www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 1/02 > Vorbereitung eines neuen Luftgrenzwertes für Quarzstaub

[Die Industrie der Steine + Erden]






   

Vorbereitung eines neuen Luftgrenzwertes für Quarzstaub

Mit der nachfolgenden Ankündigung eines Luftgrenzwertes für Quarzstaub sind insbesondere auch die Mitgliedsunternehmen der Industrie der Steine und Erden aufgefordert, für Arbeitsbereiche und Tätigkeiten Messdaten zu liefern, bei denen schon heute die Einhaltung des aktuellen Grenzwertes und somit auch eines zukünftig abgesenkten Grenzwertes problematisch erscheint.
Es sind nur Daten aktueller Messungen der letzten drei Jahre von Interesse, die den Stand der Technik widerspiegeln und die von den Mitgliedsunternehmen in Eigeninitiative veranlasst wurden. Von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft durchgeführte Messungen werden dort ausgewertet und über den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften an den Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) weitergeleitet.

Als Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMA) wurde im Bundesarbeitsblatt (2001) Nr. 11, S. 112-113 folgende Grenzwertankündigung veröffentlicht:

Ankündigung eines Luftgrenzwertes für Quarz (einschließlich Tridymit und Cristobalit) am Arbeitsplatz
Der Unterausschuss V „Luftgrenzwerte" (UA V) des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) beabsichtigt, für Quarz (alveolengängige Fraktion) einen neuen Luftgrenzwert aufzustellen. Die Neufestsetzung des Grenzwertes ist erforderlich, um durch präventive Maßnahmen eine Quarzstaublungenerkrankung sowie damit verbunden eine Lungenkrebserkrankung [1] zu verhindern. Ferner hat die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der DFG die Einstufung des alveolengängigen Anteils des Quarzstaubes als krebserzeugend in die Kategorie 1 vorgenommen und die Aufhebung des Grenzwertes in der MAK- und BAT-Werte-Liste 1999 bekanntgegeben. Eine Übernahme der Bewertung in die TRGS 905 wird derzeit im Ausschuss für Gefahrstoffe beraten. Bis zur Festlegung eines neuen Luftgrenzwertes ist der in der TRGS 900 genannte Grenzwert für die Arbeitsbereichsanalyse heranzuziehen.
Die Festsetzung des Grenzwertes erfolgt auf der Basis des neuen Grenzwertekonzeptes [2; 3] und wird nach den Ableitungskriterien der TRGS 102 [4] erfolgen, das heißt, die Festlegung des Grenzwertes erfolgt maßgeblich auf der Basis von Arbeitsplatzmessergebnissen, die dem UA V vorgelegt werden.
Alle Unternehmen - insbesondere kleine und mittlere Unternehmen - die mit Quarz Umgang haben, sowie Stellen (beispielsweise Aufsichtsbehörden, Arbeitsschutzinstitutionen, Verbände), die über entsprechende Daten verfügen, werden gebeten, dem UA V des AGS Expositionsmessdaten (Messergebnisse) nach dem Stand der Technik sowie arbeitsmedizinische Erfahrungen mitzuteilen:
Sekretariat des Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Herrn Dr. Martin Henn, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Friedrich-Henkel-Weg 1-25, D-44149 Dortmund.
Hinsichtlich der Definition von nach dem Stand der Technik abgeleiteten Grenzwerten wird auf die TRGS 102 „Technische Richtkonzentrationen für gefährliche Stoffe" verwiesen [4]. Für die Ermittlung des Standes der Technik sind Messergebnisse von besonderer Bedeutung, wobei auch das anzuwendende Messverfahren eine wichtige Rolle spielt.
Zur Messung von Quarz sind geeignete Messverfahren in der Fachliteratur [5; 6] beschrieben. Maßgeblich für die Festlegung des Grenzwertes sind Messergebnisse auf der Basis der beschriebenen oder eines vergleichbaren Verfahrens.
Es ist notwendig, dass zu den eingehenden Messergebnissen ergänzende Informationen zum Arbeitsbereich gegeben werden. Hinsichtlich der Darstellung der Messdaten wird auf die Empfehlung nach [7] verwiesen.
Messergebnisse zu Quarz sollten dem UA V spätestens bis zum 30. August 2002 vorgelegt werden. Alle nach diesem Stichtag eingehenden Ergebnisse können bei der Beratung zur Grenzwertfestsetzung nicht mehr berücksichtigt werden.

