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[Die Industrie der Steine + Erden]






Entstaubungstechnik – mobil und stationär

Bei der Gewinnung, Aufbereitung und Bearbeitung von Naturstein entstehen mineralische Stäube. Allzu häufig in großen Mengen und nicht selten gesundheitsschädlich. Eine große Staubentwicklung belastet auch die Umwelt und führt in der Regel zu erheblichen Nachbarschaftsproblemen. Darüber hinaus hat eine starke Staubbildung auch einen erhöhten Verschleiß an den bei der Baustoffproduktion eingesetzten Maschinen und Anlagen zur Folge. Drei wichtige Gründe also, um sich intensiv mit einer effektiven und wirtschaftlichen Entstaubung zu beschäftigen. Von der Industrie werden eine Reihe von Entstaubungsverfahren angeboten, deren Wirkprinzipien sich voneinander unterscheiden und sich doch je nach Einsatzgebiet gut ergänzen. Nachfolgend stellen wir neue Entwicklungen im Bereich mobiler und stationärer Entstaubungsanlagen vor.




Neues Siloaufsatzfilter mit konischen Filterelementen

Entstaubung einer Asphaltmischanlage mit Recycling-Paralleltrommel (Foto: BMD-Garant GmbH) Bei der Befüllung von Silos und Behältern mit Schüttgütern muss die Verdrängungsluft möglichst ungehindert nach außen entweichen können. Je nach Schüttgut ist diese mehr oder weniger stark mit Staubpartikeln verunreinigt. Diese teilweise sehr feinen, lungengängigen Stäube sind belastend für Mensch und Umwelt und müssen zurückgehalten werden. Dies geschieht häufig mit einem Siloaufsatzfilter, da hiermit die besten Abscheidegrade, gerade bei veränderlichen Volumenströmen, erreicht werden. Da diese Filter kompakt, wartungsfreundlich und kostengünstig sein sollen, bietet sich der Einsatz von sterngefalteten Filterelementen, sogenannten Patronenfiltern, an. Eine gute Leistungsdichte erreichen die von Mahle Filtersysteme GmbH neuentwickelten Siloaufsatzfilter SFK-30. Eine effiziente Entstaubungsleistung wird durch den Einsatz eines neuen Elementtyps erreicht. Konische Filterpatronen bieten nach Angaben des Herstellers einige Vorteile im Vergleich zu zylindrischen Filterelementen:

  • effektive Abreinigung,
  • verbesserte Staubsedimentation,
  • geringere Strömungswiderstände.

Die effektivere Abreinigung ergibt sich durch die konische Gestaltung des Elementinnenraums. Das deutlich verringerte Reingasvolumen ermöglicht eine bessere Umsetzung des Abreinigungsimpulses. Ein zusätzlicher Verdrängungskörper ist nicht erforderlich. Eine verbesserte Staubsedimentation wird durch eine Verringerung der Aufströmgeschwindigkeit im Elementzwischenraum erzielt. Dadurch können vor allem die Feinstanteile besser ausgetragen werden. An die Strömungsverhältnisse angepasste Elementquerschnitte ermöglichen verringerte Druckverluste im Roh- und im Reingasraum. Vor allem bei höheren Filterflächenbelastungen kommt dieser Effekt zum Tragen. Kombiniert mit dem stabilen und wartungsfreundlichen Filtergehäuse ergeben diese Eigenschaften ein hochbelastbares und doch energiesparendes Siloaufsatzfilter.
Um die Entsorungskosten auf ein Minimum zu reduzieren, werden außerdem Filterelemente mit wiederverwendbarer Innenzarge eingesetzt. Die hier gewählte Kombination stellt eine optimierte Lösung für viele praktische Anwendungsfälle dar.



Entstaubungsfilter von Bissinger

Siloaufsatzfilter SFK-30 (Foto: Mahle Filtersysteme GmbH) Die Bissinger GmbH, Zaberfeld, bekannter Hersteller von Siloanlagentechnik, hat mit der Entwicklung neuer Entstaubungsfiltertypen die Erweiterung und Modernisierung ihrer Produktpalette fortgesetzt. Neben den bekannten Filter-Baureihen Bissli, B92 und der „Light-Version“ F96 – Siloaufsatzfilter mit Filterflächen von 15 bis 250 m2 –, wurden nun weitere drei Baureihen auf den Markt gebracht.

Alle Filterbaureihen eignen sich zur Anwendung in den Bereichen Baustoffe, Lebensmittel, Kunststoffe, Kraftwerke und Chemie. Für spezielle Anwendungen sind die unterschiedlichsten Filtermaterialien lieferbar. Alle Filter sind druckluftabgereinigt. Filtersteuerungen und Absaug-Ventilatoren sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich.

