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[Die Industrie der Steine + Erden]






Zementindustrie befürchtet "Stilllegungsprämie" für energieintensive Produktionsverfahren

Die nach dem jüngsten Vorschlag der EU-Kommission vorgesehene Einführung eines europaweiten Handels mit Emissionsrechten wird nach Ansicht der deutschen Zementindustrie für energieintensive Industrien einen Anreiz schaffen, ihre Produktion in das außereuropäische Ausland zu verlagern. Vertreter der Zementindustrie verweisen darauf, dass es für die Hersteller lukrativer sein könne, die entsprechenden Emissionsrechte zu verkaufen und den Inlandsbedarf über Importe zu decken. Hiervon wären allein mit Blick auf die Zementherstellung in Deutschland bis zu 50.000 Arbeitsplätze betroffen. Eine C02-Minderung im globalen Maßstab sei mit dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen Modell hingegen nicht zu erzielen.
Die Europäische Kommission kommt in ihrem "Grün-Buch zum Emissionshandel" zu dem Schluss, dass der künftige Marktpreis für jede Tonne C02 zwischen 15 und 75 Euro liegen dürfte. Da bei der Herstellung einer Tonne Zement rund 0,7 Tonnen C02 emittiert werden, entspreche die Wertschöpfung in etwa dem Erlös, der sich aus dem Verkauf der damit verbundenen Emissionsantelle erzielen ließe. In der Konsequenz könnten die Hersteller zumindest den energieintensivsten Teil der Zementherstellung, den Brennprozess, in das außereuropäische Ausland verlagern. Bereits heute ständen weltweit genügend Kapazitäten zur Verfügung, die den hiesigen Markt mit bedienen könnten.
Befürworter von Emissionshandelssystemen verweisen auf die ökonomischen Vorteile, die ein Handel mit Emissionszertifikaten für die Marktteilnehmer mit sich bringt. In der Tat zeigen Erkenntnisse aus dem S02-Handel in den USA, dass es wirtschaftlicher sein kann, Emissionsrechte zu kaufen, als die Emissionen durch technische Maßnahmen zur Abgasreinigung zu reduzieren.
Die Erfahrungen sind nach Ansicht der Zementindustrie jedoch nicht auf die Minderung von C02-Emissionen übertragbar. Einerseits seien keine Minderungstechnologien für dieses Klimagas verfügbar und andererseits seien die C02-Emissionen bei allen thermischen Verfahren um das Tausendfache höher als die S02-Emissionen.



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