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Quarz - Silikose - Lungenkrebs?

Das Präventionssystem der StBG im Kampf gegen die Silikose zeigt Erfolge

Die Berufskrankheit Silikose hat lange Zeit den ersten Platz der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG)-Rangliste bei den neuen Berufskrankheitenrenten eingenommen. Daher liegen umfangreiche Erfahrungen über den Zusammenhang zwischen Quarzfeinstaubexposition und dem Auftreten der Berufskrankheit Silikose oder Siliko-Tuberkulose vor. Dieser Artikel fasst das umfangreiche Datenmaterial zusammen, um positive Entwicklungen aufzuzeigen, einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Notwendigkeit verschärfter Grenzwerte zu leisten oder auch bei der Klärung der Frage mitzuwirken, ob Quarzfeinstaubexpositionen zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führen.

Die wissenschaftlichen Expertengremien und Beraterkreise in der Bundesrepublik Deutschland führen zur Zeit eine intensive Diskussion um die gesundheitlichen Wirkungen von lungengängigen Quarzfeinstäuben, die nicht zuletzt durch eine Entscheidung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) neu entfacht wurde. Die IARC kam im Oktober 1996 im Rahmen einer Neubewertung von Quarzfeinstaub zu der Einschätzung, "kristalline Kieselsäure, die in der Form von Quarz oder Cristobalit aus beruflichen Quellen eingeatmet wird, als krebserzeugend beim Menschen" anzusehen. Im engen Zusammenhang mit der Diskussion um eine mögliche lungenkrebserzeugende Wirkung von Quarzfeinstäuben beim Menschen steht auch die Frage der zulässigen Quarzfeinstaubexposition, also des Grenzwertes, welcher für Quarz in der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit 0,15 mg/m3 beträgt.




Lungenkrebsrisiko bei Quarzfeinstaubexposition?


Inzwischen hat sich auch die MAK-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit der Neubewertung der Wirkung von Quarzfeinstäuben beschäftigt, nachdem die letzte Bewertung von Quarz aus dem Jahre 1984 zum Ergebnis gekommen war, dass Quarz nicht krebserzeugend ist. Auf der Grundlage der Fülle der neuen Ergebnisse ist man nun allerdings der Auffassung, dass eine Neubewertung erforderlich ist. Diese hat lt. Begründungspapier Folgendes ergeben: "Aus den epidemiologischen Untersuchungen ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Quarzstaub-Exposition und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken. An der Ratte führte Quarz nach inhalativer und intratrachealer Applikation ebenfalls zur Entwicklung von Lungentumoren. Daher wird Quarz in die Kanzerogenitätskategorie 1 des Abschnittes III der MAK- und BAT-Werte-Liste eingestuft."Die epidemiologischen Studien zeigen, dass die Lungenkrebshäufigkeit vor allem bei Arbeitern mit einer Silikose erhöht ist. Zur Reduzierung des Krebsrisikos ist daher in erster Linie auf eine Verhinderung der Silikose zu achten. Die MAK-Kommission hat diese für Quarzfeinstaub bedeutsame Neueinstufung vorgenommen, obwohl sie gleichzeitig darauf hinweist, dass der Wirkungsmechanismus von Quarzfeinstaub noch nicht hinreichend bekannt ist. Insofern ist aus den epidemiologischen Daten die Frage, ob Quarz direkt sowohl die Silikose als auch das Lungenkarzinom verursacht, oder ob Quarz direkt nur die Silikose, aber nicht den Lungenkrebs verursacht, zur Zeit nicht zu beantworten. Immerhin wird jedoch der Hinweis gegeben, dass die Silikose z. B. die Selbstreinigungs-Funktion der Lunge beeinträchtigt, wodurch möglicherweise andere Schadstoffe die Entwicklung eines Lungenkarzinoms erleichtern. Quarz ist nicht gleich Quarz! Dieser Tatsache ist sich die MAK-Kommission offensichtlich wohl bewusst. So weist sie darauf hin, dass unterschiedliche Quarzarten bei den Tierversuchen bei Ratten stark unterschiedliche Ergebnisse erbracht haben. Allerdings sind nach Auffassung der MAK-Kommission die derzeit vorliegenden Erkenntnisse im Hinblick auf differenzierte Wirkungen der verschiedenen kristallinen Modifikationen von SiO2 (Siliciumdioxid) für eine differenzierte Bewertung noch nicht ausreichend.Dass die Silikose offensichtlich die entscheidende Rolle spielt, wird deutlich, in dem die Experten bescheinigen, die Diagnose einer Silikose sei als Marker für hohe Exposition gegenüber Quarzstaub anzusehen. Das relative Lungenkrebsrisiko für quarzexponierte Arbeiter mit einer Silikose ist zwischen zwei und zweieinhalbfach höher als bei Quarzexponierten ohne Silikose.Auffällig ist, dass sich die MAK-Kommission entschieden hat, von der ehemals gewählten Nomenklatur "Quarz-Feinstaub und quarzhaltiger Feinstaub" abzugehen und bei der neuen Einstufung nur noch von "Siliciumdioxid, kristallin-Quarz, Cristobalit, Tridymit" zu sprechen. Aus Sicht der Praxis ist diese scheinbar unbedeutende Änderung insofern bedauerlich, weil damit die Diskussion auf Quarz jeder Korngröße ausgeweitet wird, obwohl völlig unbestritten ist, dass gesundheitliche Wirkungen ausschließlich von den Feinstaubpartikeln verursacht werden können."Unter Berücksichtigung der aktuellen neuen Quarzeinstufung durch die MAK-Kommission kommt der weiteren Behandlung des Themas eine besondere Bedeutung zu. Es gilt, den wissenschaftlichen Standpunkt der MAK-Kommission jetzt im Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), der den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung bei der rechtsverbindlichen Einstufung zu beraten hat, in ein praxisgerechtes Präventionskonzept umzusetzen. Dieses muss die Vermeidung der Silikose in allererster Linie zum Ziel haben, ohne jedoch quarzhaltige Materialien, Rohstoffe und Produkte insgesamt zu verdammen.




