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[Die Industrie der Steine + Erden]






Ausstellung: Industrie und Natur im Murnauer Moos

Ende des Jahres 2000 wurde der Gesteinsabbau im Hartsteinwerk Werdenfels, lange Zeit größtes Werk seiner Art in Bayern, nach mehr als 70 Jahren eingestellt. Anlass genug für eine Sonderausstellung im Schlossmuseum Murnau, nicht nur die wechselhafte Geschichte des Steinbruchbetriebs am Langen Köchel zu dokumentieren, sondern auch die Auseinandersetzungen mit dem Naturschutz darzulegen, die zur Einstellung des Abbaus führten.

Ausstellung: Industrie und Natur im Murnauer Moos




Köchel im Murnauer Moos

Mitten im Naturschutzgebiet Murnauer Moos erheben sich Gesteinskögel („Köchel“), die in der Kreidezeit vor 100 bis 200 Millionen Jahren entstanden sind und aus extrem hartem Gestein, dem Glaukoquarzit, bestehen. Die Qualität und das äußerst seltene Vorkommen des Glaukoquarzits in Bayern, der sich bei Untersuchungen im Jahr 1926 als für den Tiefbau geeignet herausstellte, führten zur Gründung zweier Steinbrüche im Murnauer Moos. Am Moosberg begann der Bezirk Weilheim bereits im selben Jahr mit dem Abbau. Das Hartsteinwerk Werdenfels (HWW) nahm 1930 am Langen Köchel den Betrieb auf.



Geschichte des Gesteinsabbaus

Das Hartsteinwerk Werdenfels wies bereits in den Anfangsjahren einen hohen technischen Standard auf. Die Fülle des Glaukoquarzitvorkommens und vor allem die konkurrenzlose Lage sicherten dem Betrieb Straßen- und Flußbauämter, Kommunen und Baufirmen als Auftraggeber. Vor allem die damalige Reichsbahn war Großkunde dieses leistungsfähigen Lieferwerks für den Schotterbedarf. Ein Besitzerwechsel ermöglichte im Jahr 1947 die ersehnte Neufinanzierung und ließ das Werk seine Stellung in der Hartsteinindustrie ausbauen. Das Wohlergehen der Belegschaft im Blick, errichtete HWW in den 1950er Jahren nicht nur eine neue Kantine am Steinbruch, in der ledigen und ausländischen Arbeitern Übernachtungsmöglichkeiten geboten wurden, sondern auch eine Wohnsiedlung für verheiratete und kinderreiche Werksangehörige.
In den 1950er Jahren war es das größte und modernste Werk seiner Art. In den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich im HWW eine eigenständige, reiche Betriebskultur, zu der auch eine moderne Firmenleitung Vieles beitrug. Technisch geriet das Werk jedoch in Rückstand – bis 1981 fuhren z. B. Lkw’s aus den 1950er und 1960er Jahren, auch Seilbagger aus dieser Zeit taten noch ihren Dienst. 1981 wurde das Werk von dem Essener Baukonzern Hochtief übernommen. Mit Umbauten und erneuerter Technik wurde das Werk modernisiert und trotz seiner Lage im Murnauer Moos und der andauernden Auseinandersetzungen mit dem Naturschutz um ein neues Abbaugelände profitabel geführt. 1994 verlor das Werk das entscheidende Verwaltungsgerichtsverfahren und stellte nun Ende des Jahres 2000 den Betrieb ein.



Die Ausstellung

Anhand von Arbeitsgeräten, historischen Fotos und Dokumenten bietet die Ausstellung einen vielseitigen und abwechslungsreichen Blick auf eine Unternehmensgeschichte, die immer auch Spiegel der Zeitgeschichte war. Die düsteren Kapitel des NS-Regimes mit der Verpflichtung von Zwangsarbeitern kommen ebenso zur Sprache wie die oftmals unkonventionellen Methoden der Firmenleitung, das Werk und seine Belegschaft unbeschadet durch die Nachkriegsjahre zu führen.
Ein reich bebilderter Katalog enthält eine umfassende Dokumentation über Firmengeschichte und Produktion und gibt mit vielen historischen Aufnahmen einen anschaulichen Einblick in den Arbeitsalltag des Hartsteinwerkes.

Informationen erhalten Sie beim Schlossmuseum des Marktes Murnau, Frau Brigitte Salmen, Schlosshof 4-5, 82418 Murnau a. Staffelsee, Tel. 08841/476-201, Fax -277, E-Mail: schlossmuseum@murnau.de.

„Sicherheitsvorkehrungen“ im Steinbruch anno dazumal... (Fotos: Schlossmuseum Murnau)

Gesteinsabbau im Hartsteinwerk Werdenfels in den 20er Jahren



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