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[Die Industrie der Steine + Erden]






Gute Zeiten - schlechte Zeiten?

Willi Lange Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, zu Beginn des neuen Jahres einen hoffnungsvollen Blick nach vorne zu wagen. Doch in Zeiten des Jammerns und der Stagnation ist dies kein leichtes Unterfangen. So steht es mit der Stimmungslage in Deutschland nicht zum Besten. Wo bleiben die Antworten, wo die Konzepte unserer Politiker? Man kann sich bisweilen des Eindrucks nicht erwehren, dass eine Vision für die Zukunft fehlt. Stattdessen werden stets aufs Neue Diskussionen über Privilegien oder Umverteilung geführt - Wehtun möchte man jedoch keinem, denn die nächste Wahl steht schon bevor.

Dabei bin ich mir sicher, dass die Menschen in Deutschland längst die Notwendigkeit des Wandels sehen! Schließlich ist die ganze Welt im Wandel - sie war es eigentlich immer. Die positiven und negativen Folgen der Globalisierung können wir nicht wegdiskutieren - wir müssen damit umgehen, sie beeinflussen und uns darauf einrichten. Auch Europa verändert sich. Gerade wir Deutsche haben dies gewollt und als Motor der Europäischen Union entscheidend mit initiiert. Indessen: Diese Medaille hat - wie andere - zwei Seiten: Natürlich gibt es problematische Auswirkungen, besonders für den Bereich der Bau- und der Baustoff-Industrie. Dennoch: Deutschland hat und wird auch in Zukunft maßgeblich vom größten Binnenmarkt der Erde profitieren können!

Anstatt uns jedoch für die Zukunft fit zu machen, leben wir in Deutschland von der Substanz - allerdings noch immer auf höchstem Niveau! Unsere Nachbarn haben uns längst vorgemacht, dass man sich nur so viel Sozialstaat leisten kann, wie man "verdient". Wir dagegen kultivieren die Mentalität des Anspruchsdenkens und der staatlichen Fürsorge. Dies lähmt die Eigeninitiative. Wir ersticken in Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften - von Politikern gemacht. Man denke nur an die jahrzehntelange Diskussion um das Ladenschlussgesetz oder an 16 unterschiedliche Kampfhundeverordnungen in 16 Bundesländern. Was ist mit unserem Bildungssystem? Früher war es führend und beispielgebend. Wenn es darum geht, Gründe für die schlechte wirtschaftliche Lage zu finden, kommt es immer häufiger in Mode, auf die schlechte weltwirtschaftliche Lage zu verweisen. Gab es nicht einmal Zeiten, in denen Impulse für positive Veränderungen auch von Deutschland ausgingen? Was also tun in diesen (schlechten) Zeiten?

Machen wir einen klaren Schnitt - einen Neuanfang. Fordern wir von unserer politischen Führung eine klare Vision! Wir brauchen mehr Freiraum für Ideen. Wir brauchen aber zugleich persönlichen Gestaltungswillen. Wir brauchen mehr Eigenverantwortung und -initiative, mehr Risikobereitschaft für neue Wege!

Auch in der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es Reformbedarf! Dabei hat die Grundidee der Bismarckschen Sozialgesetzgebung bis heute nichts von ihrer Berechtigung und Aktualität verloren! Existenzbedrohende Schadensersatzklagen gegen asbestverarbeitende Firmen in USA einerseits und menschliche Einzelschicksale andererseits belegen dies eindrucksvoll. Wir brauchen eine Strukturreform. An der Branchengliederung sollten wir jedoch festhalten! Mittelfristig muss unser Finanzierungssystem auf eine neue Basis gestellt werden. Die ersten erfolgversprechenden Schritte sind getan.

Für den Bereich der Prävention gilt: Die Zeit zum Erlass immer neuer Vorschriften ist vorbei. Wenige, übersichtlich gestaltete "Grundregeln" reichen aus! Wir brauchen stattdessen praxisgerechte Angebote und Hilfestellung - wie z. B. unser neues Gütesiegel "Sicher mit System". Deshalb mein Appell am Beginn des neuen Jahres: Stecken wir den Kopf nicht in den Sand! Tun wir das Unsrige, dass aus schlechten Zeiten in diesem Jahr gute Zeiten werden!



Ihr
Willi Lange




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