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Beton pumpen - aber sicher!

StBG und Hersteller qualifizieren Betonpumpenmaschinisten

"Beton - es kommt drauf an, was man draus machen", dieser Werbeslogan der Betonindustrie lässt sich nur wirksam umsetzen mit Architekten, Ingenieuren und der verarbeitenden Industrie. Ein wichtiges, öffentlich eher wenig beachtetes Glied in der Arbeitskette Baustelle sind die Betonpumpenmaschinisten. Sie fördern mit bis zu 62 Meter langen Verteilermasten den Baustoff genauso zu Fundamenten in der Tiefe wie auch in schwindelerregende Höhen, zu Tunnel- und Unterwasserbaustellen - ständig wechselnde Einsatzorte und häufig ein enormer Zeitdruck kennzeichnen ihren Arbeitsalltag.

Es ist sieben Uhr morgens und noch stockfinster. Vorsichtig manövriert Klaus Tietze das 30 Tonnen schwere Betonpumpenfahrzeug durch den aufgeweichten Boden der Großbaustelle im rheinland-pfälzischen Ginsheim. Nur schemenhaft erkennt er die nicht verbaute Baugrube. Er bittet einen Arbeiter, ihn bis auf höchstens fünf Meter heranzuwinken, sonst kann er nach dem Ausfahren der Stützen keinen Sicherheitsabstand mehr einhalten. Der Polier drängt zur Eile, schließlich sollen an diesem Morgen noch 500 Kubikmeter Beton in das Fundament der Tiefgarage gepumpt werden. Da ist die Frage Tietzes nach eventuellen Hohlräumen oder frisch verfüllten Stellen im Boden schon zuviel, der Ton ist gereizt. Doch der Pumpenmaschinist ist bereits ein "alter Hase" und weiß um die Gefahren, wenn die Stützen mit über 20 Tonnen auf den Untergrund drücken: "Mir ist in den 27 Jahren auf der Betonpumpe noch kein Fahrzeug umgekippt", berichtet er ein bißchen stolz. Doch gerade für jüngere Kollegen sei es oft schwer, sich unter Zeitdruck und allein gegenüber dem Baustellenpersonal durchzusetzen.


Qualifikation von Betonpumpenmaschinisten

Qualifikationsmaßnahme

Berufseinsteiger

bereits mehrjährig tätige Maschinisten

Einweisung im Betrieb durch fachkundiges Personal und Patenschaft im 1. Jahr

vor bzw. ab Beginn der Tätigkeit

 
Vorbereitungslehrgang beim Hersteller (2-tägig)

innerhalb eines Jahres oder bei Bedarf (z. B. bei neuer Betonpumpentechnologie)

bei Bedarf (z. B. bei neuer Betonpumpentechnologie)

Lehrgang "Qualifizierter Betonpumpenmaschinist" (1 Woche incl. theoretischer und praktischer Prüfung)

Innerhalb eines Jahres

angestrebt innerhalb einer Übergangszeit von 5 Jahren

Fortbildungsseminar "Arbeitssicherheit" (1-tägig)

mindestens alle 5 Jahre

Bedarfsgerechte Unterweisung durch fachkundiges Personal

Nach Bedarf, mindestens aber einmal jährlich mit Nachweis




Wochenplan für das Seminar Qualifizierter Betonpumpenmaschinist

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
Vormittag Eröffnung
Arbeitssicherheit beim Betonpumpen
Stressbewältigung und Kommunikation auf der Baustelle Betonpumpen-
technik
Praktische Übungen Organisation und Wirtschaftlichkeit des BP-Betriebes
schriftliche Prüfung
Nachmittag Arbeitssicherheit Betontechnologie Betonpumpen-
technik
Praktische Übungen praktische und mündliche Prüfung bis ca. 16 Uhr