Die Baureihe F 92 mit Filterflächen von 3 bis 30 m2 eignet sich zur Entstaubung von kleineren pneumatischen Förderanlagen. Die Version mit Ventilator eignet sich zur Absaugung für alle Entstaubungsprozesse. Produktberührende Teile sind standardmäßig aus Edelstahl, die Wetterschutzhaube ist aus witterungs- und UV-beständigem, glasfaserverstärktem Kunststoff. Mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug kann das Filter dank einer neuen Mechanik durch Heben und Schwenken des Deckels geöffnet werden. Zur Kontrolle der Filtereinsätze genügen wenige Minuten. Der bisher oft erforderliche Ausbau der Abreinigung ist nicht mehr nötig.
Ein weiteres neues Filter, der „Bissli 2000“ wurde speziell für die Entstaubung von Schüttgutströmen, z. B. in Verladeeinrichtungen und Mischern, entwickelt. Mit Filterflächen von 9 bis 18 m2 können Absaugleistungen bis zu 1800 m2/h erzielt werden. Der Ventilator ist auf einer mitgelieferten Konsole direkt am Filtergehäuse befestigt. Das Edelstahlgehäuse ist bei diesem Typ ebenfalls mit einer stabilen GFK-Wetterschutzhaube abgedeckt. Die äußerst leichte Haube kann zur Wartung leicht abgenommen werden, die Abreinigungseinheit wird einfach nach oben weggeschwenkt. Filterfläche und Ventilatorausführung werden für jeden Anwendungsfall speziell aufeinander abgestimmt, so dass bei optimaler Absaugleistung der Staub in den Produktstrom zurückgegeben werden kann.
Für Anwendungen in explosionsgefährdeten Bereichen wurde die bis zu 10 bar druckstoßfeste Siloaufsatzfilter-Baureihe F 96 D mit Filterflächen von 9 bis 30 m2 entwickelt. Antistatische Filtermaterialien mit eingewebten Kohlefasern oder Aluminiumbeschichtung sind für alle denkbaren Schüttgüter lieferbar. Auch bei diesem Filter wurde auf Wartungsfreundlichkeit großer Wert gelegt. Im Explosionsfall sind zur Wiederaufnahme des Betriebes nur die Filtereinsätze und die Filteraufnahmeplatte auszutauschen. Die anderen Bauteile nehmen nach Angaben des Herstellers keinen Schaden. Außer Filtern bietet das Unternehmen komplette Planung und Lieferung von Silo-, Förder- und Verladeanlagen. Silos, Stahlbau und Filter sind aus eigener Inlandsfertigung.



