www.steine-und-erden.net > 2003 > Ausgabe 1/03 > Über den Wolken...

[Die Industrie der Steine + Erden]






Über den Wolken...

Seit Jahren fliegen Bekannte von mir Ende Januar nach Teneriffa. Am Abend vor dem Abflug checken sie auf dem Flughafen ein, und das nutzen wir zu einem Treffen in einer Flughafenbar aus. Wir genießen gemeinsam die besondere Atmosphäre des Terminals.
Da meine Freunde außerhalb Hannovers leben, sehen wir uns nicht so häufig, und so gibt es einiges zu erzählen. Aber wir nehmen uns auch die Zeit, dieses weltoffene Flair aufzunehmen. Es beginnt schon mit dem Blick auf die Anzeigetafel. Weltweite Flugziele spornen die Fantasie an. Auch wenn einmal ein Umsteigen notwendig wird, so ist man doch mit jedem Winkel der Welt verbunden.
Während wir locker plaudern, vergessen wir nicht, ein wenig auf die Flugpassagiere zu achten. Man erkennt die Vielflieger an ihrer Ruhe und Routine - ebenso die Gruppe der Unerfahrenen, wie sie nervös hin- und herlaufen und zum wiederholten Mal ihr Ticket hervorholen.
Mehrmals wird der Koffer angehoben und das zulässige Gewicht abgeschätzt. Hat man wieder ein paar Kleidungsstücke eingepackt, die das Gewicht erhöhen, aber im Urlaub gar nicht getragen werden?
Ganz Unentschlossene kramen noch Teile aus dem Koffer hervor und verstauen sie im Handgepäck. Schnell wird der Sitz des Kofferriemens geprüft, bis die Schlange vor der Abfertigung abgearbeitet ist und endlich eingecheckt werden darf. Hoffentlich ist man früh genug an der Reihe, dass noch ein Fensterplatz frei ist, möglichst nicht genau hinter den Tragflächen.
Vor meinen Bekannten liegen nun fünf Wochen kanarischer Unbekümmertheit. Meist sonniges Wetter, Bademöglichkeiten und die Zeit, all das zu tun, wozu man in der Hektik des Alltags sonst nicht kommt. Sie freuen sich schon auf den Karnevalsumzug in der Hauptstadt, von dem sie immer so geschwärmt haben. Die vielen bunten Kostüme, die Samba-Musik, ja, die ganze ausgelassene Stimmung. Meistens spielt auch das Wetter mit, so dass man sich wie an der Copacabana fühlt. Auf langen Zuschauertribünen vergnügt sich das Volk. Es herrscht eine kaum zu beschreibende Atmosphäre.
Entsprechend entspannt sind meine Freunde. Wir lachen viel und auch ich lasse mich regelmäßig ein wenig von der Urlaubsstimmung anstecken. Sicherlich, ich fahre wieder nach Hause und gehe morgen früh zur Arbeit. Aber die Zeit auf dem Flughafen bringt auch mir die Vorfreude auf den nächsten Urlaub. Und die kann man in einem kalten Monat, wie dem Januar, gut gebrauchen. Bevor meine Bekannten und ich uns trennten, gingen wir noch an die Panoramafenster, die einen Blick auf das Vorfeld und eine Startbahn erlauben. Gerade hob ein großes Flugzeug ab und verschwand rasch im dunklen Abendhimmel. In diesem Moment musste ich an Reinhard Meys Lied denken: "... ich wäre gern mitgeflogen".

Hans-Jürgen Bahr

Am Flughafen



Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/03 | Zurück zu unserer Homepage