Um die Bewältigung solcher Streßsituationen geht es unter anderem in dem Ausbildungslehrgang "Qualifizierter Betonpumpenmaschinist", der im Dezember zum ersten Mal in neuer Form in Kaiserslautern stattfand. Die bisherige Ausbildung in diesem Bereich wies gegenüber der für vergleichbare Berufsgruppen, wie Kranfahrer, erhebliche Defizite auf. Die bis 1997 geplanten zweiwöchigen Lehrgänge stießen aufgrund der Dauer und hoher Kosten nicht auf eine zufriedenstellende Resonanz in den Betrieben. Hinzu kommt, daß aufgrund der Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz der StBG seit einem Jahr ein Ausbildungsnachweis für Betonpumpenmaschinisten vorgeschrieben ist (vgl. ZH 1/573 (neu BGR 182), Abs. 4.1.2. sowie Anhang 1). Eine umfassende theoretische und praktische Unterweisung können aber nur die wenigsten Betonpumpenbetreiber ihren Mitarbeitern bieten.
Zusammen mit den größten deutschen Betonpumpenherstellern Putzmeister und Schwing hat die StBG deshalb ein Ausbildungskonzept entwickelt, das sich eng an die Praxis anlehnt. Nach der Einarbeitung im Unternehmen besucht ein Berufseinsteiger einen zweitägigen Lehrgang des Herstellers. Innerhalb eines Jahres soll er dann an dem neuen einwöchigen Lehrgang "Qualifizierter Betonpumpenmaschinist" teilnehmen. Bei dieser Ausbildung, die unter der Schirmherrschaft der StBG steht, üben die Teilnehmer an einem Tag live am Gerät Situationen des Arbeitsalltags und erhalten Fachtipps zur Pumpentechnik. Da die Seminare jeweils in der Nähe und in Abstimmung mit einem großen Betonpumpenbetreiber stattfinden, können unter anderem die Kosten für das Anmieten der Auto-Betonpumpen eingespart werden.Auch im theoretischen Ausbildungsteil geben Fachleute der Hersteller und aus der Betonindustrie ihr Wissen an die Maschinisten weiter: Im Themenschwerpunkt "Betontechnologie" geht es unter anderem um die Anforderungen an Pumpbeton und die Einflüsse verschiedener Zusätze; die "Betonpumpentechnik" informiert über Bauarten, Baugruppen und das fachgerechte Betreiben der Pumpen. Beim ersten Lehrgang in Kaiserslautern auf dem Gelände der Firma Trapobet betreuen Harald Vierling von Trapobet den Bereich Technologie, Günter Müllerschön (Putzmeister) und Karl Bopp (Schwing) die Betonpumpentechnik.Jürgen Bitsch, Prokurist bei Neuland Beton H. Burgis KG und früher selbst Pumpenmaschinist, gibt den Teilnehmern unter dem Thema "Organisation und Wirtschaftlichkeit" einen Einblick in seine vierzigjährige Berufserfahrung. Er rät: "Wenn die Zeit noch so knapp und der Druck auf der Baustelle noch so groß ist, fahren Sie nicht zu dicht an Freileitungen heran und schicken Sie beim Anpumpen alle vom Endschlauch weg! Machen Sie den Leuten auf der Baustelle klar, daß sie sich sonst selbst gefährden und nicht etwa ihnen als Pumpenmaschinist einen Gefallen tun." Da der Endschlauch zu Beginn des Pumpens ausschlagen kann, gilt folgende Faustregel: Der Gefahrenbereich, in dem sich niemand aufhalten darf, hat einen Durchmesser der doppelten Endschlauchlänge. Hierauf zu achten, ist oft nicht leicht; der Maschinist steuert das Anpumpen in der Nähe des Wagens und muß gleichzeitig den Überblick über die Einfüllstelle haben.