Vorkommen von Quarz am Arbeitsplatz
Die Verwendung bzw. das Auftreten von Quarz (einschließlich Cristobalit und Tridymit) betrifft die meisten Industriebereiche. Neben einer Auflistung der im Wesentlichen betroffenen Branchen sind auch die Anwendungen von Quarz dargestellt, um Hinweise auf exponierte Bereiche zu erhalten.

Betroffene Bereiche
Gießereien, Metallerzeugung, Metallbearbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Feinmechanik, Feuerfestindustrie, chemische Industrie, Gewinnung von Steinen und Erden, Steinbearbeitung, Bergbau, keramische Industrie, Glasindustrie, Stollen-, Tunnel-, Schachtbau, Durchpressungen, Bauindustrie, Recyclinganlagen, Landwirtschaft, Reinigungsdienste, Hersteller von Quarz- und Cristobalitprodukten.

Verwendung von Quarz
  • Glasindustrie (Glasschmelzsande): (...)
  • Gießereiindustrie (Gießereisande):

    Quarzsande als Formgrundstoff für die Gießereiindustrie.

  • Chemische Industrie: (...)
  • Email- und keramische Industrie: (...)
  • Füllstoff: Quarzmehl und -sand als Füllstoff für Gießharze, Press- und Gießmassen, Gummi, Porzellan, Dispersionsfarben, Papier/Pappen, Kalksandstein, Porenbeton, Betonfertigteile und Zementschlämme für Tiefbohrungen; gefärbte Quarzkörnungen als Zuschlagstoff für Dekorputze, als Füllstoff für die Oberflächengestaltung von Gießharz-Formteilen und zur Dekoration.
  • Filtersand, -kies: Filter aus Quarzsand zur Filterung von Gebrauchswässern, getrübten und chemischen Lösungen (z. B. Filterstufen in Anlagen zur Enteisenung, -manganung und -karbonatisierung).
  • Elektrotechnik (Schwingquarz): (...)
  • Natursteinindustrie: Gewinnung möglichst reiner Quarzfraktionen aus Locker- und Festgesteinen zur weiteren Verwertung; Einsatz von Kiesen u. a. im Straßen- und Wegebau, von Tonen z. B. in der keramischen Industrie und von Festgesteinen in der Baustoffindustrie (Schotter, Splitte, Edelsplitte, Brechsande, Gesteinsmehle, Naturwerksteine zur Herstellung von Fassadenverkleidungen, Pflaster- und Grabsteinen).
  • Schmucksteinverarbeitung: (...)
  • Schleif-, Polier-, Abrasivmittel: Nur noch eingeschränkter Einsatz von Quarzmehlen als Schleifmittel, z. B. in Trommeln oder zum Nassbimsen; Rohstoff zur Herstellung von Siliciumcarbid; Verwendung von Quarzmehlen in Scheuer- und Reinigungsmitteln (flüssig und pastös).
  • Strahlmittel: Heute weitgehende Verwendungsverbote für silikogene Strahlmittel, aber Ausnahmen nach BGV D 26 („Strahlarbeiten", bisher: VBG 48). Weiterhin kann Quarz beim Bearbeiten von quarzhaltigen Materialien (z. B. Beton) freigesetzt werden.
  • Weitere Anwendungen: Quarzsande als Inertmaterial für zirkulierende Wirbelschichtanlagen, Vogelsand, Dachpappenabstreuung, Füllsand für elektrische Sicherungen, in Handwaschpasten, beim Golfplatzbau, als Bremssand (z. B. in Lokomotiven) und als Spielsand für Sandkästen.


Verwendung von Cristobalit
Synthetische Cristobalitsande und daraus gewonnenes Mehl als Rohstoffe für keramische Fliesenmassen, als Füllstoffe in Straßenmarkierungsfarben bzw. -massen und Fassadenfarben, in Beschichtungen und Kunststoffputzen, in Silikonkautschuk-Modellabdruckmassen, Kunstharzlacken, Klebstoffen und Gießharzen, in Abrasivstoffen (Scheuer- und Reinigungsmittel auf flüssiger oder pastöser Grundlage), zur Herstellung von Vogelsand, als Zusatz zu hellen Baustoffen und zur Herstellung von Wasserglas.
Einsatz von Mischungen aus Cristobalit und Quarz bzw. Quarzgut in Einbettmassen (Dental-, Schmuck- und anderer Präzisionsguss). Cristobalit kann zudem bei der thermischen Belastung von amorphen Si02-Materialien (z. B. Kieselgur, Quarzglas, Quarzglasfasern) entstehen.
Tridymit hat in der industriellen Verwendung keine Bedeutung.