Präventionsschwerpunkt "Silikose" bei der StBG


Seit ihrer Gründung, spätestens jedoch seit der Aufnahme der schweren Staublungenkrankheit "Silikose" im Jahre 1929 in die Liste der Berufskrankheiten, fühlt sich die StBG in besonderem Maße verpflichtet, sich intensiv mit der Wirkung von Quarzfeinstaub zu befassen. Über Jahrzehnte lag die "Silikose" bei den neuen Berufskrankheitenrenten mit großem Abstand an erster Stelle der StBG-Rangliste. Erst in jüngster Zeit hat die Berufskrankheit "Lärmschwerhörigkeit" die Spitzenstellung bei den neuen Berufskrankheitenrenten eingenommen. Dennoch dominieren die "Silikose" und die "Siliko-Tuberkulose" bei einer Analyse des Rentenbestandes noch immer mit insgesamt 1.482 laufenden Renten. Fast 20 Prozent der jährlichen Entschädigungsleistungen in Höhe von zur Zeit 253 Millionen DM entfallen auf Berufskrankheiten - und hiervon ein Großteil auf die "Silikose" und "Siliko-Tuberkulose".
Aufgrund ihres gesetzlichen Auftrages, aber auch wegen der ökonomischen Zwänge, hat sich die StBG schon früh dafür eingesetzt, alle denkbaren Maßnahmen gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen und den Versicherten zu ergreifen, um die Auswirkung von Quarzfeinstaubexpositionen zu verringern und die Silikoseerkrankungen zurückzudrängen. Exemplarisch seien an dieser Stelle genannt:

  • die Erarbeitung von Sicherheitsstandards (Unfallverhütungsvorschrift "Gesundheitsgefährlicher mineralischer Staub" - VBG 119),
  • die Optimierung der Gewinnungs- und Produktionstechnik (z. B. staubreduzierte Produktionsmethoden, Staubabsaugung, Maschinenkapselung, Raumbelüftung),
  • die Nutzung persönlicher Schutzausrüstung,
  • die Förderung einer intensiven arbeitsmedizinischen Vorsorge zur Früherkennung gesundheitlicher Schäden,
  • die Schulung und Unterweisung von Versicherten sowie vielfältige Forschungsaktivitäten.