Arbeitsschutzkabine CTP/V

Konisches Filterelement mit wiederverwendbarer Innenzarge (Foto: Mahle Filtersysteme GmbH) Als neue Dimension in der Staubabsaugung darf die von Firma König, Karlsruhe, entwickelte Arbeitsschutzkabine CTP/V angesehen werden. Für die Entwicklung dieser Steinmetzarbeitsschutzkabine waren u. a. folgende Kriterien ausschlaggebend:
Bei allen von Steinmetzen eingesetzten Arbeitsverfahren durften die gesetzlichen Staubgrenzwerte nicht überschritten werden. Darüber hinaus wurde Wert darauf gelegt, dass die Kabine die Arbeitsabläufe nicht behindert und die Entstaubung zwangsläufig wirkt.
Entstanden ist dabei eine Arbeitsschutzkabine, bei der die Frischluft aus dem Freien angesaugt und ggf. auf die in der Kabine individuell eingestellte Raumtemperatur durch einen vorgeschalteten Lufterhitzer erwärmt und vollflächig auf den Deckenfilter in die Kabine geführt wird. Die absolut gleichmäßig verteilte Frischluft strömt senkrecht von oben nach unten. Die Luft nimmt auf ihrem Weg den Staub aus der Arbeitszone zugluftfrei mit nach unten. Von dort wird sie über den ganzflächigen Gitterrostboden zum Abluftaggregat und den großflächig ausgebildeten Lamellenfiltereinheiten geleitet. Zu- und Abluft sind mengengleich aufeinander abgestimmt. In Verbindung mit dem gesamten System ist eine optimale Absaugung aller gesundheitsgefährdenden und lästigen Gesteinsstäube in Sicht- und Atembereich gewährleistet. Gröbere Material- und Staubteile fallen in das unterhalb des Gitterrostbodens befindliche Becken. Der schwebende Feinstaub wird über nachgeschaltete Filtersysteme abgefiltert und die Reinluft ins Freie geleitet. Die integrierte Abrütteleinrichtung reinigt vollautomatisch nach Abschalten der Arbeitskabine die Feinstaubtaschenfilter. Der abgerüttelte Staub wird über zwei Staubsammelschubladen entsorgt. Eine Sicherheitseinrichtung mit akustischem Signalgeber warnt den Betreiber, wenn die Filterbeaufschlagung durch zu lange Arbeitsintervalle mit extremem Staubanfall oder Filterverschluss zu hoch ist. Nach Wärmeempfinden und Behaglichkeitsgefühl stellt der in der Kabine Beschäftigte unabhängig von der Umgebungstemperatur bzw. Außentemperatur die innerhalb der Arbeitskabine von ihm gewünschte Temperatur in 1°-C-Schritten ein. Die Erwärmung der über den Lufterhitzer geleiteten Frischluft kann mittels Gas- oder Ölbrenner erfolgen. Auch bei extrem niedriger Außentemperatur, beispielsweise -7° C, wird in der Arbeitskabine noch eine Temperatur von über 20° C erreicht.
Die effektive Stauberfassung und Absaugung ohne Veränderung der Arbeitsgewohnheiten wurde durch eine Reihe von Messungen bestätigt. Auch wurde in der Zwischenzeit ein Prüfverfahren zur Erlangung des GS-Zeichens erfolgreich abgeschlossen. Bei den im Rahmen des Prüfverfahrens durchgeführten Staubmessungen wurden
Messwerte erzielt, bei denen der MAK-Wert deutlich unterschritten wurde.
Die Steinmetzarbeitsschutzkabine von König ist damit eine praxisnahe Lösung für Klein- und Mittelbetriebe wie auch für den industriellen Anspruch oder die Ausstattung von Ausbildungscentren des Steinmetz- und Bildhauerhandwerkes. Beginnend bei geräumigen Einplatzarbeitskabinen sind sie in der Anzahl der Arbeitsplätze nach oben offen und immer so konzipierbar, wie es der individuelle Anspruch des einzelnen Betriebes erforderlich macht.



„Abstauber“ aus Italien

Absaugbank mit Reiniger, Modell Agua (Foto: Ghines s.r.l.) Eine breite Palette von Ansaug- und Entstaubungsanlagen hat die italienische Firma Ghines, Rimini, in ihrem Produktsortiment. Dazu gehören:
  • Aura: Absaugbank mit Filterreiniger,
  • Agua: Absaugbank mit Wasserreiniger,
  • Idrodos: Absaugwand mit Wasserreiniger.


Aura
Die Absaugbank Aura ist mit einer unabhängigen Reinigungsanlage zur Bindung des angesaugten Staubes versehen. Die regelmäßige Reinigung des regenierbaren Filters erfolgt durch ein vollautomatisches Waschsystem. Es gewährleistet eine gleichbleibende, zuverlässige Absaugwirkung. Die saubere Luft wird durch einen geräuschgedämpften Abzugskamin abgeleitet.

Agua
Der Reiniger der Absaugbank Agua hat keine Filter. Die Staubbindung erfolgt ohne Einsatz von mechanisch beweglichen Teilen. Das angesaugte Luftstaubgemisch setzt Wasser in einer verzinkten Wanne in Bewegung. Das sich umschlagende Wasser bindet so den Staub ohne Hilfe von Pumpen. Damit ist diese nach dem Wasserreinigungsprinzip arbeitende Absaugbank vollkommen wartungsfrei. Die Arbeitsfläche ist mit Gasfedern versehen, die das Öffnen erleichtern. Ein Elektroventil lässt das Wasser beim Einschalten automatisch einlaufen. Ein Überlaufventil kontrolliert die Wassermenge im Inneren der Bank. Die maschinelle Ausstattung jeder Bank ist dank Innenisolierung völlig geräuschgedämpft. Eine Auflagemöglichkeit aus Holz kann an beiden Seiten der Bank montiert werden. Die seitliche Werkstückhalterung ist höhenverstellbar und lässt sich in verschiedenen Abständen am Maschinenrahmen positionieren. Aura und Augua verfügen über eine Netzsteckdose, über die elektrische Handmaschinen betrieben werden können.

