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[Die Industrie der Steine + Erden]






1.Baustoffkolloquium in Freiberg

An der Technischen Universität Bergakademie Freiberg finden seit 1973 im zweijährigen Rhythmus Fachtagungen zur Thematik „Rationalisierung der Gewinnung in der Baumaterialien- und Silikatindustrie“ statt. Diese erfahren seit 1990 ihre Fortführung im Freiberger Steine und Erden-Kolloquium. Unter dem Leitthema „Zukunft aus Tradition“ wurde am 19. und 20. Oktober 2000 das 14. Freiberger Steine und Erden-Kolloquium erstmals als Baustoffkolloquium mit der nunmehr geschlossenen Themenkette Abbauen-Verarbeiten-Einsetzen-Recyceln von Baurohstoffen durchgeführt.
Das 1. Baustoffkolloquium wurde von der Bauhaus Universität Weimar, dem Industrieverband Steine und Erden, Transportbeton, Mörtel und Asphalt Thüringen und Sachsen-Anhalt e.V., dem Steine- und Erden-Industrieverband Sachsen e.V. und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg organisiert.

Diese Fachtagung mit Vorträgen zu den Themengruppen
  • Grundsätzliche Rahmenbedingungen im Steine und Erden-Bergbau,
  • Aspekte von Genehmigungsfähigkeit und -verfahren,
  • Optimierung von Gewinnungstechnologien und des Betriebsmitteleinsatzes sowie
  • Diskussion spezieller Fragen und Probleme von Zuschlag- und Baustoffen,


richtete sich insbesondere an die Vertreter von Wissenschaft, Steine und Erden-Industrie, Maschinenbau, Zulieferer, Behörden und Ingenieurbüros.

Prof. Drebenstedt (TU Bergakademie Freiberg) unterstrich in seinem Grundsatzreferat, dass im nationalen und internationalen Maßstab der Baurohstoffverbrauch gegenüber dem Energierohstoffverbrauch auch weiterhin dominieren wird.
Im Hinblick auf die Bedarfsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland konstatiert Rechtsanwalt Braus (Industrieverbände Duisburg) einen derzeitigen jährlichen Verbrauch an Kies und Sand von 400 Millionen Tonnen, an Recycling-Baustoffen von 50 Millionen Tonnen, an Mörtel von 9,5 Millionen m3 und an Transportbeton von 60 Millionen m3. Dr. Hahn (Bundesverband Naturstein-Industrie) berichtete, dass in rund 700 Werken bundesweit insgesamt ca. 210 Millionen Tonnen Festgestein gewonnen werden. Für die Abschätzung des Bedarfes an Naturbaustoffen in naher Zukunft wurde das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vom Bundesverband Baustoffe, Steine und Erden beauftragt, ein „Gutachten über den künftigen Bedarf an mineralischen Rohstoffen unter Berücksichtigung des Einsatzes von Recyclingbaustoffen“ zu erstellen. Das DIW kommt zu dem Schluss, dass unter Berücksichtigung der Entwicklungen in der Baubranche der Bedarf an Naturstein-Baustoffen im Jahr 2005 auf ca. 211 Millionen Tonnen und im Jahr 2010 auf ca. 230 Millionen Tonnen steigen wird. Unter Berücksichtigung eines jährlichen Importes von circa fünf Millionen Tonnen entspricht diese Entwicklung einer jährlichen Steigerungsrate von durchschnittlich einem Prozent in den kommenden zehn Jahren.
Der Themenkomplex Optimierung von Gewinnungstechnologien und Betriebsmittel-Einsatz wurde mit Vorträgen von Dr.-Ing. Köbke (Ingenieurbüro Dr.-Ing. Patzold) und Dipl.-Ing. Breier (SST Ingenieurgesellschaft mbH) fortgeführt.
Dr. Köbke stellte das Planungssystem ALOG vor, das in Abhängigkeit von lagerstättenrundlichen, genehmigungsrechtlichen und betriebsbedingten Parametern technisch-wirtschaftliche Aussagen über Gewinnung und Förderung von Lockergestein trifft. Dipl.-Ing. Breier verdeutlichte an Beispielen die Wichtigkeit und die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen einer immer wieder, insbesondere zum Zeitpunkt von Betriebsumstrukturierungen vorzunehmende Optimierung des Betriebsmitteleinsatzes unter Berücksichtigung der miteinander „verzahnten“ Gerätekette.
Dr. Müller (Goetechnisches Sachverständigenbüro Dr. Müller) stellte neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur „Anpassung von Großbohrlochsprengungen an die jeweiligen Lagerstättenbedingungen und Minimierung von Sprengerschütterungen durch Anwendung moderner Sprengtechnik“ vor. Hierzu zählt eine aus der Praxis abgeleitete und wissenschaftlich begründete Beziehung zur Ermittlung der Sprengwirkung. Die Entwicklung eines hochauflösenden Sensors zur Messung von Dehnungen statt der Schwinggeschwindigkeiten bei dynamischer Einwirkung durch die Sprengung erlaubt künftig eine reale Einschätzung der tatsächlich erzeugten Spannungen in Gebäuden. Mit der Dehnungsmessung sind eine Reihe bisher wenig bekannter Zusammenhänge der Bohr-, Spreng- und Zündtechnik besser zu deuten und eröffnen weitere Möglichkeiten zur Erhöhung der Sicherheit sowie Verbesserung des Sprengergebnisses.
Prof. Schlegel (TU Bergakademie Freiberg) beschrieb im Vortrag „Möglichkeiten der Nutzung von Abfall- und Recyclingmaterial zur Herstellung von Baustoffen“ Beispiele aus der Baustoffindustrie für die Verwertung von Abfällen. Dies betraf in der Vergangenheit den REA-Gips, den Silicastaub, die Braunkohlenflugasche, Gesteinsstäube und Bauschutt. Dargelegte Verwendungsvorschläge sollen Anregungen zur Nutzung von Abfall- und Recyclingmaterial vermitteln.
Neben interessanten Fachvorträgen bot das 1. Baustoffkolloquium den rund 200 Teilnehmern vielfältige Möglichkeiten für einen regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Bei positiver Resonanz ist geplant, das Kolloquium 2001 in Weimar durchzuführen.

Dr.-Ing. Bernd Schneider, StBG, Sektion VI, Tel. 03 51/2 54 72-24, Fax -92

14. Freiberger Baustoffkolloqium





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