Obwohl die Entwicklung von Silikoseerkrankungen im Regelfall aufgrund der langen Latenzzeiten nur langfristig beeinflusst werden kann und viele der heute durch Renten neu zu entschädigenden Berufskrankheiten auf Expositionen zurückzuführen sind, die 20 bis 40 Jahre zurückliegen, sind positive Entwicklungen als Ergebnis dieser Maßnahmen unverkennbar. Diese Schlussfolgerung wird durch eine kritische Analyse des umfangreichen Datenmaterials der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft untermauert. Im Folgenden sind wichtige Ergebnisse einer solchen Analyse dargestellt.




Quarzfeinstaubbelastungen an den Arbeitsplätzen


Im Jahre 1998 waren rund 13.300 Versicherte bei ihrer Tätigkeit einer Quarzfeinstaubexposition ausgesetzt und hatten sich entsprechenden arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Aufgrund von Anpassungsprozessen im Bearbeitungsprozess, aber auch aufgrund der wirtschaftlichen Situation und des Personalabbaues in der Baustoff-Industrie ist über die letzten Jahre ein kontinuierlicher Rückgang der quarzfeinstaubexponierten Versicherten zu verzeichnen.Da eine vollständige messtechnische Überwachung des betroffenen Personenkreises weder möglich noch sinnvoll war, wurde aufgrund der Kenntnis von Quarzfeinstaubbelastungen exemplarischer Arbeitsplätze und des zu bearbeitenden Materials festgelegt, welche Personengruppen in die arbeitsmedizinische Vorsorge einzubeziehen waren.Trotz dieser pragmatischen Vorgehensweise liegen umfangreiche Quarzstaubmessdaten vor. Ab 1973 wurden durchschnittlich 250 bis 300 Quarzstaubmessungen pro Jahr durchgeführt.

Anzahl der ausgewerteten Quarzmeßdaten 1973 bis 1998 (gesamt 6.253)

Wie Abb. 1 zeigt, erreichte nach der deutschen Wiedervereinigung der Spitzenwert im Jahre 1994 mit knapp 500 Quarzstaubmessungen den Höhepunkt, wobei inzwischen das Niveau wieder auf den Durchschnittswert abgesunken ist. Damit liegen heute für den Bereich der StBG 6.253 Quarzstaubmessdaten vor. Die meisten Messdaten wurden im Bereich der Gewinnung und Aufbereitung von Naturstein sowie bei der steinmetzmäßigen Bearbeitung von Naturstein erzielt. Eine zusammenfassende Betrachtung aller vorhandenen Quarzstaubmessdaten der Jahre 1973 bis 1998 weist aus, dass in den Anfangsjahren sowohl die 90-Prozent-Werte als auch die arithmetischen Mittelwerte aller Messdaten den heutigen MAK-Wert in Höhe von 0,15 mg/m3 weit überschritten haben. In den Folgejahren ist jedoch ein kontinuierlicher Rückgang der Überschreitung zu erkennen. Die Bemühungen der Betriebe und der Berufsgenossenschaft haben erkennbar dazu geführt, die Belastung durch Quarzfeinstaub an den Arbeitsplätzen stetig zu reduzieren. Erstmals 1998 lag sowohl der 90-Prozent-Wert als auch der arithmetische Mittelwert der Messdaten unterhalb des derzeitigen MAK-Wertes (Abb. 2).

Quarzstaubmeßdaten 1973 bis 1998

Betrachtet man die Frage, bei welchem Prozentsatz der Quarzfeinstaubmessungen der MAK-Wert eingehalten wird, so weist Abb. 3 aus, dass in den Anfangsjahren der Staubmessungen circa 50 bis 60 Prozent aller Messungen zum Teil deutlich über dem MAK-Wert lagen.

Quarzstaubmeßdaten 1973 bis 1998 - Einhaltung des Meßwertes

1998 wird der MAK-Wert bei den analysierten Staubmessungen zu mehr als 90 Prozent eingehalten. Bei all diesen Betrachtungen muss berücksichtigt werden, dass bei diesen von der StBG veranlassten und durchgeführten Messungen quasi eine "worst case indication" unterstellt wurde. Die Messungen finden nur da statt, wo der hinreichende Verdacht oder die Vermutung besteht, dass aufgrund von Mängeln in der technischen Ausrüstung der Arbeitsplätze oder der Absauganlagen bzw. eines nicht dem Stand der Technik entsprechenden Arbeitsverfahrens der MAK-Wert für Quarzfeinstaub nicht eingehalten wird. Das beschriebene umfangreiche Messkollektiv verdeutlicht, dass mit dem aktuellen Stand der Technik ein MAK-Wert von 0,15 mg/m3 heute eingehalten werden kann, wobei in den zurückliegenden Jahrzehnten zum Teil drastische MAK-Wertüberschreitungen zu erhöhten Staubbelastungen geführt haben, die sicherlich für die heute aktuell zu entschädigenden neuen Berufskrankheitenrenten eine der wesentlichsten Ursachen darstellen.




Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen


Nachdem in den sechziger Jahren bereits in Ballungsräumen der Natursteingewinnung und Bearbeitung, z. B. im Bayerischen Wald, ein Röntgenbus der Bergbau-Berufsgenossenschaft eingesetzt worden war, um die Akzeptanz für Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen und somit die Effizienz des Vorsorgesystems zu steigern, entschloss sich die StBG, ab Mai 1970 einen eigenen Röntgenbus in Betrieb zu nehmen. Dieses Vorsorgesystem, von dem sowohl die Unternehmen als auch die Versicherten profitieren, hat sich in den Folgejahren mehr und mehr durchgesetzt und bewährt. Für die Unternehmen liegt der Vorteil des Verfahrens darin, dass ihnen Organisationsarbeiten für die Durchführung der Untersuchungen weitestgehend abgenommen werden und weite Fahrwege mit langen Ausfallzeiten der Versicherten zu den ermächtigten Ärzten entfallen. Für die Versicherten liegt der Nutzen darin, dass ihnen eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung angeboten wird, die aufgrund der Spezialisierung der eingebundenen Ärzte und der branchenspezifischen Erfahrungen ein bestmögliches Qualitätsniveau gewährleistet.

Röntgenmobil der StBG   Untersuchung im Röntgenmobil
Abb. 4
Röntgenmobil der StBG
  Abb. 4a
Untersuchung im Röntgenmobil


Seit Anfang 1997 setzt die StBG das weltweit erste digitale Röntgenmobil ein (Abb. 4 und 4a). Früher bestehende Nachteile mobiler Verfahren, wie z. B. die für die Entwicklung herkömmlicher Röntgenaufnahmen benötigte Zeit, sind entfallen - die ermächtigten Ärzte der StBG können sofort das Röntgenbild begutachten, mit dem digital gespeicherten vorherigen Röntgenbild vergleichen und auf dieser Basis ein qualifiziertes Beratungsgespräch mit dem Probanden führen.
1998 wurden 5.005 quarzfeinstaubexponierte Versicherte untersucht, wobei das Röntgenmobil der StBG mit 3.621 Untersuchungen in 505 Betriebsstellen beteiligt war. Bei den übrigen handelt es sich um Erst- bzw. Nachuntersuchungen, welche nicht vom Röntgenmobil erfasst werden konnten.Für den Zeitraum von 1990 bis 1998 wurden die zu den Vorsorgeuntersuchungen gehörigen ärztlichen Bescheinigungen ausgewertet. In diese Auswertung konnten insgesamt die Ergebnisse von 38.800 G 1.1-Untersuchungen einbezogen werden.

Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen nach G1.1 / 1990 - 1998

Abb. 5 zeigt das Ergebnis. Bei 92,4 Prozent (35.845 Untersuchungen) bescheinigten die ermächtigten Ärzte "keine" gesundheitlichen Bedenken. Bei sieben Prozent (2.726 Untersuchungen) bestanden "keine gesundheitlichen Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen". Die ermächtigten Ärzte gaben hierbei zumeist an, dass der MAK-Wert sicher eingehalten werden müsse, die Entstaubungsanlage konsequent zu benutzen sei oder die persönliche Schutzausrüstung Verwendung finden müsse. Bei 27 Fällen (das entspricht nur 0,07 Prozent) wurden "befristete gesundheitliche Bedenken" ausgesprochen, lediglich in 64 Fällen (0,17 Prozent) mussten "dauernde gesundheitliche Bedenken" bescheinigt werden. Bei 138 Fällen (0,36 Prozent) lag das Ergebnis der Vorsorgeuntersuchungen noch nicht vor. Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass bei 99,4 Prozent der ausgewerteten Vorsorgeuntersuchungen (38.571 Untersuchungen) entweder keine Bedenken oder keine Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen bescheinigt wurden. Hinweise auf ansteigende Risiken, an Silikose zu erkranken oder gar an anderen Krankheiten, wie z. B. Lungenkrebs, sind aus den ausgewerteten Vorsorgeuntersuchungen nicht abzuleiten - im Gegenteil: Sie dokumentieren die Effizienz der präventiven Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Versicherten.




