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[Die Industrie der Steine + Erden]






Tschüss DM

Wir können uns noch gut an den Rummel des Millennium-Silvesters erinnern und haben doch bereits erneut einen denkwürdigen Jahreswechsel hinter uns gebracht. In der Silvesternacht mussten wir uns nicht nur von dem alten Jahr verabschieden, was bestimmt viele gern taten, sondern auch von unserer DM, was häufig schwerer fiel.
Je nach Gusto sagten wir tschüss, adieu, servus, mach's gut, aber nicht auf Wiedersehen! Der Abschied von unserer Mark ist für immer und für viele recht schmerzlich. Seit über fünfzig Jahren begleitete sie unser Leben in kleineren oder größeren Mengen. Sie war das Zeichen für den Aufschwung der Wirtschaft und trotzte kleinen und großen Krisen. Die DM erfreute nach dem Fall der Mauer nicht nur West, sondern nun auch Ost. Wir hätten gut mit ihr weiter leben können.
Doch Europa rief nach einer einheitlichen Währung und schuf den Euro. Nicht sehr phantasievoll, dieser Kunstname, doch sehr einprägsam. Bei Veränderungen von dieser Bedeutung liegt der Verdacht nahe, dass nicht nur die Währung umgestellt, sondern aus diesem Anlass auch gleich ein wenig aufgerundet wird. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Nun sollten wir aber auch nicht nur über unsere neue Kunstwährung nörgeln. Sie bringt ja auch Vorteile mit sich. Für unsere Urlaubsreisen nach Österreich, Italien und Spanien - zum Beispiel - brauchen wir nicht mehr unsere Urlaubskasse in die jeweilige Fremdwährung zu wechseln. Wir zahlen ja in Euro und ersparen uns das lästige Umrechnen, ob die spanische Lederjacke nun günstig oder nur ein Lockan-gebot ist.
Wie umständlich, und noch dazu gebührenpflichtig, war das Eintauschen anderer Währungen, nur um auf der Durchreise die Mautgebühr zu entrichten. Jetzt werden wir durch den gemeinsamen Euro mit Freude die Straßen- und Tunnelgebühren zahlen.
Nun kann es doch geschehen, dass genau der Euroschein, der uns die Fahrt über den Brenner ins sonnige Italien ermöglichte, über etliche Umwege wieder in meinem Portemonnaie landet. Dann tut uns die Gebühr doch gleich nicht mehr so weh. Und aus dem Urlaub zurückgekehrt, müssen wir uns nicht über die restlichen Münzen in Fremdwährung ärgern, die wir bei aller Mühe nicht mehr ausgeben konnten. Keine Bank nahm sie zurück und so lagen sie herum, bis man wieder einmal in das jeweilige Land fuhr. Alles vorbei, dank des Euros. Kostenpflichtiger Umtausch, vorbei, dank des Euros. Kein umständliches Umrechnen mehr, angesichts fremdländischer Speisenkarten und Souvenirshops, dank des Euros.
Vermutlich werden wir uns bald an unser neues Zahlungsmittel gewöhnen. Irgendwann werden wir den Euro mögen und aufhören, bei jedem Betrag gedanklich in DM zurückzurechnen. Mein Mitgefühl gilt aber insbesondere denjenigen, die im Dezember kurz vor ihrer ersten Million standen und im Januar nur gute Halbmillionäre sind.

Hans-Jürgen Bahr

DM





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