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[Die Industrie der Steine + Erden]






Schwerer Zwischenfall

Gefährdungsbeurteilung nicht komplett

In einem Betonfertigteilwerk werden Bewehrungskörbe, die auf Grund ihrer Größe oder ihres Gewichts nicht von Hand transportiert werden können, mit einem Kran von der Herstellung beziehungsweise Anlieferung zur Weiterverarbeitung transportiert. Hierzu ist ein Turmdrehkran ortsfest auf dem Betriebsgelände aufgestellt. Am Unfalltag hatte ein Mitarbeiter den Auftrag, vorgefertigte Bewehrungskörbe mit dem Turmdrehkran zur Weiterverarbeitung zu transportieren. Der Beauftragte ist ein erfahrener Mitarbeiter, der seit 23 Jahren sämtliche Krane im Mitgliedsunternehmen bedient.
Beim letzten zu transportierenden Bewehrungskorb schwenkte er den Turmdrehkran aus Gründen, die nicht mehr nachvollziehbar sind, nicht wie zuvor gegen den Uhrzeigersinn, sondern im Uhrzeigersinn. Hierbei schwenkte der Kran aus dem Betriebsgelände hinaus über
eine parallel verlaufende Straße, die wegen einer Mauer an der Grundstücksgrenze nicht einsehbar ist. Dabei berührten die Anschlagketten eine diagonal über die Straße verlaufende 20-kV-Hochspannungsleitung. Zwei Spannung führende Leitungen rissen ab und stürzten in ein angrenzendes Waldgebiet.
Da der Turmdrehkran auf Funkfernsteuerung umgerüstet worden war, wurde der Kranbediener nicht verletzt. Auch Passanten wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen. Ein durch die herabstürzenden Spannung führenden Leitungen verursachter Waldbrand konnte durch Mitarbeiter des Unternehmens und die herbeigerufene Feuerwehr rasch gelöscht werden.
Das Industriegebiet war durch diesen Unfall mehr als eine Stunde von der Stromversorgung abgeschnitten.

Unfallursachen:
Das Unternehmen führte regelmäßig Unterweisungen durch, dies konnte durch entsprechende Unterlagen belegt werden. In der im Unternehmen vorhandenen Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung ist der betroffene Turmdrehkran nicht erfasst. Nach Aussage der Fachkraft für Arbeitssicherheit wurde er, da er so selten benutzt wird, schlichtweg vergessen.

Maßnahmen:
Nach dem Unfall wurde der Turmdrehkran in seiner Bewegung so begrenzt, dass ein Schwenken der Last aus dem Betriebsgelände heraus nicht mehr möglich ist. Der Kran wurde in die Gefährdungsbeurteilung aufgenommen und es fand eine spezielle Unterweisung aller Kranbediener statt.

Hinweise zur Arbeitssicherheit:
In der Gefährdungsbeurteilung sind alle Einrichtungen, Maschinen und Werkzeuge zu erfassen, auch wenn sie nur gelegentlich benutzt werden. In solchen Fällen empfiehlt es sich, mit der Maschine im Probebetrieb den gesamten Wirkungsbereich abzufahren, um Gefährdungen erkennen zu können. Die Unterweisung der Mitarbeiter muss arbeitsplatzbezogen an allen Arbeitsplätzen durchgeführt werden.

Dipl.-Ing. Jochen Stürtz, StBG


Einsatz der Feuerwehr Kontakt der Anschlagketten mit der Hochspannungsleitung
Einsatz der Feuerwehr Kontakt der Anschlagketten
mit der Hochspannungsleitung




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