Entwicklung der Berufskrankheit "Silikose"


Das entscheidende Kriterium für die Effizienz der ergriffenen Maßnahmen ist das Entstehen neuer Berufskrankheiten. Dabei ist bei allen Betrachtungen zu berücksichtigen, dass im Regelfall zwischen Exposition und Auftreten einer Silikose ein langer Zeitraum von circa 20 bis 40 Jahren liegt. Dies bedeutet, dass die meisten heute zu entschädigenden Silikosen im Wesentlichen auf Quarzfeinstaubexpositionen zurückzuführen sind, die lange Zeit zurückliegen.

Bestand der Berufskrankheitenrenten 1965 bis 1997

In Abb. 6 ist der Bestand der BK 4101 "Silikose" und 4102 "Siliko-Tuberkulose" dargestellt. Dabei ist seit den sechziger Jahren ausgehend von einem Gesamtbestand von 3.123 Silikosen ein kontinuierlicher Rückgang auf 1998 noch 1.347 Berufskrankheiten zu erkennen. Der Rückgang der Zahlen ist deswegen nicht so deutlich ausgefallen, da bedingt durch die Wiedervereinigung die nach der BK-Liste der ehemaligen DDR zu entschädigenden Berufskrankheiten hinzukamen. Abb. 6 zeigt auch, dass sich aktuelle Erfolge in der Prävention hinsichtlich der von den Mitgliedsunternehmen aufzubringenden Entschädigungslasten erst langfristig kostensenkend auswirken können. Ein langer Atem ist gefragt, denn der BK-Bestand bestimmt im Wesentlichen die Höhe des Beiträge zur Berufsgenossenschaft. Dennoch muss es als großer Erfolg gewertet werden, dass die Zahlen seit 1965 bis 1998 trotz Erweiterung der Versichertenbasis um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind.
Auskunft über die aktuelle Entwicklung geben die Zahlen der neuen BK-Renten von 1955 bis 1998. Kamen Anfang 1955 noch jährlich 258 neue BK-Renten zum vorhandenen Bestand hinzu, so waren es 1998 nur noch 41 neue Fälle - und dies, obwohl auch hier die Versichertenbasis im Jahr 1990 sprunghaft um circa die Hälfte erweitert wurde. Der Rückgang dieser neuen, kostenintensiven BK-Renten auf nur noch circa 15 Prozent des Niveaus von 1955 zeigt die Erfolge in der Prävention am deutlichsten.




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Forschungsaktivitäten

Aufgrund der anhaltenden Diskussion um die Frage, ob Quarzfeinstaubexpositionen zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führen, hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft der keramischen und Glas-Industrie und dem Institut für medizinische Statistik und Epidemiologie der Technischen Universität München eine Fall-Kontroll-Studie zur Untersuchung des neuen Zusammenhangs zwischen Exposition gegenüber lungengängigem Quarzfeinstaub und dem Auftreten von Lungenkarzinomen durchgeführt. Das Rauchverhalten der Probanden und das Ausmaß der Quarzfeinstaubexpositionen wurden bei dieser Fall-Kontroll-Studie mit großem Aufwand genauestens berücksichtigt. Erhöhte Risiken für Lungenkrebs bei Quarzfeinstaubexpositionen wurden nicht beobachtet: Die "Odds Ratios" für die maximale, die durchschnittliche bzw. die kumulative Exposition lagen zwar alle knapp über 1 (1,18 bis 1,26), waren jedoch statistisch nicht signifikant erhöht.
Da bei der zitierten Studie die Frage offen blieb, welchen Einfluss die Silikose auf ein diskutiertes Lungenkrebsrisiko hat, wird z. Zt. in einer weiteren, als Kohorten-Studie angelegten Untersuchung analysiert, ob ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Silikosen und einem erhöhten Lungenkrebsrisiko besteht. An dieser Studie sind neben der StBG auch die Berufsgenossenschaft der keramischen und Glasindustrie und die Tiefbau-Berufsgenossenschaft mit eingebunden. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Gesamtmortalität der Kohorte vorhanden ist. Statistisch signifikant erhöht sind offensichtlich die Pneumokoniosen (Silikose) und die Tuberkulosen (Siliko-Tuberkulose). Dies ist keine Überraschung, sondern entspricht den Erwartungen. Bei den Lungenkrebserkrankungen deutet sich eine leicht erhöhte Standardmortalitätsrate an, die jedoch nicht statistisch signifikant ist. Sollte sich dieses Ergebnis verfestigen, so stünde dies im Einklang mit den Ergebnissen anderer Studien. Die Vermeidung neuer Silikoseerkrankungen wäre also ein geeignetes Instrument, um im Sinne der Prävention auch evtl. erhöhte Lungenkrebsrisiken auszuschließen.