Idrodos
Absaug-Wand mit  Wasserreiniger, Modell Idrodos (Foto: Ghines s.r.l.) Gegenüber traditionellen Staubbindungssystemen bietet Idrodos eine Reihe von Vorteilen: Der starke Elektromotor (7,5 kW) garantiert eine Saugleistung von ca. 13.400 m3/h. Zwei mit Ausgleichsfedern und verstellbaren Positionsbremsen versehene Stauberfassungsrüssel (Wahlzubehöhr), haben einen Wirkungskreis von je drei Metern. Der Staubniederschlag erfolgt mit Tropfenabscheidern und bedarf nach Angaben des Herstellers keinerlei Wartung. Durch die Strömung der angesaugten Luft und einer besonderen Labyrinthstruktur wird der Staub in einer verzinkten Auffangwanne niedergeschlagen.
Bei der Konzeption individueller Absauganlagen sind z. B. die Raumanordnung, die Art und Menge des anfallenden Staubes sowie das Vorhandensein von Hindernissen in der Halle, die eine optimale Staubkanalisierung beeinträchtigen könnten, zu prüfen. Mittels EDV kann Ghines mehrere Lösungsvorschläge aufzeigen, die dem Kunden einen Eindruck von den Anlagen vermitteln und die bis zur Umsetzung planerisch immer wieder verändert werden können.
Schließlich verfügt Ghines über eine CD-ROM, auf der die gesamte Produktpalette präsentiert und leicht verständlich erläutert wird.



Ermator-Absaugsysteme

Ermator-Absaugsystem  T 55 (Foto: Ermator) Die Firma Seelbach Werkzeuge GmbH, Elsoff, ist der Repräsentant für Ermator in Deutschland. Ermator wurde 1976 gegründet und hat sich darauf spezialisiert, mobile Entstaubungsanlagen insbesondere für die Bau-Industrie zu entwickeln. Heute verfügt das Unternehmen über eine breite Palette von mobilen ein- und zweiphasigen Entstaubungsanlagen sowie über Vorabscheider und Luftreinigungsanlagen. Die mobilen Staubabscheider der Baureihe T (dreiphasig) und S (zweiphasig) scheiden die Staubpartikel in drei Schritten ab. In einem Zyklon wird grobes Material abgeschieden, bevor der nachgeschaltete Filter belastet wird. Das Großfilterpaket besteht aus waschbaren, verschleißfesten Textilfilterstrümpfen, wodurch eine lange Lebensdauer gewährleistet ist. Der Absolutfilter scheidet die kleinen gesundheitsschädlichen Partikel ab. Der Absolutfilter hat nach Angaben von Ermator danach einen Abscheidegrad von 99,996 % bei einer Partikelgröße von 0,3 µ.
Beide Maschinentypen können mit einem sogenannten Autostart ausgerüstet werden. Dabei wird die Entstaubungsanlage automatisch über ein angeschlossenes Werkzeug, z. B. eine Schleifmaschine, gestartet oder gestoppt. Darüber hinaus sind beide Anlagen mit dem sogenannten Longopack-Sackschlauchsystem ausgerüstet. Dies besteht aus einem 20 m gefalteten Kunststoffschlauch, der 20 bis 25 staubfreie Sackwechsel zulässt.



Motorschutz durch Top-Air-Luftfiltervorabscheider

Top-Air Luftfiltervorabscheider (Foto: Top-Air Europe) Der Top-Air ist ein Luftfiltervorabscheider zur Vorreinigung der vom Motor benötigten Ansaugluft. Dabei wird die verunreinigte Ansaugluft durch Leitbleche im Luftfilterabscheider in Rotation gezwungen. Der innenliegende verschleißarme Rotor aus Edelstahl schleudert die mitgeführten Staubpartikel durch Zentrifugalkräfte aus einer seitlich angeordneten Öffnung nach außen. Dies bewirkt eine Reinigung der Ansaugluft von circa 98 %. Durch die Umlenkung der Luft wird auch die Ausscheidung von Regentropfen ermöglicht.
Der stabile kompakte Aufbau garantiert nach Angaben des Herstellers eine lange Lebensdauer. Durch die robuste Ausführung ist er für den Einsatz auch in stark abrasiven Medien geeignet. Die Haube besteht aus poliertem Auluminium. Der innenliegende, staubdicht gelagerte Rotor besteht aus rostfreiem Edelstahl und ist Metall in Metall gelagert. Diese stabile Konstruktion ermöglicht eine Garantiezeit von zwei Jahren auf die Lagerung sowie sechs Jahre auf den restlichen Korpus. Die dadurch gereinigte Luft verlängert in Verbindung mit dem serienmäßigen Motorluftfilter die Lebensdauer der Motoren. Gleichzeitig verlängert sich auch die Standzeit der Luftfilterpatrone um den Faktor 4 –10. Der Top-Air Vorabscheider ist in zwölf Größen für die unterschiedlichsten Luftmengen ab 0,2 m3 – 56 m3/min verfügbar.




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