Aufstieg
Betonpumpe
Maschinist



Kosten für Unfälle an Betonpumpen in den Jahren 1994 bis 1998

"Wie mache ich einem ausländischen Bauarbeiter, der mich aufgrund der Sprache, des Lärms und der Entfernung nicht versteht, überhaupt klar, daß er zurücktreten soll?" fragt Jörg Brausch in die Seminarrunde. Wie sich herausstellt, ist dies nur scheinbar ein banales Problem, denn die Maschinisten haben bei vielen Einsätzen damit zu kämpfen. Die Pauschallösung kennt auch Bitsch nicht, notfalls ist ein weiterer Gang zur Einfüllstelle erforderlich. Für die schnelle Orientierung und Verständigung auf der Baustelle eignet sich das wetterfest verarbeitete Merkblatt der StBG für Betonpumpenmaschinisten: Die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen und Verantwortlichkeiten sind darauf mit Bildern und Kurztext dargestellt. Auch Ulrich Matz, Technischer Aufsichtsbeamter in der Sektion II der StBG, weist im sicherheitstechnischen Ausbildungsteil die Männer auf ihre Verantwortung hin: Der Fahrzeugzustand, der sichere Aufbau und die Absprache mit der Bauleitung sind dabei nur einige Punkte. Ein besonders heiß diskutiertes Thema ist das Vergrößern der Reichweite: "Manchmal ordern die Firmen zu kleine Pumpen, um Geld zu sparen, oder berechnen die notwendige Reichweite falsch. Und auf der Baustelle werden dann mit Traverse die fehlenden Meter ersetzt", berichtet ein Teilnehmer. Doch hier herrscht von der Herstellerseite über den Aufsichtsbeamten bis zu den Praktikern Einigkeit: Verlängerungen an der Mastspitze und am Endschlauch über die in der Betriebsanleitung angegebene Länge hinaus sind verboten, denn sie belasten den Verteilermast und im schlimmsten Fall kann die Maschine umstürzen. Am Ende der Ausbildungswoche stehen die schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungen. Dann ist es geschafft: Alle Teilnehmer des ersten Lehrgangs bestehen und erwerben den Titel "Qualifizierter Betonpumpenmaschinist" nebst entsprechendem Führerschein. Die Maschinisten loben vor allem die sehr gute Organisation des Seminars und die Orientierung am Berufsalltag. Auf die Frage nach dem praktischen Wert bildet sich folgender Tenor: Wenn sich auch nicht immer alle Vorschriften zu 100 Prozent umsetzen ließen, wären diese ihnen doch jetzt wenigstens vollständig bekannt. Vor allem den eigenen Verantwortungsbereich hätten sie viel besser einschätzen gelernt. Und das sei schließlich die Grundlage für effektives und sicheres Arbeiten mit der Betonpumpe.

Team
Überreichung des Zertifikats

 


Abstützen leichter gemacht
Mit besserer Ausstattung soll das Betonpumpen sicherer werden

