern RH 30-F (84 t/6,3 cbm) bis zum gigantischen RH 400 (930 t/52 cbm) nicht unendlich hoch ist . Zu den Komponenten, die outgesourct werden, gehören seit Jahren die Schaufellippen und Zahnsysteme für Klappschaufeln und Tieflöffel mit Schaufelinhalten bis zu 52 Kubikmeter. "Standardprodukt bei uns", erklärt Produktmanager Volker Börnke, "sind seit rund 14 Jahren Lippen und Zahnsysteme von Esco aus Amerika". Die Zahnsysteme des Spezialherstellers von Zahnsystemen für Großgeräte weichen in ihrer Konstruktion von dem weitverbreiteten Standardsystern Super-V ab. Ab dem 480 Tonnen wiegenden RH 200 werden einteilige Schaufellippen Typ Loadmaster eingesetzt. Bei kleineren Baggern werden die Zahnhalter direkt mit dem Schaufelboden verschweißt, wie das auch bei Ladegefäßen normaler Größe geschieht.
Basis des Posilok-Systems ist die nach Kundenwünschen gegossene einteilige Schaufellippe mit integrierten Aufnahmen für die Zahnhalter. Je nach Schaufel werden in die bis zu 10000 kg schwere Lippe fünf oder sechs Zahnhalter integriert. Auf die Aufnahmen wird zunächst ein Zahnhalter aufgesteckt und mit einer hammerlosen horizontalen Sicherung fixiert. Diese Sicherung heißt Sidewinder und besteht aus einem Konus, der mechanisch mit einer Ratsche ausgefahren wird und der den Zahnhalter auf der Lippe fixiert. Auf diesen Zahnhalter wird dann die jeweilige Zahnspitze aufgesteckt und mit einem weiteren vertikalen Sicherungsstift fixiert.
Je nach Einsatz werden verschiedene Zahnspitzen aufgesteckt. Die Zahnspitzen unterscheiden sich je nach Materialbeschaffenheit (Kohle benötigt andere Zähne als Grauwacke), Einsatz (Laden von Haufwerk oder Reißen aus der Felsformation) und Baggerkinematik (Hoch- oder Tieflöffel). Acht verschiedene Zahnspitzen stehen derzeit für das System zur Verfügung, das in den Größen S95, S110. S130 und S145 gefertigt wird. Der Einsatzbereich dieser Systeme ist weitgefächert So kann das S110 etwa an einem 265 Tonnen schweren RH 120 im schweren oder einem 480 Tonnen schweren RH 200 im leichten Einsatz Verwendung finden.


Eine Klappschaufel mit 30,5 cbm Volumen entsteht im Dortmunder Werk von O&K-Mining
Eine Klappschaufel mit 30,5 cbm Volumen
entsteht im Dortmunder Werk von O&K-Mining




Mineneinsatz stellt auch an Zahnsysteme besondere Ansprüche

Der Mineneinsatz ist besonders hart - primär weil Material im Mehrschichteinsatz geladen wird. Je nach Material und Sprengraster müssen zudem große Knäpper verladen werden, was die Zahnhalter und Zähne zusätzlich beansprucht. Während des Einsatzes verändert jeder Zahn, auch der härteste, seine Geometrie - das sogenannte Verschleißbild. Esco konzipiert Zähne aus Speziallegierungen mit Härten bis zu 600 HB, die auch bei Verschleiß eine spitze Zahnform beibehalten und die unter möglichst geringem Energieaufwand in das Material eindringen - denn je größer die Bagger, desto wichtiger sind Betriebskosten und Ladeleistung. Genauso wichtig wie der effiziente Betrieb ist die Sicherheit - sollte sich eine Zahnspitze im Betrieb lösen und mit dem Haufwerk in den Brecher gelangen, entstehen Stillstands- und Folgekosten, die sich in großen Tagebaubetrieben täglich schnell zu sechsstelligen Dollarbeträgen summieren. Mit dem vertikalen Sicherungsstift Sidewinder, der den Zahnhalter auf der Lippe fixiert und mit der zusätzlichen Posilok-Sicherung, die die Zahnspitze auf dem Halter hält, hat der amerikanische Hersteller ein sicheres und schnell zu wechselndes Zahnsystem geschaffen.


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/03 | Zurück zu unserer Homepage