Auftreten von Quarz: Quarzanteile in Böden, die landwirtschaftlich genutzt werden, in mineralischen Rohstoffen (z. B. Ton, Schiefer, Kieselgur, Talkum), in Stäuben des Bergbaus und im Staub, der sich auf Straßen bzw. versiegelten Flächen in Städten sammelt (Aufwirbelung durch Straßenverkehr und Straßenreinigung, z. B. Kehrsaugmaschinen). Zusammen mit Cristobalit und Tridymit bei der Herstellung von Silikasteinen (Martinöfen), Koksofensteinen und beim Ofenbau bzw. -abriss; Cristobalit und Tridymit als Entglasungsprodukt von Quarzgläsern. Quarz und Cristobalit in Filtermaterialien wie Kieselgur.

Literatur:

[1] Bekanntmachung des BMA vom 1. August 2001: Wissenschaftliche Begründung für die Berufskrankheit „Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliciumdioxid (Si02) bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose)". BArbBl. (2001) Nr. 9, S. 37-59.

[2] Pflaumbaum, W.: Gefahrstoffe: Grenzwerte. ESV-Arbeitstransparente zur Arbeitssicherheit.
Bielefeld: Erich Schmidt 2000.

[3] Luftgrenzwerte für Gefahrstoffe am Arbeitsplatz (Kennzahl 1404). In: BIA-Arbeitsmappe, Messung von Gefahrstoffen. 23. Lfg. X/99. Hrsg.: Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitssicherheit - BIA. Bielefeld: Erich Schmidt 1989 - Losebl.-Ausg.

[4] Technische Regeln für Gefahrstoffe: Technische Richtkonzentrationen (TRK) für gefährliche Stoffe (TRGS 102). BArbBl. (1993) Nr. 9, S. 65-70, zuletzt geändert BArbBl. (1997) Nr. 4, S. 57.

[5] Analytische Methoden zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe. Band 1: Luftanalysen.
Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Weinheim - WILEY-VCH 1976 - Losebl.-Ausg.

[6] Messverfahren für Gefahrstoffe (Analysenverfahren): Quarz (Kennzahl 8522), In: BIA-Arbeitsmappe, Messung von Gefahrstoffen. 14. Lfg. 11/95. Hrsg.: Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitssicherheit (BIA). Bielefeld: Erich Schmidt 1989 - Losebl.-Ausg.

[7] Alker, M.; Gielen, H.-G.; Sonnenschein, G.; Pflaumbaum, W.: Luftgrenzwerte - Aufbereitung von Arbeitsplatzdaten, BArbBl. (2000) Nr. 1, S. 14-16 oder im Internet unter www.hvbg.de/bia (Rubrik Fachinformationen).


Neue BG-Regel „Umgang mit mineralischem Staub" (BGR 217)
Seit Januar 2002 ist diese Regel bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft verfügbar. Sie ist gedacht als praxisorientierte Erläuterung der Umgangsbestimmungen der Gefahrstoffverordnung für den Bereich mineralischer Stäube mit oder ohne stoffspezifischem Grenzwert vor dem Hintergrund der Bestimmungen des § 1 der BG-Vorschrift „Umgang mit Gefahrstoffen" (BGV B1).
Sie findet u. a. Anwendung in der Baustoffindustrie, d. h. im gesamten
Bereich der Industrie der Steine und Erden, der Bauindustrie (Hoch- und Tiefbau, Nebengewerke), der keramischen und Glasindustrie. Das Regelwerk kann durch Branchenregelungen weiter ergänzt werden.
Eine Vorschau auf diese Regel wurde bereits im Heft 4/2001 dieser Fachzeitschrift gegeben. Weitere Erläuterungen hierzu sind für eines der nächsten Hefte geplant.

Dipl.-Ing. Kurt Kolmsee, StBG
Dipl.-Chem (Univ.) Dr. rer. nat. Hansmartin Reimann, StBG





Inhaltsverzeichnis Ausgabe 1/02 | Zurück zu unserer Homepage