Bau-BG und StBG fordern es schon länger, die neue EU-Norm DIN EN 12001 wird es z. T. vorschreiben und die Hersteller setzen es allmählich um: Die verbesserte Bedienfreundlichkeit der Betonpumpen soll dem Maschinisten nicht nur die Arbeit erleichtern, sie erhöht vor allem die Sicherheit. Und das ist dringend notwendig, wie die Unfallstatistik zeigt: 1998 verletzten sich im Durchschnitt 153 von 1.000 voll beschäftigten Betonpumpenmaschinisten; das bedeutet in der Unfallstatistik der StBG den traurigen Rang sechs. Die Kosten der Unfallversicherung für Arbeitsunfälle in diesem Bereich von 1994 bis 1998 betrugen 1998 über eine viertel Million Mark. Der Entwurf der EU-Norm, der momentan mit der europäischen Maschinenrichtlinie abgestimmt wird, enthält bereits viele sicherheitstechnische Aspekte, auf die die Berufsgenossenschaften drängen. So soll der Aufgabetrichter mit einem Gitterrost versehen sein, der an das Pumpwerk gekoppelt ist; öffnet der Maschinist den Rost, schaltet sich das Rührwerk automatisch ab. Außerdem müssen nach der neuen Norm für Instandhaltungsarbeiten, Reinigung, Auf- und Abbau Arbeitsstände vorhanden sein, von denen aus gefahrlos alle Tätigkeiten zu erledigen sind. So würde zum Beispiel ein Klapprost-Standort unterhalb des Trichters die Abrutschgefahr bei Arbeiten am Trichter minimieren. Um das Arbeiten an der Betonpumpe jedoch umfassend sicherheitstechnisch zu verbessern, schlagen die Berufsgenossenschaften noch weitergehende Neuerungen vor: Strahler, die der Fahrer im Führerhaus einschalten kann, leuchten die Stellfläche während des Manövrierens auf der Baustelle aus; Warnblinkleuchten an den Stützbeinen markieren den Standort. Außerdem kann der Maschinist mit einem Knie-Schalter die Wasserpumpe beim Reinigen des Trichterbereichs bedienen und hat so beide Hände frei zum Halten des Wasserschlauchs. Der Pumpenaufstieg sollte aus mehreren Stufen und eventuell einem flexiblen Tritt unterhalb der letzten Stufe bestehen. Und nur mit einem Handlauf und eventuell weiteren Griffen ist ein gefahrloser Aufstieg möglich. Diese Vorschläge diskutieren Vertreter der Bau-Berufsgenossenschaft und der StBG, Betreiber und Hersteller in einem Arbeitskreis. Das längerfristige Ziel ist, diese Sicherheitsstandards bei allen serienmäßig angebotenen Betonpumpen zu erreichen. Wichtig wäre, dass zumindest das Gros dieser Ausstattung in Zukunft bereits serienmäßig eingebaut ist, damit die Sicherheit nicht als teure Zusatzausrüstung zum Luxus wird.Zum Teil ist diese Sicherheitsausstattung bei den führenden deutschen Betonpumpenherstellern schon im Programm. Die Firma Schwing in Herne installiert serienmäßig unter anderem mehrere Not-Aus-Schalter sowie eine automatische Abschaltung beim Öffnen des Trichterrostes. Abdeckungen über bewegenden Maschinenteilen sind ebenso selbstverständlich wie Aufstiege mit Handgriffen oder -läufen. Alle Pump- und Auslegerfunktionen sind fernsteuerbar, Wasserkästen können vom Boden aus betankt werden und für den Kolbenwechsel wird die Pumpeinheit automatisch auf niedrigste Hubzahl gestellt. Optional bietet Schwing als Zubehör eine zusätzliche Trittfläche am Trichter und einen zweiten Schalter zur Bedienung der Wasserpumpe an. Außerdem wird auf Wunsch eine Beleuchtung des Trichterbereiches beim Reinigen und eine "Endschlauchbeleuchtung", d. h. Lampen an der Spitze des Auslegers zur Ausleuchtung der unmittelbaren Arbeitsbereiche eingebaut.Die Putzmeister AG im bayerischen Aichtal stellte bereits auf der BAUMA `98 für die M36, ihre größte Auto-Betonpumpe in der 30-Meter-Klasse, neue Ausstattungsdetails vor. Erhältlich sind momentan schon Halogen-Spotstrahler für ein sicheres Manövrieren im Dunkeln und Warnblinkleuchten an den Stützen. Außerdem gehört ein Auftritt im Trichterbereich ebenso zur Serienausstattung der M36 wie ein Knieschalter unterhalb des Trichters für die Wasserpumpe. Die Fahrzeuge sind ebenfalls serienmäßig mit einer Funk-Prop-Steuerung ausgerüstet, bei der der Maschinist ohne ein Umgreifen bei Funktionswechseln unter anderem die Maximal-Geschwindigkeit jeder Mastbewegung wählen kann. Putzmeister bietet dieses Ausstattungspaket auch für die M42, M46 und die M52 serienmäßig an.

Abbildungen:
Putzmeister (2), Schwing (1), StBG (9)

  Heidrun Becker   Heidrun Becker
Ausbildung zur Verlagskauffrau bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, ab 1991 Studium der Politologie, Geschichte und Germanistik an den Universitäten Osnabrück und Hannover mit dem Abschluß Magister Artium. Von 1997 bis Herbst 1999 Redakteurin des Fachmagazins Erneuerbare Energien, seit November Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit bei der StBG. Hier vor allem als Redakteurin für das Fachmagazin "Die Industrie der Steine und Erden" tätig.
StBG, Tel. 05 11/72 57 - 784, Fax /72 57 - 796.




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