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Nassgewinnung mit Saugbaggern

Saugbagger sind kontinuierlich arbeitende Geräte der Nassgewinnung für Gewinnungstiefen bis zu 35 Meter, in Einzelfällen bis zu 50 Meter. Diese größeren Gewinnungstiefen werden durch die Anordnung der Baggerpumpe unter dem Wasserspiegel erreicht. Zu unterscheiden sind Saugbagger mit und ohne Lösehilfen. Bei Lösehilfen ist zwischen hydraulisch (sog. Jet-Systeme) und mechanisch arbeitenden Lösehilfen (Schneidrad, Fräsrad, Schneidkopf) zu unterscheiden. Saugbagger ohne Lösehilfe können in harten oder lehmigen Schichten kaum eingesetzt werden. Dies ist nur mit diesen Lösehilfen möglich. Ein Vorteil der Saugbagger sind relativ geringe Anschaffungskosten und eine vergleichsweise höhere Mobilität, sowie die optimale Anpassungsfähigkeit an wellige Liegendhorizonte. Für alle Saugbagger gilt, dass sie die Böschungsbereiche gering beeinträchtigen, da für die Verlegung der Druckrohrleitung keine aufwendigen Montagearbeiten und Verankerungen nötig sind.

 


Neuentwicklung eines Schneidradsaugbaggers für große Tiefen

Für die denkbar schwierigsten Einsatzbedingungen in einer sehr quarzhaltigen Sandlagerstätte mit verschieden mächtigen Eisensteineinlagerungen wird von der Firma Habermann GmbH, Witten, z. Zt. ein neuer Schneidradsaugbagger für eine Abbautiefe von 24 Metern entwickelt. Das Gerät zeichnet sich durch extrem große Lösekräfte, eine bisher unerreichte Gemischkonzentration und einem theoretischen Auskiesungsgrad von über 97 Prozent aus. Das neue Gerät wird ab Juli diesen Jahres unter dem Namen "Rolus 35" in der eigenen Baggerflotte als Lohnbagger zum Einsatz kommen.Das Schiff ist in Katamaranbauweise ausgeführt, wobei die Hauptponton im mittleren Bereich höher gebaut sind, um dort das Hydraulikaggregat, den Schaltschrank, den Öltransformator und den Lager-/Werkstattraum aufzunehmen. Die Schneidradleiter wird in einer besonders biege- und verwindungsteifen Gitterkonstruktion aus Vollwandprofilen gefertigt. Zur Optimierung des Ansaug- und Anlaufverhaltens der Pumpe wurde diese als Unterwasserpumpe auf der Leiter ausgeführt. Ebenfalls auf der Leiter, jedoch oberhalb des Schwenkpunktes sind die zwei Verholwinden und der Antriebsmotor installiert. Anders als bei normalen Grundsaugbaggern ist der Kraft-Ansatzpunkt der Winden unmittelbar hinter dem Schneidrad angebracht, so dass die Verholkräfte direkt auf das Schneidrad wirken und nicht über die Leiterkonstruktion übertragen werden müssen. Der definierte Schwenkpunkt des Baggers ist durch einen achtem angebrachten Seil-Sternpunkt, oder auch "Christmas Tree" genannt, ausgebildet. In diesem Sternpunkt laufen drei Verholseile in einen Punkt zusammen, so dass dadurch ein definierter Schwenkpunkt entsteht, um das sich der Bagger bei der Schneidarbeit dreht. Auch Aspekte der Arbeitssicherheit wurden bei der Konzeption berücksichtigt.So wurde für Servicezwecke rund um das heraufgezogene Schneidrad eine Umgehung an dem Schwimmausleger angebracht, wodurch eine gute Zugänglichkeit aller Teile des Schneidrades gewährleistet ist. Die elektrische Verkabelung zwischen Steuerkabine und Schaltschrank wird bei diesem Schiff, ebenso wie bei allen neuen Habermann-Saugbaggern, in BUS-Technik ausgeführt.




