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Keine Entwarnung bei Gehörschäden durch Disco-Lärm

Disco Die in einem Beitrag von "Spiegel Online" zitierten Ergebnisse einer amerikanischen Studie zur ständigen Erneuerung der Gehörhärchen im Ohr bedeuten keine Entwarnung bei Lärmbelastung. Darauf weist der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften in Sankt Augustin hin. Die Forschungen der bereits im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Untersuchung hätten ergeben, so der Spiegel, dass sich die Sinneshärchen im Innenohr entgegen bisherigem Wissen alle 48 Stunden komplett erneuern.
"Bei der bleibenden, durch Lärm verursachten Schwerhörigkeit geht es jedoch nicht um verlorene Härchen, sondern um den Verlust der Sinneszellen, die diese Härchen tragen", so Dr. Eberhard Christ, Lärmexperte beim Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BIA). "Diese werden bei Schädigung leider nicht ersetzt."
Der Spiegel-Artikel verursacht daher ein Missverständnis: Ob Härchen verloren gehen und ersetzt werden, stellt nicht das Kernproblem dar. Durch häufigen Discobesuch - aber vor allem auch durch fortgesetzte Lärmbelastung am Arbeitsplatz - werden die die Härchen tragenden Sinneszellen geschädigt und sterben ab. Sie können dann auch keine Härchen mehr produzieren.
Daher ist die zitierte Studie für das Entstehen von Gehörschäden durch häufigen Discobesuch in keiner Weise relevant. Im Gegenteil: Die in dem Spiegel-Beitrag gezogene Schlussfolgerung kann für Discobesucher, die nun davon ausgehen, nur zwei Tage warten zu müssen, um Gehörschäden zu vermeiden, recht gefährlich werden. Zwar kann sich eine vorübergehende Hörminderung - im Spiegel-Beitrag fälschlich als vorübergehende Taubheit bezeichnet - bei ausreichender Gehörerholungszeit zurückbilden. "Ein Grundproblem besteht aber darin, dass vor allem bei Discobesuchern, die während ihrer täglichen Arbeit und oft zusätzlich in ihrer Freizeit Lärm ausgesetzt sind", die Gehörerholungszeit in der Regel nicht ausreicht und als Folge davon übermüdete Gehör-Sinneszellen absterben", so Christ weiter.
Es wäre wünschenswert gewesen, dass der Spiegel richtigerweise in seiner Berichterstattung auf die nach wie vor massive Gefahr, durch Discolärm einen Gehörschaden zu erleiden, hingewiesen hätte. Insbesondere im Hinblick auf die Bemühungen der Berufsgenossenschaften, die im Rahmen ihrer Prävention bemüht sind, Lärmbelastung an den Arbeitsplätzen abzubauen, wäre ein Hinweis auf die Wichtigkeit der stetigen Benutzung von Gehörschutzmitteln nützlich gewesen. Darüber hinaus wäre es sinnvoll gewesen, zu Verhaltensänderungen auch gegenüber Freizeitlärm zu motivieren.




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