Der Förderpreis 2000 - er kommt!
Fazit

Die Daten zeigen, dass die präventiven Maßnahmen, die seitens der StBG ergriffen wurden, um die Berufskrankheit "Silikose" zu verhindern, greifen. Die Belastungen durch Quarzfeinstäube an den Arbeitsplätzen sind deutlich rückläufig. Dies und eine intensive arbeitsmedizinische Vorsorge, die der Früherkennung gesundheitlicher Beeinträchtigungen, aber auch der Unterrichtung und Motivation der Versicherten dient, hat dazu geführt, dass sowohl der Bestand der BK-Renten bei den Silikosen und Siliko-Tuberkulosen, als auch insbesondere die jährlich neu zu entschädigenden BK-Renten drastisch zurückgegangen sind. Der Weg einer derart konsequenten Prävention zur Vermeidung von Silikose sollte weiterverfolgt werden. Um hier neue Impulse zu geben, gibt die StBG in Kürze einen Sicherheits-Check "Umgang mit quarzhaltigen Feinstäuben" heraus. Dieser soll den Unternehmern bei ihrer nach dem Arbeitsschutzgesetz bestehenden Verpflichtung helfen, Risiken und Gefährdungen zu dokumentieren, Defizite zu erkennen und den aktuellen Stand der Technik einzuhalten. Die heute zu entschädigenden neuen Berufskrankheiten sind auf erhöhte Quarzfeinstaubexpositionen in zurückliegenden Jahrzehnten zurückzuführen. Das Ziel muss deshalb sein, den derzeit gültigen MAK-Wert in Höhe von 0,15 mg/m3 sicher einzuhalten, um neue Silikoseerkrankungen zu verhindern. Der derzeitige Grenzwert scheint ausreichend, um dieses Ziel zu erreichen. Sollte sich die Hypothese, dass bei Vermeidung neuer Silikosen auch kein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Quarzfeinstaubexpositionen vorliegt, bestätigen, so lautet die Forderung an die wissenschaftlichen Gremien, eine praxisgerechte Bewertung der Risiken durch Quarz zu finden, die dem Schutz des Menschen Rechnung trägt. Ein bewusster Umgang mit quarzhaltigen Materialien ist zu befürworten, eine generelle Zuordnung in die Schublade "krebserzeugend" dagegen keinesfalls. Schließlich ist das Mineral Quarz nach den Feldspäten das häufigste Mineral der Erdkruste und keineswegs nur an Arbeitsplätzen anzutreffen.



Literatur:
Ulm, K. und B. Waschulzik, Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie der Technischen Universität München (1998): "Quarzfeinstaub und Lungenkarzinom"- Ergebnisse einer Fallkontrollstudie zur Untersuchung eines Zusammenhanges zwischen einer Exposition gegenüber lungengängigem Quarzfeinstaub und dem Auftreten von Lungenkarzinomen, herausgegeben durch den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften e.V. (HVBG), Alte Heerstraße 111, 53754 Sankt Augustin.

  Helmut Ehnes   Helmut Ehnes
Nach dem Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität München angestellt beim TÜV Rheinland in Köln.

Seit 1983 als Technischer Aufsichtsbeamter bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, bis 1989 in der Sektion I - Nürnberg tätig.
1989 bis 1995 Stellvertretender Leiter des Technischen Aufsichtsdienstes, seit 1996 Leiter des Geschäftsbereiches Prävention und Leiter des Fachausschusses 'Steine und Erden I'.

StBG, Tel. 05 11/72 57 - 970, Fax /72 57 - 791,
      E-Mail: bg02@aol.com




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