Kratzkette für kontinuierlichen Baggerbetrieb

Eine Reihe von Kiesvorkommen enthalten viele, nicht mehr pumpengängige Steine über 180 Millimeter und auch viele nicht mehr saugrohrgängige Steine über 300 Millimeter. Um unter wirtschaftlichen Bedingungen fördern zu können, werden Saugbagger mit Kratzketten eingesetzt. Ein Beispiel hierfür ist dieses von der Firma Marheine, Burgdorf, entwickelte und gebaute 42 Meter lange, 5,8 Meter breite und 87 Tonnen schwere Schiff mit einem Tiefgang von 0,7 Meter. Die gesamte Arbeitseinheit mit Baggerpumpe und Antriebsmotor ist auf einem Grundelement aufgebaut. Die einzelnen, leicht zu transportierenden Teil-Elemente werden mit Bolzenverbindungen zusammengesetzt. Der Bagger wird am Ufer aus den vorgefertigten Grundelementen zusammengebaut und dann mit zwei Autokranen zu Wasser gelassen. Da Verkabelungen und Verrohrungen zwischen den einzelnen Elementen weitestgehend entfallen, zudem die Bolzenverbindungen einen schnellen Zusammenbau gewährleisten, ist die gesamte Montage und Zuwasserlassung in zwei Arbeitstagen abgeschlossen. Als Arbeitsmaschine wird eine Baggerpumpe mit einem Saugrohr von Nennweite 350 Millimeter und einem Druckrohr von der Nennweite 300 Millimeter eingesetzt. Diese Baggerpumpe ist eine Neuentwicklung der Firma Marheine, ausgelegt als großer Langsamläufer für eine außerordentlich hohe Pumpleistung bei langen Standzeiten. Die konzipierte Gemischförderleistung liegt bei 1200 m3/h. Als Antriebsaggregat ist ein Dieselmotor mit 305 kW (415 PS) bei 1500 U/min installiert. Die Kratzkette lockert festen Boden auf und wirkt gleichzeitig als Grobabscheider vor dem Saugrohrmund. Es wurde eine Größe mit 9"-Teilung gewählt. Das ergibt eine Gliederöffnung von 140 mm x 140 mm als maximalen Steindurchgang. Die Länge wurde für eine Baggertiefe von 23 Meter ausgelegt. Das Gerät ist so konzipiert, dass von der Kratzkette erfasstes Überkorn zunächst über eine Rampe und über ein Querband in eine Schute längsseits des Schiffes gefördert werden kann.

Da Nebenzeiten zur Entleerung eines Steinfangkessels, zur Abnahme von Steinen vor dem Saugrohr entfallen, erhöht sich mit diesem Verfahren die effektive Pumpzeit. Nicht pumpengängige Steine werden aus dem Bereich des Saugmundes herausgefördert, so dass die Aufnahme von gewinnbarem Material ungestört bleibt. Insgesamt wird eine unterbrechungsfreie Saugleistung mit gleichmäßigem, hohem Feststoffanteil erreicht. Durch den homogenen, stetigen Förderstrom werden selbstverständlich auch nachfolgende Anlagenteile besser ausgelastet.

Durch den Einsatz dieses innovativen Saugbaggers konnte nach Aussage des Herstellers die Produktivität der Grube von circa 100 t/h auf rund 300 t/h gesteigert werden. Damit war die Existenz des Betriebs, die vorher in Frage gestellt war, für die Zukunft gesichert.



Technische Daten:

Arbeitstiefe: 24 m
Länge: 33 m
Breite: 6 m
Höhe: 6 m
Gewicht: ca. 91 t
Antrieb Pumpe: 200 kW
Antrieb Rad: 55 kW (Hydraulik)
Gewicht Rad: 3,5 t
Drehzahl Rad: 0 ... 26 1/min
Schneiden: 24
Zähne: 96
Raddurchmesser: 1.250 mm
Verholwinden: 5 x 2,5 t, je 5,5 kW
Hubwinde: 6,3 t, 25 kW





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